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Hamburg

11. Dezember 2016 | 12:58 Uhr

Neuallermöhe-West : Polizisten-Schüsse in Hamburg - noch keine Vernehmungen

vom

Am Wochenende schossen Polizisten auf einen offenbar psychisch Kranken. Die Polizeigewerkschaft fordert Elektroschocker.

Hamburg | Nach den Schüssen von Polizeibeamten auf einen offenbar psychisch kranken 38-Jährigen im Hamburger Stadtteil Neuallermöhe-West sind noch viele Fragen unbeantwortet. „Die Umstände des Schusswaffengebrauchs sind nach wie vor unklar“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag. „Die beteiligten Polizeibeamten konnten noch nicht vernommen werden.“ Die Ermittlungen dauerten an. „Im Moment haben wir keine Anhaltspunkte, von einer rechtswidrigen Tat der Polizeibeamten auszugehen.“

Der 38-Jährige soll am Samstagabend mehrere Menschen mit einem Gegenstand bedroht haben. Die Staatsanwaltschaft geht nach derzeitigen Erkenntnissen davon aus, dass es sich dabei um einen Fahrradständer handelte. Zudem habe der Mann versucht, mehrere Fahrzeuge anzuhalten. Der mutmaßlich psychisch Kranke habe sich zuvor vermutlich selbst Verletzungen zugefügt.

Zwei alarmierte Polizeibeamte hätten Warnschüsse abgegeben, hieß es. Weil der 38-Jährige darauf nicht reagiert habe, hätten die Beamten auf ihn geschossen. Sie trafen ihn am Oberkörper. Der lebensgefährlich verletzte Mann kam in ein Krankenhaus und wurde notoperiert. „Er scheint stabil zu sein“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Mann habe aber noch nicht befragt werden können. Bereits am Samstagmittag habe es einen Einsatz der Polizei gegeben, bei dem der später Angeschossene beteiligt war. Worum es bei dem Vorfall im familiären Kreis genau ging, wollte die Anklagebehörde nicht sagen.

Nach den Schüssen auf den 38-Jährigen forderte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPoIG), Hamburger Polizeibeamte mit Elektroschockern auszustatten. Sie seien im Vergleich zur Schusswaffe als „die mildere Maßnahme“ anzusehen, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende, Freddi Lohse. In jedem Streifenwagen der Hansestadt solle mindestens ein Taser sein. Dieser schließe die Lücke zwischen dem Schlagstock und der Schusswaffe, erklärte Lohse.

Taser. /Archiv
Taser. /Archiv Foto: Rainer Jensen
 

Lohse betonte, der Taser sei nur in Ausnahmefällen - wenn beispielsweise der Getroffene einen Herzschrittmacher habe - gefährlich. Die Geräte schießen Metalldrähte mit Widerhaken auf den Gegner. Die Elektroden lähmen die Muskulatur des Getroffenen - er fällt kampfunfähig zu Boden. Taser sind allerdings in die Kritik geraten, denn ihr Einsatz wird, etwa in den USA und Kanada, auch mit Todesfällen in Verbindung gebracht.

Bislang sei im Stadtstaat nur eine Spezialeinheit mit Tasern ausgestattet. Nach Angaben der DPolG in Berlin ist das auch in anderen Bundesländern so.

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erstellt am 22.Aug.2016 | 16:49 Uhr

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