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Hamburg

10. Dezember 2016 | 13:48 Uhr

Lufthansa : Piloten streiken am Freitag weiter - auch Hamburg ist betroffen

vom

Am Freitag würden Kurzstreckenflüge bestreikt. Großes Chaos gebe es bislang nicht.

Hamburg | Kein Aufatmen für Lufthansa-Passagiere in Hamburg. Nachdem am Mittwoch nur vier Lufthansa-Maschine vom Flughafen in der Hansestadt abheben konnten, kündigte die Gewerkschaft am Abend weitere Streiks an. Nun gehen die Aktionen auch am Freitag weiter. Da würden Kurzstreckenflüge bestreikt.

Es handelt sich um den 14. Streik in der laufenden Tarifauseinandersetzung. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Tarifgehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren. Die Pilotengewerkschaft hatte zuvor erneut den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, in eine Schlichtung zu den offenen Gehaltsverhandlungen einzusteigen.

Am Mittwoch wurden 14 der 16 Flüge nach Frankfurt und 12 der 14 Flüge nach München wurden wegen des Streiks der Piloten gestrichen, teilte ein Lufthansa-Sprecher mit. Und am Donnerstag sieht es ähnlich aus. Am zweiten Streiktag fallen 13 von 15 Abflügen nach München aus und 14 von 16 Starts nach Frankfurt. Das gleiche gilt für die Ankünfte aus den beiden Städten. Die gestrichenen Verbindungen machen mehr als zehn Prozent aller Flüge ab Hamburg aus.

Die Lufthansa bedient von Hamburg aus nur Frankfurt und München, alle anderen Ziele werden von Tochtergesellschaften angeflogen. Rein rechnerisch werden 5000 bis 6000 Passagiere am Donnerstag nicht von und nach Hamburg reisen können.

Die Lage am Flughafen war bis am Mittwochnachmittag sehr ruhig geblieben. „Es gibt kein Chaos“, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Viele Passagiere seien gar nicht zum Flughafen gekommen, da sie rechtzeitig per SMS und E-Mail über die Ausfälle informiert wurden. Wer ab Hamburg einen Zubringerflug nach Frankfurt oder München für eine Interkontinentalverbindung gebucht habe, könne innerhalb des Lufthansa-Netzes auf die Knotenpunkte Zürich, Wien oder Brüssel ausweichen, sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber.

Bundesweit sind am Donnerstag 912 Verbindungen betroffen, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Die Lufthansa drängte die Gewerkschaft VC zu einer Vermittlung. „Wir müssen die Schlichtung haben“, sagte Lufthansa-Sprecher Martin Leutke im ZDF-„Morgenmagazin“. Er warf der Vereinigung Cockpit (VC) vor, sie sei „offenbar mehr an einer Eskalation interessiert als an einer zielorientierten Lösung des Konflikts“. Zugleich betonte das Unternehmen seine Bereitschaft zu neuen Tarifverhandlungen. Doch der Tarifstreit scheint derzeit festgefahren: Die Gewerkschaft drohte mit einer Fortsetzung des Arbeitskampfs.

Die Gewerkschaft verteidigte den neuen Streik. „Wir sind abgekoppelt worden von der Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten fünf Jahren und da möchten wir nicht länger zuschauen“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg im „Morgenmagazin“. Solange „kein verhandlungsfähiges Angebot“ von der Lufthansa komme, könne es immer wieder zu neuen Ausständen kommen.

Der Anlass des aktuellen Streiks sind Forderungen zum Gehalt der rund 5400 betroffenen Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings. Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Der deutsche Flughafenverband ADV befürchtet Schäden in Millionenhöhe durch den Streik.

Das müssen Reisende jetzt wissen:

Welche Rechte haben Passagiere?

LUFTHANSA: Betroffene Lufthansa-Flüge können kostenlos storniert werden, wie ein Lufthansa-Sprecher erklärte. Ob ihr Flug betroffen ist, können Sie auf der Webseite des Unternehmens überprüfen. Heute  sollen 876 Flüge ausfallen. Lufthansa bietet außerdem ab sofort kostenlose Umbuchungen an. Wer im Besitz eines Lufthansa-, Swiss-, Austrian-Airlines- oder Brussels-Airlines-Tickets für Flüge am 23. November 2016 mit Abflug in Deutschland ist, kann auf der Webseite des Unternehmens unter „Meine Buchungen“ umbuchen – auch, wenn der gebuchte Flug nicht vom Streik betroffen ist.Umbuchungen sind allerdings nur innerhalb des Originaltarifs möglich. Das Ticket muss vor dem 21. November 2016 ausgestellt worden sein und der neue Reisezeitpunkt vor dem 1. März 2017 liegen.

EUROWINGS: Langstreckenflüge sowie Flüge, die von Germanwings, SunExpress oder anderen Partner-Airlines ausgeführt werden, sollen von den Streikmaßnahmen nicht betroffen sein, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Betroffene Eurowings-Flüge können sowohl vor als auch nach der geplanten Abflugszeit kostenlos storniert oder umgebucht werden. Über die aktuelle Lage können sich Reisende etwa unter „Flugstatus“ auf der Eurowings-Webseite informieren.

Ersatzbeförderung

Die Fluggesellschaft muss Kunden so schnell wie möglich eine alternative Beförderung anbieten. Bei streikbedingten Flugausfällen oder deutlichen Verspätungen ist eine Umbuchung  möglich. Die Airline kann jedoch auch andere Transportwege anbieten, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist. Verschiebt sich ein Flug  um wenige Stunden, können Kunden warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Fällt der Flug jedoch  aus oder verspätet sich um mehr als fünf Stunden, dürfen sie das Ticket zurückgeben. Dann gibts  Geld zurück.

Versorgung

Verschiebt sich der Flug wegen eines Streiks, haben Passagiere je nach Dauer der Verspätung und Streckenlänge Anspruch auf Betreuungsleistungen wie Essen und Getränke. Meist erhalten sie dafür Gutscheine von der Fluggesellschaft oder – bei einer Pauschalreise – vom Veranstalter. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter auch die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Entschädigung

Nach aktueller BGH-Rechtsprechung liegt im Fall eines Streiks höhere Gewalt vor. Das bedeutet: Reisenden steht keine Entschädigung zu, wenn der Flug ausfällt oder sich mehr als drei Stunden verspätet. Das gilt unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Streiks zu minimieren.

 
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erstellt am 24.Nov.2016 | 08:06 Uhr

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