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Hamburg

05. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Wolfgang Meinhardt aus Hamburg : Pensionierter Geldeintreiber vor Gericht: „Opa Wolles“ letzter Coup kostet ihn 1500 Euro

vom

Meinhardt bedrohte einen Rentner, der einem anderen wohl 600.000 Euro schuldete. Wegen Nötigung wurde „Opa Wolle“ verurteilt.

Hamburg | Auf dem Hamburger Kiez war er vor Jahrzehnten berüchtigt - als knallharter Geldeintreiber. Mittlerweile könnte sich Wolfgang Meinhardt, 64 Jahre alt, zur Ruhe setzen. Doch „Opa Wolle“ wollte noch einen Coup landen. Dafür stand der „pensionierte“ Geldeintreiber am Montag vor Gericht - und wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Das berichtet unter anderem die Hamburger Morgenpost (Mopo).

„Der Kluge zahlt seine Schulden durch einen Vergleich! Der Dumme mit seinem Leben! Ich kenne einen Klavierspieler mit acht Fingern, hört sich scheiße an!“ Das soll in einem Drohschreiben gestanden haben, das „Opa Wolle“ bei Rentner Herrmann M. (72) in den Briefkasten steckte. Die Zeilen waren demnach in einem Exemplar des Buches „Knarre in Hals hilft immer“, ein autobiographisches Werk von Meinhardt über seine Arbeit als Geldeintreiber, geschrieben worden. „Opa Wolle“ wollte Herrmann M. zeigen, mit wem er es zu tun hatte.

Das wirkte wohl. Der 72-jährige Empfänger soll seitdem epileptische Anfälle haben. Herrmann M. zeigte Meinhardt bei der Polizei an. Es kam zum Prozess vor dem Amtsgericht Wandsbeck.

Was wollte „Opa Wolle“ von Herrmann M.?

Es ging um 600.000 Euro. Das Geld sollte einkassiert werden. Es seien Schulden, die Hermann M. beim Auftraggeber von „Opa Wolle“ habe. 

Dietrich L., der Auftraggeber, ist 79 Jahre alt, ihm gehört eine Stiftung. Hermann M. soll sich an sie gewendet und um Geld für eine neue Software gebeten haben. Die brauche er für seine Werbefirma. Der Stifter soll abgelehnt haben. Stattdessen soll er mit dem Unternehmer und seiner Geschäftspartnerin einen privaten Darlehensvertrag verfasst haben, sie gaben ihm wohl beide eine Bürgschaft.

Doch es kam nicht wie erhofft für Dietrich L.. Der Schuldner habe nicht zahlen können, weil seine Firma Insolvenz angemeldet hatte. Das Geld blieb also aus. Und dann habe es auch noch geheißen, die Bürgschaft sei ungültig, weil Hermann M.s Unterschrift nicht im Original vorlag. Der Schuldner sei bei Vertragsunterzeichnung in Italien gewesen, habe seine Unterschrift lediglich als Kopie gefaxt. Dietrich L. wartete von da an ungeduldig auf sein Geld.

Er schaltete „Opa Wolle ein, der sollte die Angelegenheit auf seine Weise regeln. In seinem Buch beschreibt Meinhardt Methoden, mit denen er früher Geld eintrieb, etwa, dass er mal ein Auto in die Luft sprengte. Herrmann M. schickte er das Drohschreiben.

„Was ich geschrieben habe, war dumm“, sagte Meinhardt am Rande des Prozesses in einem NDR-Interview. Seine Einsicht kommt jedoch zu spät. Wegen Nötigung wurden er und sein Auftraggeber vom Amtsgericht Wandsbeck verurteilt. „Opa Wolle“, der während seiner Karriere als Geldeintreiber einmal wegen Waffenbesitzes vor Gericht stand, muss 1500 Euro Strafe zahlen, Dietrich L. 20.000 Euro.

Im Gericht präsentierte sich Meinhardt ganz anders, als es sein Drohschreiben glauben ließ. Er kam mit seiner Freundin, ließ sich von ihr führen. Dem Richter soll er seinen Schwerbehindertenausweis gezeigt haben. Er habe nur noch drei Prozent Sehkraft, sei quasi blind.

Und so musste sich „Opa Wolle“ auch eingestehen: „Wie soll ich noch Geld eintreiben? Das wird nichts mehr, das ist vorbei“.

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erstellt am 27.Jul.2016 | 11:58 Uhr

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