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Hamburg

06. Dezember 2016 | 15:10 Uhr

Verkehr : Pendler-Horror: Ab 2020 gibt's Dauerstau in Hamburg

vom

Das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut prophezeit der Elbmetropole einen Verkehrskollaps - trotz neuen Straßenausbaus.

Hamburg | Etwa 330.000 Pendler strömen täglich nach Hamburg, 45 Prozent davon mit dem Auto, weitere 100.000 pendeln täglich von Hamburg ins Umland. Steht Hamburg vor dem Verkehrskollaps? Ja, sagt Professor Alkis Henri Otto vom Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Er prophezeit der Metropolregion Hamburg  in einer aktuellen Studie spätestens für das Jahr 2020 den Dauerstau. Daran werde auch der Bau der Hafenquerspange nichts ändern, der jetzt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde und damit in realistische Nähe gerückt ist.

Alkis Henri Otto.
Alkis Henri Otto.
 

Während Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch den Beschluss für die zusätzlichen Straßenbaumaßnahmen um Hamburg herum als „Meilenstein“ bezeichnete dämpft  Wissenschaftler Otto  die Erwartungen. Wenngleich die Hafenquerspange als Ost-West-Autobahn quer durch den Hamburg Hafen „längst überfällig“ sei, könne sie doch nur  eine „Linderung“, nicht aber eine „Lösung“ des Stauproblems sein:  „Ob nun eine Spur mehr oder die Hafenquerspange, wir müssen auch andere Strategien für die Bewältigung der Verkehre zu den Stoßzeiten entwickeln“, sagt Otto. Schließlich wachse nicht nur die Zahl der Einwohner in der Metropolregion, auch die Liebe zum eigenen Auto sei −  noch − ungebrochen.

Berechnungen gehen laut Otto davon aus, dass die Zahl der angemeldeten Autos in den kommenden Jahren  ansteige. Wenn sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer nicht verändere, sei deshalb Dauerstau in fünf Jahren programmiert.

Die Lösung liegt für Verkehrsforscher Otto in der gezielten Steuerung der Verkehrsströme. Denn überlastet seien die Straßen in der Regel nur zu den Hauptverkehrszeiten, während es zu anderen Tageszeiten und vor allem  nachts Überkapazitäten gebe.

Otto schlägt deshalb in der Studie vor, das „unpopuläre Instrument der Maut“ einzuführen und flexibel zu nutzen und die Gebühren zu  stark belasteten Zeiten besonders hoch anzusetzen. Darüber hinaus müsste insbesondere der Pendlerverkehr „auf die Schiene“ gesetzt werden. Voraussetzung dafür sei allerdings, eine engere Taktung und  Pünktlichkeit der Züge.

Für erforderlich hält der HWWI-Experte aber auch ein Umdenken in der Wirtschaft. In einer Welt, wo die Digitalisierung in riesigen Schritten voranschreite, sei es auf Dauer nicht nötig, dass sich täglich Hunderttausende ins Auto, in den Bus oder die Bahn setzen, um zur Arbeit  zu kommen. Städte wie Amsterdam oder Seoul machten das vor: „Dort haben Firmen  für ihre Mitarbeiter Arbeitszentren vor der Stadt gebaut. Die Arbeitsplätze sind mit der Firmenzentrale vernetzt“, berichtet Otto. So würde Pendlerverkehr reduziert. Für ihn ein Modell mit Zukunft.

Aktuelle Verkehrsmeldungen gibt es unter shz.de/verkehr.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 18:03 Uhr

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