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Hamburg

30. Juni 2016 | 17:55 Uhr

Moldauhafen in Hamburg : Olympic City: Vertrag von Versailles ist Olympia 2024 im Weg

vom

Tschechien hat laut Bestimmungen des Versailler Vertrages Anspruch auf die Nutzung des Moldauhafens – bis 2028. Dies steht der Planung des Olympia-Zentrums jedoch im Wege.

Hamburg | Es ist eine etwas kuriose Spätfolge des Ersten Weltkriegs und als solche wohl selbst den wenigsten Hamburgern bewusst. Im Zuge der Olympiabewerbung rückt die weltgeschichtliche Fußnote namens Moldauhafen nun doch in den Mittelpunkt des Interesses. Denn das Hafenbecken nördlich des als Olympic City vorgesehenen Kleinen Grasbrooks „gehört“ zu Tschechien.

Die Prager Republik hat nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages Anspruch auf die Nutzung des Moldauhafens für ihren seewärtigen Im- und Export. Der betreffende Pachtvertrag läuft noch bis 2028 und ist damit den geplanten Sommerspielen 2024 im Wege. Die 30.000 Quadratmeter große Exklave liegt inmitten des geplanten Olympia-Zentrums. Das Hafenbecken soll nach bisherigen Überlegungen zu einer Art Gracht werden, am Ufer könnte das Olympia-Schwimmstadion entstehen.

In der kommenden Woche kommt der tschechische Verkehrsminister Dan Tok an die Elbe, um mit Vertretern des Senats und des Hafenbehörde HPA die Zukunft der Immobilie zu beraten. Hamburg möchte erreichen, dass Prag auf seine Rechte am Moldauhafen verzichtet. Die Signale dazu seien positiv, heißt es aus dem Rathaus.

Das Thema genießt hohe Priorität für die Landesregierung, Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) werden persönlich mit Tok sprechen. Zu Einzelheiten einer möglichen Lösung will sich die Wirtschaftsbehörde vorab nicht äußern. Als sicher gilt jedoch, dass die HPA den Tschechen einen anderen Platz im Hafen anbietet.

Als Ergebnis des Versailler Vertrages von 1919 musste Hamburg den Moldauhafen 1929 für 99 Jahre an die Tschechoslowakei verpachten. Das Binnenland sicherte sich damit über die Elbe einen direkten Zugang zu den Weltmeeren. Seit Erlöschen des Versailler Vertrages nach dem Zweiten Weltkrieg besteht die Vereinbarung als privatrechtlicher Vertrag fort. In den vergangenen Jahren war der Umschlag im Moldauhafen allerdings stark rückläufig, weshalb sich die tschechische Regierung dem Hamburger Wunsch nach Abtretung der Nutzungsrechte kaum ernsthaft widersetzen dürfte.

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erstellt am 26.Aug.2015 | 14:12 Uhr

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