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Hamburg

31. August 2016 | 00:34 Uhr

Regierungserklärung in Hamburg : Olaf Scholz: Flüchtlinge werden auch im Winter in Zelten leben

vom

Bereits jetzt frieren Flüchtlinge in Hamburg. Heizungen müssen her. Gesucht wird auch warme Kleidung für Männer.

Hamburg | Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) rechnet nicht mehr damit, dass alle Flüchtlinge während des Winters in festen Unterkünften unterkommen. Jeder wisse, dass es wie überall in Deutschland auch in Hamburg Zelte geben werde, sagte Scholz am Mittwoch in der Hamburgischen Bürgerschaft in einer Regierungserklärung. Herbstliche Kälte und fehlende Winterkleidung machen unterdessen den in Zelten campierenden Flüchtlingen in Hamburg zu schaffen.

Scholz hoffte, dass sämtliche Zelte zumindest winterfest gemacht werden könnten. Aber: „Unser oberstes Ziel ist derzeit die Vermeidung von Obdachlosigkeit“, sagte Scholz. Seit Jahresbeginn hätten bis Ende September 35.021 Schutzsuchende Hamburg erreicht. Rund 3000 Flüchtlinge müssen derzeit bei nächtlichen Temperaturen um die fünf Grad noch in nicht beheizbaren Unterkünften schlafen.

Gleichzeitig zeigte sich Scholz beeindruckt, „mit welcher Weltoffenheit und mit welcher Ernsthaftigkeit“ sich Hamburgs Bürger einsetzten. Im August seien 6600 Flüchtlinge nach Hamburg gekommen, im September bereits 10.100. „Tag für Tag erreichen uns so viele wie in dem Jahr zuvor in einem ganzen Monat.“

In der zentralen Erstaufnahmestelle Hamburg-Bahrenfeld, die offiziell über 2600 Plätze verfügt, bemühten sich unterdessen Helfer und Behörden, das Los der in Zelten campierenden Flüchtlingen zu verbessern. Seit Dienstag würden zwar verstärkt Heizungen eingebaut, doch das wäre „noch nicht genug“, sagte ein in Kapuze und Schal gehüllter Mann. Eine andere Bewohnerin der Einrichtung bestätigte, dass alle Zelte bereits über Holzböden verfügen. Dabei dienen zum Teil Paletten als Fundament und Schutz vor dem feuchten Untergrund. Vor allem die Kälte macht den Flüchtlingen zu schaffen. „Wir, und besonders unsere Kinder frieren“, sagte eine junge Frau aus Syrien.

Rund 100 Flüchtlinge hatten am Dienstag vor dem Hamburger Rathaus gegen ihre Unterbringung in unbeheizten Zelten protestiert. „Baut die Zelte ab bitte“, hieß es auf einem Transparent. Auf einem Pappschild stand nur: „Uns ist kalt“.

Eine Gruppe Flüchtlinge protestiert am 13. Oktober 2015 in Hamburg vor dem Rathaus.
Eine Gruppe Flüchtlinge protestiert am Dienstag in Hamburg vor dem Rathaus. Foto: Henrik Josef Boerger

Dennoch liefen auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung am Mittwoch mehrere Bewohner in nur leichten Sandalen umher. Es fehle an warmer Kleidung für junge Männer, sagte eine Sprecherin der von Ehrenamtlichen organisierten Kleiderkammer in einer Hamburger Messehalle. Für Frauen und Kinder gebe es genug warme Sachen. Doch rund 80 Prozent der Flüchtlinge seien Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren. Gefragt sei vor allem Kleidung in den Größen S und M. Mangelware seien auch Decken, Schlafsäcke, Isomatten und Thermosflaschen.

Nach Angaben der Innenbehörde sind Zelte für etwa 3600 Flüchtlinge aufgestellt worden. Darunter sind beheizbare Zelte der Bundeswehr mit 750 Plätzen. Die übrigen 2850 Plätze befänden sich in nicht winterfesten Zelten. Hinzu kämen rund 300 Schlafstellen in einer Halle der Feuerwehrakademie im Stadtteil Billbrook, die nur eingeschränkt winterfest sei. Diese zusammen 3150 Plätze müssten in beheizbare Festgebäude oder auch „Premiumzelte“ der Bundeswehr verlegt werden. „Zelte, die nicht winterfest gemacht werden können, werden schnellstmöglichst durch Holzpavillons oder Container ersetzt“, erklärte der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter.

Wie ist die Lage in Schleswig-Holstein?

Flüchtlinge in Schleswig-Holstein müssen bisher nicht in Zelten wohnen. „Es ist auch für die nächsten Tage und Wochen nicht absehbar, dass dies notwendig werden könnte“, sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt am Mittwoch in Kiel der Deutschen Presse-Agentur. Ein größeres Aufenthaltszelt gebe es aber für nachts ankommende Flüchtlinge auf dem Gelände der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Neumünster.

Gutt leitet die „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO), die im Auftrag des Innenministeriums neue Orte für Erstaufnahmeeinrichtungen finden soll oder den Ausbau bestehender Unterkünfte organisiert.

An Winterkleidung für Flüchtlinge mangelt es nach Angaben des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein nicht. Das DRK habe viele Spenden erhalten, sagte eine Sprecherin.

 
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erstellt am 14.Okt.2015 | 17:06 Uhr

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