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„Seute Deern“ in Hamburg : Neuer Coworking-Space: Deutschlands erstes Büroschiff

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Die „Seute Deern“ schipperte zwischen Cuxhaven und Helgoland. Künftig dient das Schiff als Arbeitsplatz zum Mieten.

Hamburg | Petra Klein hat nach einer Babypause einen Job bei einer Firma in London gefunden. Smartphone und Laptop sind ihre Arbeitswerkzeuge, mit ihrem Arbeitgeber ist Vertrauensarbeitszeit vereinbart. Sie könnte von zuhause in Hamburg-Eimsbüttel arbeiten, wenn da nicht schon ihr Mann arbeiten würde und die Wohnung für zwei Schreibtische einfach zu klein wäre. Die 41-Jährige wird sich deshalb einen Arbeitsplatz zum Mieten in Hamburg suchen.

„Ein klassischer Fall“, sagt Johanna Pieper vom Gründungszentrum der Hamburger Handelskammer. Coworking, wie es im Fachjargon heißt, ist der neue Trend in Großstädten wie Hamburg. Wem es in den eigenen Wänden zu eng wird und ein eigenes Büro zu teuer ist, kann sich einen einzelnen Arbeitsplatz, ein Büro oder ganze Büroetagen zeitlich flexibel mieten. Das Spektrum in Hamburg umfasst mittlerweile mehr als 60 solcher Angebote für unterschiedlichste Wünsche − vom schlichten Schreibtisch bis zum Chefbüro mit Aussicht, mit und ohne Telefonservice, Lounge-Ecken, Fitness- und Besprechungsräumen oder Küchenausstattung ist alles dabei. Ein Angebot mit Kinderbetreuung nennt sich passenderweise „Rockzipfel“.

Das Büroschiff liegt direkt vor der Elbphilharmonie.

Das Büroschiff liegt direkt vor der Elbphilharmonie.

Foto: Barbara Glosemeyer
 

Und jetzt hat das Hamburger Unternehmen HC Hagemann das erste Büroschiff eröffnet. Nach 40 Jahren im Betrieb zwischen Cuxhaven und Helgoland hat die „Seute Deern“ im Traditionsschiffhafen am Fuße der Elbphilharmonie in Hamburgs Hafencity ihren neuen Dienst angetreten. „Wir stellen auf dem Schiff Arbeitsplätze zur Verfügung, die tageweise gebucht werden können“, sagt Klaas Höpcke, Projektmanager bei HC Hagemann. Werktags zwischen 9 und 18 Uhr kann zu einem Tagespreis von 16 Euro (Studenten 8 Euro) vor Ort eine Bordkarte gelöst werden. Darin enthalten sind eine Internet- sowie eine Kaffeeflatrate. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig. Zielgruppe sind vor allem Studenten aus den umliegenden Universitäten und Schüler. Auf Umbauten wurde verzichtet, der Charakter des Schiffes bewusst erhalten − auch weil die „Seute Deern“ weiterhin für Veranstaltungen gebucht werden kann.

So sieht es unter Deck aus: Ein Arbeitsplatz kann für eine Tagespauschale von 16 Euro besetzt werden, Studenten zahlen die Hälfte.

So sieht es unter Deck aus: Ein Arbeitsplatz kann für eine Tagespauschale von 16 Euro besetzt werden, Studenten zahlen die Hälfte.

Foto: Barbara Glosemeyer

Dass es beim Coworking aber um weit mehr geht als einen zeitlich flexiblen Arbeitsplatz, weiß Johanna Pieper von der Handelskammer. Sie erarbeitet derzeit eine Übersicht über die verschiedenen Angebote, die dann als Orientierung von Interessenten genutzt werden kann. „Gründer, Selbstständige und jüngere Leute wollen heute eine andere Atmosphäre und nicht mehr abgeschottet allein vor sich hinarbeiten.“ Beim Coworking treffen Leute aufeinander, die sich sonst nie gesehen hätten und nun gemeinsam Projekte oder Geschäftsideen entwickeln können.

Schon seit einigen Jahren beobachtet Johanna Pieper die steigende Nachfrage nach Coworking-Plätzen − sowohl bei Nutzern als auch bei Firmen, die Coworking als Geschäftsidee für sich entdecken und geeignete Räumlichkeiten suchen. „Fast jede Woche  kommen neue Angebote dazu“, sagt Johanna Pieper. Noch im Frühling wollen etwa die „Friends Factory“ mit 2500 Quadratmeter Fläche in der Hafencity und „studioairport“ am Flughafen Hamburg eröffnen.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 18:30 Uhr

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