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Neubeginn Hamburg : Neue Chefin will Museum für Völkerkunde aufmöbeln

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Museumsreif: An der Rothenbaumchaussee muss einiges getan werden. Zuletzt kamen nur noch 100.000 Besucher jährlich.

Hamburg | Das Hamburger Museum für Völkerkunde ist eines der bekanntesten und bestbesuchten seiner Art in Deutschland. Und doch erscheint selbst den Verantwortlichen das Konzept in Teilen als museumsreif. Eine neue Chefin soll das ändern. Sie werde „dieses großartige Museum neu denken, positionieren und renovieren“, sagte Barbara Plankensteiner am Mittwoch bei ihrer offiziellen Vorstellung als wissenschaftliche Leiterin und Direktorin. Von Kultursenator Carsten Brosda (SPD) gab's Vorschusslorbeeren. Er sei sicher, das Museum werde einen „spannenden Neubeginn“ erleben.

Viele Museen haben ihre Ausstellungen über Jahrzehnte nicht dem digitalen Wandel angepasst. Verstaubte Dauerausstellungen sind nicht mehr zeitgemäß. Interaktivität und moderne Technik müssen her, um ein breites und vor allem junges Publikum zu erreichen.

Die 53-jährige Planklensteiner folgt auf Wulf Köpke, der die Institution mehr als 20 Jahre geleitet hatte und im vorigen Jahr zur Akademie der Polizei gewechselt war. Seit dem 1. April verantwortet die gebürtige Südtirolerin die Geschicke des Hauses. Die Kultur- und Sozialanthropologin und ausgewiesene Afrika-Expertin war zuletzt als Kuratorin an der Yale University Art Gallery in den USA tätig. Zwischen 1998 und 2013 wirkte sie am Weltmuseum Wien, auch als Interimsleiterin.

Vom Personalwechsel erhofft sich der Senat eine wieder wachsende Attraktivität des Museums an der Rothenbaumchaussee, das seit 2013 ein Viertel seiner Besucher verloren hat; 2016 kamen noch knapp 100.000. Dennoch stehe das Haus auch im internationalen Vergleich gut da, betonte die neue Chefin, die freilich ergänzte: „Wir müssen einiges ausprobieren.“ Ziel sei es, ein Haus der Begegnung zu schaffen und dabei ein „breiteres und jüngeres“ Publikum anzusprechen. Unter anderem solle es künftig mehr Veranstaltungen und Debatten „mit Gegenwartsbezug“ geben. Nicht nur in Hamburg befinde sich die ethnografische Museumslandschaft im Umbruch, betonte Plankensteiner: „Es geht nicht mehr darum, die Reise um die Welt zu zeigen.“ Stattdessen stünden Themen wie Globalisierung, Migration und Kolonialismus im Vordergrund.

Nach einer Analyse der „Stärken und Schwächen“ will die neue Direktorin noch diesem Jahr ihr Konzept vorlegen. Alle wichtigen Bereiche kommen dabei auf den Prüfstand: Die Dauerausstellung und die hochkarätigen Sammlungen – vor allem aus Afrika, der Südsee und Lateinamerika – sollen neu gestaltet und anders präsentiert werden. Aber auch den gut 100 Jahre alten Standort will Plankensteiner baulich modernisieren. Wie viel Geld der Senat für all das zur Verfügung stellt, ließ Brosda offen.

Das Museum für Völkerkunde verfügt über einen großen Bestand mit Sammlungen von internationalem Rang, wie die der Hamburger Südsee-Expedition, die Objekte des Afrikaforschers Leo Frobenius sowie die Amerika-Sammlung des Hamburger Kunst- und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 16:24 Uhr

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