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Hamburg

07. Dezember 2016 | 23:23 Uhr

Hamburg : Nach Messerattacke auf 16-Jährigen: Polizei kontaktiert 11.500 Ärzte

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Polizei verfolgt offenbar eine neue Spur. Das Bekennerschreiben des IS werde weiter geprüft.

Hamburg | Offenbar verfolgt die Polizei eine neue Spur nach den tödlichen Messerstichen auf einen 16-Jährigen an der Hamburger Alster: Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, habe sie mit Hilfe der Ärztekammer mehr als 11.500 Ärzte kontaktiert, die Hinweise auf den Täter liefern könnten.

Ein bislang Unbekannter hatte den Jugendlichen am 16. Oktober mit einem Messer angegriffen und dessen Freundin ins Wasser gestoßen. Die Polizei gehe davon aus, dass sich der Täter bei bei der Messerattacke möglicherweise selbst an der Hand verletzt hat - und startete deswegen den Aufruf an die Ärzte. Die wurden darin aufgefordert, Männer mit einer Schnittverletzung an der Hand der Polizei zu melden. Wie das Abendblatt weiter berichtet, seien die Ärzte bereits vor einigen Tagen kontaktiert worden, mehr wolle man allerdings nicht sagen. NDR 90,3 zufolge hätten diese Schreiben für zahlreiche Nachfragen gesorgt.

Das Schreiben sei sehr ungewöhnlich, sagte die Sprecherin der Ärztekammer. Sie könne sich nicht an eine ähnliche Aktion erinnern. Eine Polizeisprecherin betonte dagegen, dass es in vergleichbaren Fällen durchaus üblich sei, etwa in Krankenhäusern nachzufragen.

Ärzte unterliegen der Schweigepflicht. Im Einzelfall könne ein Arzt die Schweigepflicht aber brechen, wenn er Anhaltspunkte dafür hat, dass von einem Patienten eine konkrete Gefahr für Leib und Leben anderer Menschen ausgeht, erläuterte eine Sprecherin der Kammer.

Polizei prüft IS-Botschaft weiter

Ob tatsächlich die Terrormiliz Islamischer Staat für die Tat verantwortlich ist, darauf gibt es derweil noch keine weiteren Hinweise. Am Wochenende hatte sich die Terrormiliz über ihr Sprachrohr „Amak“ überraschend zu der Bluttat auf Victor E. (16) bekannt. Wir schließen nichts aus“, erklärte ein Polizeisprecher am Montag. Allerdings seien im Zusammenhang mit dem Bekennerschreiben Fragen aufgetaucht. „Es ist nach wie vor unklar, ob die Botschaft echt ist.“

Denkbar ist, dass IS-Strategen den Mord für Propagandazwecke missbrauchen wollen. Zwar passt ein Messerangriff im öffentlichen Raum zum Vorgehen der Terrormiliz – doch in diesem Fall folgte das angebliche Bekenntnis erst zwei Wochen nach der Tat, was ungewöhnlich ist. Außerdem ist die „Amak“-Mitteilung inhaltlich nicht korrekt. In der Nachricht heißt es, der Terrorist hätte zwei Personen „erstochen“ beziehungsweise „niedergestochen“ (englisch: „stabbed“). Tatsächlich wurde nur Victor E. am 16. Oktober unterhalb der Kennedybrücke mit mehreren Stichen getötet. Seine Begleiterin (15) wurde ins Wasser gestoßen und blieb unverletzt.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung geht die Mordkommission bereits seit Tagen einem wichtigen Hinweis nach. Und die Hamburger Morgenpost berichtet, die Ermittler hätten eine heiße Spur, die eben nicht zum IS führe. Die Polizei wollte das nicht bestätigen. Ein Sprecher des Hamburger Verfassungsschutzes sagte allerdings: „Niemand sollte der Terrormiliz auf den Leim gehen. Die gezielte Instrumentalisierung der Medien gehöre zur Taktik des IS, um die Menschen zu verunsichern.“

Federführend sei weiterhin die Mordkommission, stellte am Montag ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde klar. Der Staatsschutz sei aber beteiligt. Würde der Verdacht auf einen Terrorakt überwiegen, würde die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernehmen. Sie erklärte, man halte Kontakt mit den Hamburger Behörden.

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erstellt am 01.Nov.2016 | 14:39 Uhr

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