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Hamburg

25. August 2016 | 01:13 Uhr

Billhorner Kanalstrasse in Rothenburgsort : Nach Explosion: Ursache für Feuer in Hamburger Hochbunker weiter unklar

vom

Bei Löscharbeiten kommt es zur Explosion. Umliegende Häuser wurden evakuiert. Etliche Einsatzkräfte sind verletzt.

Hamburg | Die Polizei hat die Ermittlungen zum Brand in einem Hamburger Hochbunker auf Donnerstag verschoben. Auch anderthalb Tage nach dem Ausbruch des Feuers und einer heftigen Explosion sei die Luft in dem fensterlosen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg noch zu giftig, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Feuerwehrleute konnten nur mit Atemluftflaschen in das Gebäude. Explosionsgefahr bestehe aber nicht mehr, sagte ein Sprecher. Rund 200 Anwohner konnten bislang nicht in ihre Wohnungen zurückkehren.

Dichter Rauch dringt aus dem ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.
Dichter Rauch dringt aus dem ehemaligen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: dpa

Bei dem Brand und der folgenden Explosion in einem ehemaligen Hochbunker in der Billhorner Kanalstraße in Hamburg-Rothenburgsort wurden am Dienstagmorgen mindestens 45 Menschen verletzt. Alle Opfer hätten leichte bis mittelschwere Verletzungen wie Rauchvergiftungen und Prellungen erlitten, möglicherweise auch Knochenbrüche, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Unter den Verletzten waren zwölf Feuerwehrleute. Insgesamt 19 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt. Außerdem erlitt ein Feuerwehrmann einen Kreislaufkollaps.

Erst nach knapp 22 Stunden hat die Feuerwehr am frühen Mittwochmorgen das Feuer in dem ehemaligen Hochbunker in Hamburg gelöscht. Wegen aufwendiger Belüftungsmaßnahmen und schwierigem Zugang zu den einzelnen Brandstellen dauerten die Löscharbeiten so lange. „Wir hatten in dem Gebäude fast null Sicht“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Einzelne Einsatzkräfte halten im Lauf des Tages noch Brandwache in dem Bunker. Sobald der Rauch komplett abgezogen ist, beginnt die Polizei mit der Suche nach der Brandursache. Derzeit sei das Gebäude nur mit Atemschutz zu betreten.

Am Dienstag schlug ein Versuch, Löschschaum durch die kleinen Lüftungsgitter ins Innere zu pumpen, fehl. Am Mittag wagte sich ein Trupp Feuerwehrleute mit Atemgeräten in den Bunker und erkundete die Lage. In einem oberen Stockwerk war es noch 95 Grad heiß. Die Feuerwehr war bis zum frühen Abend dabei, Glutnester zu löschen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Hamburg zwischen 1940 und 1945 insgesamt 1051 Bunker gebaut - so viele wie in keiner anderen deutschen Stadt. Auch 70 Jahre nach Kriegsende gibt es in der Hansestadt noch rund 650 Bunker aus dieser Zeit. Die meisten Schutzräume sind unter der Erde verborgen, es existieren aber auch noch rund 30 Hochbunker. Einige von ihnen stehen unter Denkmalschutz und können besichtigt werden, andere wurden zum Wohnen und Arbeiten umgestaltet oder als Proberäume für Bands genutzt.

Am Dienstag um 4.23 Uhr ging der Notruf bei der Hamburger Feuerwehr ein. Ein Feuer war in den frühen Morgenstunden in einer Tischlerei in dem Bunkergebäude ausgebrochen, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. In dem Gebäude aus dem Zweiten Weltkrieg lagerten über zwei Stockwerke rund einhundert Tonnen ätherische Öle, die in Brand gerieten und noch während der Löscharbeiten explodierten.

Gegen 7 Uhr kam zu einer Detonation mit großer Stichflamme. „Es gab eine schlagartige Durchzündung mit einer erheblichen Druckwelle, die so stark war, dass Fahrräder durch die Luft gewirbelt wurden“, berichtete der Feuerwehrsprecher am Brandort. Feuerwehrleute in dem etwa 25 Meter hohen Bunker seien von der Druckwelle erfasst worden. Sie wurden mehrere Meter durch die Luft geschleudert.

Die gesamte Straße war in schwarzen Rauch gehüllt.
Die gesamte Straße war in schwarzen Rauch gehüllt. Foto: dpa

Da der Bunker mit seinen mehrere Meter dicken Wänden keine Fenster hat, konnte die Druckwelle nur durch die beiden Türen entweichen. Am gegenüberliegenden Gebäude gingen Scheiben zu Bruch, Autos wurden zur Seite geschoben. Direkt neben dem Bunker stehen siebenstöckige Mehrfamilienhäuser.

Als die Einsatzkräfte am Brandort eintrafen, war bereits die komplette Straße in dichten Rauch gehüllt. Die Feuerwehr evakuierte die anliegenden Wohnhäuser, über 60 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Sie klagten über Husten und Atemreizungen.

Am Mittag wagte sich ein Trupp Feuerwehrleute mit Atemgeräten in den Bunker. Mehr als 200 Einsatzkräfte waren am Brandort. Darunter war auch Spezialgerät für Löschschaum. Anwohner wurden in Bussen untergebracht.

Anwohner wurden evakuiert.
Anwohner wurden evakuiert. Foto: Lars Ebner

Nachbarin Gitta Burmester schildert die Geschehnisse. Sie wohnt im gegenüberliegenden Haus. Sichtlich geschockt wartet sie unweit des Brandortes in einem Straßencafé. „Ich bin so um 3.40 Uhr von dem Gestank aufgewacht“, erzählt die 62-Jährige. „Dann war überall Blaulicht. Mir wurde übel. Feuerwehrleute haben gegen unsere Tür gehämmert und uns dann rausgebracht.“ Auch ihr Mann ist in Sicherheit. Aber die beiden Wellensittiche sind noch in der Wohnung.

Mehrere Lastwagenfahrer, die ein paar Meter entfernt auf dem Hof ihres Unternehmens in ihren Lkw geschlafen hatten, werden aus der Gefahrenzone gebracht. „Später haben wir Kaffee getrunken und dann plötzlich ein fürchterlicher Knall“, erzählt Wolfgang K. Der 59-Jährige sieht noch die riesige Stichflamme, „bestimmt Dutzende Meter hoch“. Es ist unklar, wann die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren können. Bis nicht alle Glutnester beseitigt sind, könnten in den Nachbarwohnungen keine Schadstoffmessungen vorgenommen werden, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Ein Rettungshubschrauber und ein Polizeihubschrauber waren im Einsatz. Innensenator Michael Neumann (SPD) macht sich vor Ort ein Bild von der Lage. Die Brandursache und die Höhe des Sachschadens waren zunächst unklar.

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von
erstellt am 05.Aug.2015 | 13:00 Uhr

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