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„Tarzan“ und „Das Wunder von Bern“ : Michael, 12 Jahre alt - und Musical-Star

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Am Montag und Donnerstag hat Michael Klavierunterricht, Montag und Freitag Tischtennis, Dienstag und Donnerstag Fußballtraining. Heute bleibt keine Zeit. Michael hat einen Auftritt. Er ist Musicaldarsteller.

Hamburg | Michael Heidemann war gerade Mal sechs Jahre alt, als seine Mama Tanja Heidemann mit ihm zu seinem ersten Casting ging. Sie sah sein Talent und wollte seinen Erfolg. Es war ein Casting für die Kinderrolle des kleinen Tarzans im gleichnamigen Musical in der Neuen Flora. Er bekam die Rolle. Das ist mittlerweile sechs Jahre her.

Seitdem steht der Schüler auf der Bühne. Sein halbes Leben lang. In Haupt- und Nebenrollen, schauspielernd, tanzend, singend: als Tarzan im gleichnamigen Musical, als Fürst Fagott in der Uraufführung von „Zwerg Nase“ an der Hamburgischen Staatsoper, als Mattes im Musical „Das Wunder von Bern“, und jetzt als Florian in „Ich war noch niemals in New York“. Die Mappe mit Fotos von seinen Auftritten und Zeitungsartikel, Programmheften und Autogrammkarten ist dick. Tanja Heidemann hat alles abgeheftet und geordnet. Die Karriere des jungen Darstellers aus Kranenburg (Kreis Stade) ist schon halb so lang wie sein Leben.

Auf den ersten Eindruck ist Michael pfiffig, ein wenig vorlaut, cool und verschmitzt. Doch er hat auch eine andere Seite. Er ist fleißig und ehrgeizig, diszipliniert und motiviert. All das braucht es, um Musicaldarsteller zu sein. Und natürlich auch eine Familie, die ihn fördert. Er allein wär schließlich nie auf die Idee gekommen, zu einem Casting zu gehen. Tanja Heidemann hatte Glück. Ihrem Sohn gefiel die Welt, in die sie ihn brachte. 

„Er hat viel Spaß an dem, was er tut“, erzählt Melanie Vollmert-Michaelis. Sie ist die künstlerische Leiterin der Kinderdarsteller am Theater an der Elbe und hat einen strengen Blick auf ihre Schützlinge. Sie bringt die Kinder an ihre Grenzen, achtet aber darauf, dass sie diese Grenzen nie überschreiten. Die Ausbilderin merkt, ob ein Kind aus freien Stücken kommt oder ob er von überehrgeizigen Eltern geschickt wird.

Und Michael, er liebt das, was er tut. „Er ist nicht nur engagiert, er hat auch Spaß am Besserwerden“, erzählt sie. Seit drei Jahren arbeiten die beiden zusammen, beim Casting für „Das Wunder von Bern“ fiel er ihr das erste Mal unter 200 Kindern auf. Er bekam erst eine Nebenrolle, dann die Hauptrolle in dem Fußballstück. Sie nahm ihn direkt mit zu „Ich war noch niemals in New York“. Dort gibt es nur eine Kinderrolle. Michael spielte sie von Anfang an.

Foto aus der Vergangenheit:  Mit acht Jahren spielte Michael, hier mit Annette Wimmer, den kleinen Tarzan.
Foto aus der Vergangenheit:  Mit acht Jahren spielte Michael, hier mit Annette Wimmer, den kleinen Tarzan. Foto: Mona Adams
 

Michael Heidemann hat kein Lampenfieber vor seinen Auftritten, nie. Er doch nicht. Er weiß, dass er es kann, hart trainiert hat, viele Wochen und Monate. Aufregung kennt er nicht. Nur manchmal beim Fußball. Er spielt im Mittelfeld beim FC Oste/ Oldendorf. Aber das sei was anderes. Da sei er ja nur mittelmäßig.

Auf der Bühne ist das anders. Als Kinderdarsteller in der Neuen Flora sang und tanzte Michael allein pro Aufführung vor rund 2000 Zuschauern. Bei der letzten Vorstellung von „Das Wunder von Bern“ im Theater an der Elbe im September vergangenen Jahres hatte er dann auf einmal aber doch Bauchschmerzen und ein flattriges Gefühl. Das ist nur die Aufregung, haben sie gesagt. Bis Michael sich in der Pause übergeben musste. Dann war klar, er war eben doch nicht aufgeregt. Sondern krank. So nämlich, sagte er dann. Er ist nie aufgeregt, hat er doch gesagt. Danach ging es ihm wieder gut. Für die zweite Halbzeit sei er wieder fit. Er bestand darauf weiter spielen zu dürfen. Er durfte. 

Er war es, der in dem Udo Jürgens-Musical die Premierenbesetzung im Januar spielen durfte - als Florian, den pubertierenden Sohn in einer Dreigenerationen-Geschichte auf hoher See. Er mag die Rolle, es ist viel Schauspiel gefragt. Seinen ersten Einsatz hat er erst 20 Minuten nach Showbeginn. Er lässt es sich anmerken, dass er das doof findet. Lieber sofort und am besten die ganze Zeit auf der Bühne stehen.

Laut Gesetz dürfen Kinder nur einmal die Woche auftreten und auch dann nicht später als 23 Uhr und nicht länger als vier Stunden. Wenn es nach Michael geht, würde er jeden Abend den Florian spielen. In der Realität teilt er sich die Rolle mit 13 anderen Kindern. 

Michael ist zwölf Jahre alt. Er hat nicht mehr ewig Zeit. Irgendwann setzt der Stimmbruch ein. Die meisten Kinder kehren danach nie auf die Musicalbühne zurück. Unvorstellbar, dass Michael dann nur noch Klavier, Fußball und Tischtennis spielt.

Übrigens: Für die Deutschlandpremiere des Broadway-Musicals „Kinky Boots“ im Dezember 2017 in Hamburg werden zwei männliche Kinderdarsteller zwischen 8 und 12 Jahren gesucht. Infos unter www.stage-entertainment.de 

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erstellt am 20.Apr.2017 | 18:43 Uhr

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