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24. August 2016 | 10:29 Uhr

Horror-Klassenfahrt nach Sachsen : Vorwürfe gegen Lehrer nach Neonazi-Überfall

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein 15-Jähriger ist schwer verletzt – er soll einen chinesischen Vater haben. Auf einer Klassenfahrt wurden Hamburger Schüler in Sachsen von Rechtsradikalen überfallen.

Hamburg | Nach dem Angriff auf eine Hamburger Schulklasse in der Sächsischen Schweiz hat die Mutter eines schwer verletzten Jungen (15) Vorwürfe gegen die Lehrer erhoben: Sie hätten ihrem Sohn verboten, sie anzurufen und den Fall heruntergespielt. Egon Tegge, Leiter des Goethe-Gymnasiums, erklärte gestern, seine Kollegen hätten die Schüler „beherzt“ verteidigt. In dem Fall, der sich am 7. September ereignet hat, ermittelt das Operative Abwehrzentrum (OAZ) zur Extremismusbekämpfung in Leipzig. Sonderermittler seien unterwegs nach Hamburg, um die Schüler dort zu befragen, so eine Sprecherin.

Die 85 Schüler des 10. Jahrgangs und ihre sechs Lehrer waren in der Kurstadt Bad Schandau auf Klassenfahrt gewesen. In der Nacht vor der Rückfahrt hatten mehrere Schüler trotz eines Verbots die Jugendherberge verlassen und sich auf den Weg zu einem Dorffest gemacht. Im Dorf begeneten sie einer Gruppe junger betrunkener Männer. Sie sollen Schülerinnen belästigt haben. „Unsere Schüler flüchteten zurück in die Jugendherberge“, so Schulleiter Tegge. Da sie die Eingangstür aber über die Panikverriegelung geöffnet hatten, ließ sich diese nicht mehr verschließen.

Drei Männer, die das spätere Opfer als „hünenhafte Neonazis“ beschrieb, drangen in das Gebäude ein. Dort trafen sie auf den 15-Jährigen, der im Schlafanzug zur Toilette ging. Die Täter prügelten sofort auf ihn ein. „Vermutlich, weil er asiatisch aussah“, so Tegge. Schläge trafen den Schüler, der einen chinesischen Vater hat, am Auge und am Kiefer, dann flüchteten die Männer.

Aus Angst vor weiteren Angriffen verbarrikadierten sich die Schüler in der Jugendherberge. Tatsächlich kehren die Täter zurück – mit weiteren Rechtsradikalen im Schlepptau. „NSDAP – wir vergessen nie!“, sollen sie gebrüllt haben. Eine Lehrerin verteilte Schlüssel, damit die Schüler sich in ihren Zimmern einschließen konnten. Sie verkeilten die Türen zudem mit Stühlen. Das Opfer berichtet dem „Hamburger Abendblatt“: „An den Händen gefasst haben wir geweint“, während sich eine Lehrerin gegen die Eingangstür gestemmt habe. Tegge: „Dieser beherzte Einsatz hat ein weiteres Eindringen verhindert.“

Obwohl die nächste Wache nur drei Kilometer entfernt ist, trafen Polizisten erst nach einer halben Stunde ein und beendeten die Belagerung. Warum es so lange gedauert hat, dazu machte das OAZ gestern keine Angaben. „Von neun Tatverdächtigen wurden die Personalien aufgenommen“, erklärte die Sprecherin.

Der 15-Jährige wurde untersucht, eine Ärztin diagnostizierte nur leichte Schlagverletzungen. Deshalb half der Schüler anschließend auf dem Revier bei der Täterbeschreibung. Erst in Hamburg stellte sich heraus: Kiefer und Augenhöhlenboden sind gebrochen. Die Mutter kritisiert jetzt, dass ihr Sohn erst auf der Rückfahrt habe telefonieren dürfen. Außerdem soll ein Lehrer ihm gesagt haben, er solle sich genau überlegen, was er sage.

Schulleiter Tegge erklärt: „Es gab kein Verbot, die Mutter anzurufen.“ Man habe allerdings die Diagnose abwarten und die polizeilichen Ermittlungen unterstützen wollen. Tegge bedauert, dass der Angriff nun dazu führe, dass gefragt werde, ob man mit Schülern alle Landstriche in Deutschland bereisen könne ohne Gefahr zu laufen, irgendwie Schaden zu nehmen.

Peter Albrecht, Sprecher der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung, sagte: „Es ist nicht geplant, Vorschriften zu erlassen, wohin Klassenfahrten nicht durchgeführt werden dürfen.“ Die Schulen sollten weiter selbst entscheiden.

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erstellt am 17.Sep.2013 | 08:13 Uhr

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