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30. September 2016 | 17:09 Uhr

Bewerbung : Olympia in Hamburg: Charme statt Gigantismus

vom

Hamburg stellt die mögliche Olympia-Bewerbung vor. Das olympische Dorf und die Elbphilharmonie sollen Nachbarn werden. Schulden will Bürgermeister Scholz nicht machen.

Hamburg | Hamburgs Olympia-Pläne haben Charme. Spiele im Herzen der Hansestadt, direkt am Wasser vor Hafencity und vorbeiziehenden Kreuzfahrtriesen wie der Queen Mary 2. Die imposante Elbphilharmonie liegt nur einen Steinwurf vom olympischen Dorf entfernt. Binnenalster, Michel und Reeperbahn sind zu Fuß zu erreichen. Der zweitgrößte Containerhafen Europas erstreckt sich in der Nachbarschaft. Olympia mittendrin statt nur am Stadtrand dabei.

„Es ist notwendig und möglich, kompakte Spiele mit sehr kurzen Entfernungen in der Stadt auszutragen“, sagte Bürgermeister Olaf Scholz am Montag bei der Präsentation einer möglichen Hamburger Olympia-Bewerbung. Die knapp 1,8 Millionen Einwohner zählende Metropole will mit ihren Olympia-Plänen 2.0 den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beeindrucken und den großen Konkurrenten Berlin ausstechen.

„Die Spiele sollen smart geplant, nicht überdimensioniert sein“, sagte Scholz. Der Bürgermeister hofft auf eine Entscheidung des DOSB noch in diesem Jahr. „Ich gehe vom 6. Dezember aus. Ein anderer Plan ist mir nicht bekannt.“ Allerdings will das IOC erst Anfang Dezember seinen Reformkongress abhalten. „Das werden Spiele, die einer veränderten Konzeption des IOC entsprächen - ohne unsinnige Prestigebauten“, meinte Scholz.

Im seinem Stadtzentrum will die Hansestadt eine Fläche von rund 100 Hektar Olympischen Spielen zur Verfügung stellen. Herzstück wird die Elbinsel Grasbrook mit dem 70.000 Plätze bietenden Olympiastadion, mit Olympia-Halle und Schwimmhalle für jeweils rund 15.000 Zuschauer sowie dem olympischen Dorf - allesamt Neubauten. Die meisten Sportstätten sind bereits vorhanden, wie diverse Messehallen, die 13.000 Zuschauer fassende O2-Arena, das Tennisstadion Rothenbaum, das Spring- und Dressurstadion Klein Flottbeck, die Ruder- und Kanustrecke auf der Dove-Elbe. Sie würden allerdings allesamt modernisiert werden. Die Kosten für den Sportstättenbau werden vorerst auf 2,17 Milliarden Euro geschätzt.

Die Kosten für die Verkehrsinfrastruktur kommen hinzu. Das Umland soll einbezogen werden: Handball in Kiel und Flensburg, Reiten in Luhmühlen, Golf auf Gut Kaden, Segeln auf der Ost- oder Nordsee.

Nachhaltigkeit ist für die Planer ein großes Thema. Weder Gigantismus vergangener Spiele noch Schulden seien mit Hamburg zu machen, betonte der Bürgermeister. „Wir werden auf eine Weise nachhaltig und kompakt sein, wie man das in der olympischen Geschichte noch nicht kennengelernt hat“, sagte Scholz. Hamburg wolle den Beweis antreten, dass „eine Demokratie Olympische Spiele ausrichten kann, die sich nicht in Gigantismus spiegeln“. Das Olympiastadion wird nach den Spielen zu einer 20.000 Zuschauer fassenden Leichtathletik- und Football-Arena zurückgebaut, die Schwimmhalle wird zum Erlebnisbad oder einem Kongresszentrum mit Hotel, die Olympia-Halle wandelt sich in ein Kreuzfahrtterminal. Allein für 2014 haben sich 186 Kreuzfahrtschiffe mit 600.000 Passagieren angesagt. Die Zahl wächst von Jahr zu Jahr.

Das olympische Dorf mit seinen 3000 Wohnungen soll zum Stadtteil Olympic City werden, wo 8000 Menschen leben können. Die Wohnungen, in denen während der Spiele 17.500 Sportler und Offizielle leben, werden vermietet oder verkauft. „Wir können die Stadtentwicklung gewaltig beschleunigen“, meinte der Bürgermeister.

Jürgen Mantell, Präsident des Hamburger Sportbundes (HSB), ist von den Hamburger Plänen begeistert. „Das hebt sich wohltuend von dem ab, was wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben“, meinte der Chef von 580.000 Sporttreibenden in der Hansestadt.Auch einige Persönlichkeiten aus der Bundespolitik sympathisieren mit dem Hamburger Projekt. „Für Deutschland wäre eine Hamburger Bewerbung die Chance, der Welt mal ein anderes Gesicht zu zeigen: das Gesicht einer Hafenstadt, die Deutschlands Tor zur Welt ist, die Architektur einer alten Hansestadt, die Weltoffenheit der Menschen“, sagte die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner.

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erstellt am 01.Sep.2014 | 14:30 Uhr

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