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31. Juli 2016 | 03:36 Uhr

Referendum : Olympia in Hamburg? Bürger sollen entscheiden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hamburg will sich für die Olympischen Spiele 2024 bewerben: Die Politik steht jetzt unter Zeitdruck. Der große Konkurrent ist Berlin.

Hamburg | Bisher war es nur ein ferner Traum. Doch nun macht Hamburg für seine olympischen Ambitionen womöglich ganz schnell Nägel mit Köpfen. Im Rathaus denken die Verantwortlichen darüber nach, die Bürger in zehn Monaten per Referendum zur beabsichtigten Bewerbung um Sommerspiele zu befragen. „Ohne den Rückhalt in der Bevölkerung würden wir uns nicht bewerben“, stellt Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD) klar. Das entspricht der Forderung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), dessen Präsident Alfons Hörmann sagt: „Unabdingbare Voraussetzung bleibt, dass die Grundstimmung in der betroffenen Region positiv ist.“ Ende 2013 hatte die Handelskammer per Umfrage eine Zustimmung der Hamburger zu Olympia von 59 Prozent ermittelt.

Außer der Hansestadt möchte auch Berlin Sommer-Olympia. Ob Deutschland überhaupt antritt, will der DOSB Ende 2014 entscheiden. Vor drei Wochen hatten die deutschen Olympia-Funktionäre die Bereitschaft dazu signalisiert – und plötzlich Tempo gemacht. Überraschend denkt der DOSB laut Hörmann darüber nach, schon für 2024 den Hut in den Ring zu werfen. Der deutsche Bewerber müsste dann bereits im zweiten Halbjahr 2015 an das Internationale Olympischen Komitee (IOC) gemeldet werden, das Bau- und Finanzierungskonzept Mitte 2016 vorliegen. Im Sommer 2017 wählt das IOC den Olympia-Ausrichter für 2024.

Bei einem Geheimtreffen in Hamburg hat der DOSB-Chef dem Sportsenator vorigen Sonntag seine Vorstellungen erläutert. Er halte Hamburg international für „siegfähig“, machte Hörmann der Hansestadt anschließend Mut – erwähnte aber auch die Vorzüge Berlins als Hauptstadt und Weltmetropole.

Ab sofort steht die Politik an der Elbe – wie an der Spree – unter erheblichem Zeitdruck. Die Zustimmung einer Mehrheit der Hamburger müsste schnellstmöglich vorliegen, will der Senat dem DOSB rechtzeitig ein belastbares Konzept vorlegen. Vieles spricht damit für den 15. Februar 2015 als Datum eines Referendums: An jenem Tag wird die Bürgerschaft gewählt.

Allerdings sieht die Verfassung des Stadtstaates ein Referendum bisher nicht vor. Diese Möglichkeit müsste vom Parlament erst geschaffen werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Der Grünen-Verfassungsexperte Farid Müller ist grundsätzlich offen für ein Referendum. Die rechtlichen Grundlagen lässt seine Fraktion gerade per Gutachten klären. Auch SPD-Fraktionschef Andreas Dressel kann sich eine entsprechende Verfassungsänderung vorstellen. Sein CDU-Kollege Dietrich Wersich hält dagegen das bestehende Instrument einer Volksbefragung für ausreichend.

Olympia in Hamburg?

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Generell ist Olympia in der Stadt politisch allemal mehrheitsfähig. SPD, CDU und FDP sind dafür, die Wirtschaft sowieso. Die Grünen haben sich nicht festgelegt, allein die Linken sprechen sich gegen eine Bewerbung aus.

Hamburgs großer Vorteil im Zweikampf mit Berlin könnte das hochgelobte Konzept für die Kampagne von 2003 sein, als die Stadt national an Leipzig scheiterte. Die Pläne für Spiele der kurzen Wege direkt an Elbe und Alster unter Beteiligung der benachbarten Bundesländer ließen sich weitgehend übernehmen.

Knackpunkt dürften die Kosten für die Ausrichtung des größten Sportfestes der Welt sein. Hamburg hofft darauf, dass das IOC unter dem neuen Präsidenten Thomas Bach die Anforderungen an Gastgeberstädte entscheidend verändert. Zielrichtung: alles eine Nummer kleiner, nachhaltiger – und günstiger. Das wäre ganz im Sinne der Elbmetropole. „Wir machen den bisherigen Olympia-Gigantismus jedenfalls nicht mit“, stellt Neumanns Sprecher Frank Reschreiter klar.

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erstellt am 18.Apr.2014 | 08:00 Uhr

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