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23. Juli 2016 | 13:07 Uhr

„Charlie Hebdo“ : Neun Verdächtige nach Anschlag auf „Hamburger Morgenpost“

vom

Wenige Tage nach dem Terroranschlag in Paris brannte es bei der „Mopo“ in Hamburg. Die Ermittler melden einen Erfolg.

Hamburg | Der Jüngste ist erst 16: Die Hamburger Polizei hat drei Jugendliche und sechs junge Männer ermittelt, die für die Brandanschläge auf die „Hamburger Morgenost“ (Mopo) und eine Hamburger Schule verantwortlich sein sollen. Gestern früh durchsuchten Beamte zwölf Wohnungen der Verdächtigen in Ottensen, Bahrenfeld, St. Pauli und Altona. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial sicher gestellt, etwa Computer und Schriftstücke. Die mutmaßlichen Attentäter im Alter von 16 bis 21 Jahren mussten mit zur Wache. Nach erkennungsdienstlicher Behandlung - einschließlich DNA-Probe - kamen sie wieder frei.

Auf das Verlagsgebäude der Mopo an der Griegstraße (Ottensen) war am 10. Januar ein nächtlicher Anschlag verübt worden. Die Täter hatten Fenster zum Archiv des Boulevardblattes mit Steinen und einem Gullydeckel eingeworfen. Anschließend schleuderten sie einen Molotowcocktail ins Innere. Dort verbrannten Akten und Bände mit älteren Zeitungsausgaben. Verletzt wurde niemand.

Der Angriff erfolgte nur drei Tage nach den mörderischen Terrorattacken islamistischer Fanatiker auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und ein jüdisches Geschäft in Paris mit zusammen 16 Toten. Die „Morgenpost“ hatte am Tag danach demonstrativ einige jener Mohammed-Karikaturen abgedruckt, deren Veröffentlichung in „Charlie Hebdo“ das Motiv der Terroristen bildete.

Der Hamburger Staatsschutz bildete eine 30-köpfige Sonderkommission, zeitweise suchten 70 Ermittler nach den Tätern von Ottensen. Die Staatsanwaltschaft setzte 2000 Euro Belohnung aus. Auf die Spur der mutmaßlichen Brandstifter führte schließlich der Gullydeckel, den die Unbekannten auf dem Verlagsgelände zurückgelassen hatten.

Beweise für einen islamitischen Hintergrund haben die Ermittler nach eigenen Angaben bisher nicht gefunden, obwohl die meisten der Verdächtigen muslimischen Glaubens sind. „Zum Motiv können wir noch keine Angaben machen. Zunächst müssen wir die Tatverdächtigen vernehmen“, hielt sich die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, bedeckt. Die Staatsanwaltschaft spricht weiterhin von Brandstiftung, nicht von einem terroristischen Anschlag.

Die Jugendlichen und Heranwachsenden waren allesamt bereits vorher kriminalpolizeilich aufgefallen. Dabei soll es sich unter anderem um Diebstahl- und Gewaltdelikte handeln. Von einer Bande wollte Frombach nicht sprechen. „Das ist für uns zunächst eine mögliche Tätergruppe.“

Das Motiv für den Doppelanschlag suchen die Fahnder vor allem in der nahegelegenen Max-Brauer-Schule. Auf die Einrichtung war in der Nacht vor der Tat an der Griegstraße auf ganz ähnliche Art ein Brandsatz geworfen worden. Einige der nun ermittelten jungen Männer hätten „ehemalige Verbindungen“ zur Max-Brauer-Schule, hieß es. Ob es sich um einen Racheakt gehandelt haben könnte, ließ Nana Frombach offen.

Die Jugendlichen und Jungerwachsenen stammen allesamt aus umliegenden Stadtteilen. Und sie alle haben einen Migrationshintergrund. Laut Polizei sind sie nigerianischer, kamerunischer, türkischer und deutscher Herkunft.

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erstellt am 04.Mär.2015 | 15:31 Uhr

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