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Hamburg

23. Februar 2017 | 19:35 Uhr

Flugausfälle am Freitag und Samstag : Lufthansa sagt für Samstag 137 Flüge ab

vom

Am Helmut-Schmidt-Flughafen fallen viele Flüge aus. Am Samstag sind Landstrecken betroffen.

Hamburg | Wegen des erneut fortgesetzten Pilotenstreiks hat die Lufthansa für diesen Samstag 137 Flüge mit rund 30.000 Fluggästen abgesagt. Darin enthalten sind 88 Interkontinentalflüge, wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt mitteilte

Der Lufthansa-Streik am Hamburger Flughafen ist am Freitag in den dritten Tag gegangen. Jeweils 25 von 31 geplanten Ankünften und Abflügen sollten ausfallen, wie eine Sprecherin mitteilte. Nach Frankfurt seien zwei Starts geplant, nach München vier. Die Lufthansa steuert von Hamburg aus nur diese beiden Städte an. Bereits am Mittwoch und am Donnerstag waren nur jeweils zwei Lufthansa-Flüge nach Frankfurt und München gestartet. Eine Verlängerung in den Samstag wurde am Donnerstagabend bekanntgegeben.

Auch am Samstag wollen die Piloten streiken. Es seien alle Langstreckenverbindungen betroffen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen, teilte die Gewerkschaft am Donnerstagabend mit.

Bundesweit hat die Lufthansa am Freitag 830 Flüge abgesagt. Insgesamt sind an den drei Streiktagen rund 315.000 Passagiere betroffen. Auf Hamburg entfallen - einschließlich des Streiks des Kabinenpersonals von Eurowings zu Beginn der Woche - mehr als 16.000 Reisende. Passagiere, die auf einen Zubringerflug für eine Interkontinentalverbindung gebucht sind, können innerhalb des Lufthansa-Netzes über die Drehkreuze Zürich, Wien und Brüssel reisen.

Die Langstreckenflüge würden hingegen „nahezu planmäßig“ starten, so die Fluggesellschaft. Vereinzelt könnten aber noch Verbindungen wegen des vorherigen Streiktages ausfallen. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti würden nicht bestreikt.

Für Freitag, den dritten Tag der Arbeitsniederlegung, stellte Lufthansa erneut einen Sonderflugplan auf. 2170 von 3000 Flügen könnten am Freitag wie geplant abheben. Insgesamt seien an den drei Streiktagen mehr als 315.000 Passagiere von 2618 Flugausfällen betroffen. Die Lufthansa forderte die Piloten erneut zu einer Schlichtung auf.

Schon jetzt zahle die Airline ihren Piloten mehr als bei anderen Fluggesellschaften üblich. Das Management sei für mehr als 120.000 Mitarbeiter verantwortlich und wolle den Konzern zukunftsfähig aufstellen, sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister. „Das wird mit einer Forderung von 20 Prozent mehr Lohn nicht möglich sein.“ Jeder Streiktag koste Lufthansa rund zehn Millionen Euro, erklärte er. Dazu komme ein Imageschaden, der nicht genau zu beziffern sei.„Wir merken das aber in unseren mittelfristigen Buchungszahlen.“ Im bis April 2014 zurückreichenden Tarifkonflikt hatte Lufthansa den Piloten zuletzt ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten.

Die Vereinigung Cockpit lehnt das ab. Sie verlangt Tariferhöhungen von insgesamt 22 Prozent für die Zeit bis einschließlich April 2017. VC verteidigt das eigene Vorgehen damit, dass das Lufthansa-Management weiter keinerlei Bewegung zeige und kein verhandlungsfähiges Angebot übermittelt habe. Sprecher Jörg Handwerk warf dem Vorstand eine „kompromisslose Unternehmenspolitik“ vor. Die Piloten lehnen eine Schlichtung bisher ab.

Für eine Verhandlungslösung plädierte unterdessen Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier. In dem langen Tarifkonflikt sei es an der Zeit, mit Hilfe eines neutralen Schlichters zu versuchen, „die unversöhnliche Haltung beider Seiten aufzulösen“, sagte der CDU-Politiker in Wiesbaden.

Bereits am Donnerstag wurden wegen des Streiks 912 Verbindungen gestrichen, am Mittwoch waren 876 gewesen. Reisende können sich weiter über die Internetseite Lufthansa.com informieren, ob ihre Verbindung unter den gestrichenen Flügen ist.

Der mehrtägige Streik lastet der Branche zufolge vor allem Hotels in der Nähe des Frankfurter Flughafens und in der Innenstadt aus. „Die Umsätze, die hier generiert werden, sind allerdings kein Grund zum Jubeln. Uns wäre es lieber, der Ausstand fände nicht statt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes Dehoga Hessen, Julius Wagner, der Deutschen Presse-Agentur. Die Lufthansa hat für gestrandete Kunden nach eigenen Angaben im Rhein-Main-Gebiet sowie im Raum München vorsorglich fast 4000 Hotelzimmer reserviert.

Diese Rechte haben Fluggäste

Wann haben Passagiere ein Recht auf Erstattung?

Wenn ein Flug ausfällt oder sich um mehr als drei Stunden verspätet, steht Passagieren laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Entschädigung zu. Berechnet wird die Entschädigung nach der Länge der Strecke - vorausgesetzt, es liegen keine außergewöhnlichen Umstände vor.

Urlauber sollten deshalb immer gleich bei der Fluggesellschaft nach dem Grund für die Annullierung oder die Verspätung zu fragen: Ist zum Beispiel einfach die Dienstzeit der Crew überschritten, und der Flieger kann deshalb nicht zur vorgegebenen Zeit starten kann, ist das kein außergewöhnlicher Umstand. Auch bei technischen Defekten des Fliegers stehen die Chancen auf eine Entschädigung recht gut.

Wie viel Geld bekommt man bei welcher Strecke?

Im Einzelnen sind folgende Entschädigungen vorgesehen:

Strecken bis 1500 Kilometer 250 Euro pro Passagier
Strecken bis 3500 Kilometer 400 Euro pro Passagier
Strecken über 3500 Kilometer 600 Euro pro Passagier

Bei Flügen innerhalb der EU gibt es unabhängig von der Länge der Strecke nicht mehr als 400 Euro. Gleiches gilt, wenn der Flug annulliert wird oder das Flugzeug überbucht ist.

Was sollten Reisende beachten?

Neben dem bereits erwähnten Nachfragen nach dem Grund für die Verspätung sollten Reisende vor allem hartnäckig bleiben. Verbraucherzentralen und die SÖP helfen, die Rechte des Urlaubers außergerichtlich durchzusetzen. „Allerdings muss man der Airline etwa acht Wochen Zeit geben, selbst aktiv zu werden“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Außerdem wichtig: Die Ansprüche verjähren nach drei Jahren, allzu lange warten sollte man also nicht. Viele Stellen raten zudem dazu, Belege für die Verspätung zu sammeln. Das kann beispielsweise auch ein Foto der Anzeigetafel sein, die die Verspätung anzeigt. War man gezwungen, in einem Hotel zu übernachten, sollte man auch hier die Quittung behalten.

Wo liegt das Problem?

Was in der Theorie gut klingt, ist in der Praxis häufig schwierig durchzusetzen: „Die Mehrheit der Airlines antwortet dem Kunden erst einmal gar nicht oder lässt Monate vergehen und bietet dann einen Gutschein an“, hat Sabine Fischer-Volk beobachtet. Oder die Fluggesellschaft erweckt den Anschein, gar nicht zahlen zu müssen. „Viele Airlines legen gar nicht dar, warum sich ein Flug verspätet hat. Die meisten Kunden bekommen ein vorgefertigtes Schreiben, in dem selten auf den Einzelfall eingegangen wird.“ Oder die Airline tut etwa bei einem technischen Defekt so, als sei das kein Grund für eine Entschädigung.

Warum gibt es überhaupt so oft Streit?

Für die Fluggesellschaften geht es um viel Geld. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft beziffert die jährlichen Ausgaben mit rund 132 Millionen Euro. Auf EU-Ebene setzt er sich dafür ein, dass Passagiere erst ab fünf Stunden Verspätung einen Ausgleich bekommen - gegen den Widerstand von Verbraucherschützern. Eine Revision der Verordnung liegt aber ohnehin auf Eis. Sie ist derart umstritten, dass derzeit nicht einmal darüber verhandelt wird.

Wie sind meine Rechte, wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe?

Verspätet sich der Flug im Rahmen einer Pauschalreise deutlich, können Urlauber den Reisepreis mindern. „Wenn man einen Tag später im Urlaub ankommt, ist das ein Reisemangel“, erklärt Fischer-Volk. Die Höhe der Preisminderung richtet sich dann nach der Reisedauer: Der Reisepreis wird durch die Zahl der Urlaubstage geteilt, daraus ergibt sich der konkrete Anspruch. Auch die verspätete Ankunft in der Heimat schmälert das Urlaubserlebnis, eine Preisminderung ist dann ebenso gerechtfertigt. Reisemängel müssen innerhalb eines Monats reklamiert werden.

Und: Bei einer Pauschalreise können Urlauber im Fall einer deutlichen Flugverspätung zusätzlich Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden geltend machen. Das gilt allerdings nicht, wenn ein Streik der Grund für die Verzögerung war - denn in diesem Fall liegt höhere Gewalt vor.

 
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erstellt am 25.Nov.2016 | 12:55 Uhr

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