zur Navigation springen

Hamburg

06. Dezember 2016 | 22:59 Uhr

Hamburger Speicherstadt : Lava, Mafiosi und der Papst: So schön ist Klischee-Italien im Miniatur Wunderland

vom

Nach vier Jahren Arbeit wurde die neue Abteilung im Miniatur Wunderland eröffnet. 80 Tüftler erbauten ihr „Fantasie-Italien“.

Hamburg | Ab sofort bricht der Vesuv 40 Mal pro Tag aus. Gottlob nicht der echte in Süditalien, sondern der im Hamburger Miniatur Wunderland, Maßstab: 1:87. Der feuerspeiende Berg ist ein besonderer von vielen Höhepunkten der Abteilung Italien, die Bürgermeister Olaf Scholz am Mittwoch in der größten Modelleisenbahnanlage der Welt eröffnet hat. Bella Italia in der Speicherstadt sei ein „Meisterwerk“ geworden, schwärmte der Stadtvater – was die Zwillinge Frederik und Gerrit Braun samt ihrer 80 Tüftler in aller Bescheidenheit ganz genau so sehen. „Der blanke Wahnsinn. Sie haben Modellbau in Sachen Präzision und Detailliebe auf ein neues Level gehoben“, verneigte sich Gerrit Braun vor seinem Team.

<p>Spektakulär: Der Vesuv am Golf von Neapel bricht aus.</p>

Spektakulär: Der Vesuv am Golf von Neapel bricht aus.

Foto: Miniatur Wunderland Hamburg

Wie das echte Rom ist auch das Mini-Italien nicht an einem Tag erbaut. Vier Jahre und mehr als vier Millionen Euro brauchte es, um das geschrumpfte Sehnsuchtsland der Deutschen als eine Art Best-Of dem staunenden Publikum zu präsentieren. Außer Rom zu sehen sind die Cinque Terre, Südtirol, die Amalfiküste, Pompeji und eben der Vesuv. „Unser Fantasie-Italien“, sagte Frederik Braun. Alles in 180.000 Stunden Handarbeit auf 190 Quadratmeter gezaubert. „Jede noch so kleine Dorfkapelle ist einem Original nachempfunden.“

Mehr als 100 Züge schlängeln sich wie von Geisterhand durch die Landschaften, Dörfchen und Städte. Und dennoch wirkt das Braunsche XS-Italien schon fast nicht mehr wie eine Eisenbahnanlage. Im Vordergrund stehen die 500 Gebäude und Brücken, vor allem aber die 30.000-köpfige Bevölkerung. Das Figürchen-Volk macht dieses Italien zu einem unerschöpflichen 3D-Wimmelbild mit Suchtgefahr. Detailverliebt und filigran wie nie lassen die Bastler einen Kosmos im Kleinen lebendig werden.

Modellbauer spielen mit klassischen Klischees

Stunden, ja Tage lässt sich verweilen, um all die Einzelheiten zu entdecken. Etwa, wie ein 1:87-Papst vom Balkon des Petersdoms dem Ganzen seinen Segen gibt, während Priester im Hinterhof am Papa-Mobil die Reifen wechseln. Wie finstere Mafiosi-Typen mit dem Betonmischer an der Zeugenbeseitigung arbeiten. Wie Gigolos in Badehose Spaghetti-Partys feiern. Und wie die gehörnte Ehefrau den nackten Ehemann mit dem Nudelholz zum Teufel jagt. Italien-Klischees halt, aber – wie stets im Miniatur Wunderland - mit viel Augenzwinkern und immer heiter-harmlos inszeniert. „Vielleicht“, sinnierte Frederik Braun bei der Eröffnung, sei das Wunderland ja deswegen so erfolgreich, „weil wir immer den Krieg weglassen“.

<p>Das Spaghetti-Fest am Strand von Amalfi ist nur eines von vielen Details im neuen Italien-Abschnitt.</p>

Das Spaghetti-Fest am Strand von Amalfi ist nur eines von vielen Details im neuen Italien-Abschnitt.

Foto: Miniatur Wunderland Hamburg

Beim Vesuv übrigens haben sich die Hamburger Technik-Virtuosen selbst übertroffen. So viel sei preisgegeben: Die Lava fließt tatsächlich. Glutrot leuchtend auf Pompeji zu, fast wie im echten Leben.

zur Startseite

von
erstellt am 28.Sep.2016 | 16:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen