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Hamburg

08. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Starker Verkehrslärm : Krach macht Hamburger krank – Aktionsplan vorgestellt

vom

4,4 Millionen Euro will die Stadt für Schallschutz und Einführung von Tempo-30-Zonen in der Nacht ausgeben.

Hamburg | Etwa 133.000 Hamburger können nachts nicht zur Ruhe kommen, weil  Autos, Lkw und Motorräder auf den Straßen zu laut sind. Deutlich mehr als 55 Dezibel müssen Anwohner an viel befahrenen Straßen in Hamburg ertragen. Ungestört schlafen lässt sich nur bei maximal 30 Dezibel. Tagsüber ist es noch schlimmer.

Zahlen, die der Senat nicht überhören kann. „Das sind Lautstärke-Pegel, die uns zum Handeln verpflichten, weil sie die Gesundheit der Anwohner gefährden“, räumte Umweltsenator Jens Kerstan (Die Grünen) am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Lärmschutz-Förderung im Hamburger Rathaus ein. 

Mit vier Millionen Euro vom Bund und 400.000 Euro aus dem Hamburger Haushalt werden ab sofort Schallschutzmaßnahmen in Wohnungen und Häusern mit bis zu 75 Prozent der Kosten bezuschusst. Anträge können Eigentümer bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) stellen, dort können sie sich auch beraten lassen. Bis 2018 kann der Fördertopf ausgeschöpft werden, in den Folgejahren 2019 und 2020 will der Senat das Förderprojekt mit jeweils einer Million absichern.

Dass solche Maßnahmen nicht die Ursachen von Lärm und dicker Luft durch den Straßenverkehr beseitigen, ist dem Umweltsenator bewusst. Deshalb sei es richtig, das Eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Gemeint sind Maßnahmen, die den Straßenverkehr deutlich einschränken. So scheint sicher, dass schon in Kürze auf mindestens zehn Hauptverkehrsstraßen Tempo 30 in der Nacht eingeführt wird. Um welche Straßen es sich handelt, wollte Kerstan nicht sagen, schon aber, dass es aus seiner Sicht gern mehr werden dürfen. Die Effekte von nächtlichen Tempo-30-Zonen würden derzeit auf drei Straßen in Hamburg-Harburg getestet. Die Ergebnisse sollen in die politische Debatte einfließen.

Wenn es Hamburg nicht gelänge, seine Lärm- und Schadstoffemissionen in den Griff zu bekommen, will der grüne Senator auch Fahrverbote nicht grundsätzlich ausschließen. Das macht deutlich, wie hoch der Druck ist seit das Oberverwaltungsgericht der Stadt die Leviten gelesen in Sachen Luftreinhalteplan. Mit dem wollte sich Hamburg bis 2018 Zeit lassen, doch der Umweltverband BUND klagte und bekam Recht. Jetzt müssen die Pläne für sauberere Luft schon im Juni 2017 vorliegen.

Die Fraktionen der FDP und der Linken sowie der Naturschutzbund BUND kritisierten das Programm. Der umweltpolitische FDP-Sprecher Kurt Duwe spottete über ein „Förderprogrämmchen“ mit „altbackenem Lärmschutz-Ansatz“. Duwe forderte die „flächendeckende Einführung von intelligenten Ampelsteuerungen und Flüsterasphalt“.

Stephan Jersch, umweltpolitischer Sprecher der Linken, beklagte: „Der Umweltsenator müsste die Lärmquellen in Hamburg reduzieren (...) Doch stattdessen bunkert er die Hamburgerinnen und Hamburger, gerade in den finanziell benachteiligten Quartieren, hinter Doppel- und Dreifachverglasung ein.“

Der BUND forderte als ersten Schritt, auf den lautesten vierzig Straßen Hamburgs umgehend Tempo-30-Zonen einzuführen. Nach BUND-Berechnungen würden von den insgesamt 6,4 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 maximal 10.000 bis 12.000 Menschen profitieren.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 17:11 Uhr

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