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Hamburg

23. März 2017 | 13:33 Uhr

Hamburg : Kotberge vor Kaufhäusern: Obdachlose müssen morgens gehen

vom

Urin und Kot in den Eingängen von Kaufhäusern in der Hamburger Innenstadt - seit Wochen gibt es deswegen zahlreiche Beschwerden.

Hamburg | Nach zahlreichen Beschwerden sollen Obdachlose, die in den Eingängen von Kaufhäusern nahe des Hamburger Hauptbahnhofs übernachten, von Ende März an ihre Schlafplätze bereits am frühen Morgen verlassen müssen. Diese Maßnahme richte sich nicht generell gegen Obdachlose, sagte die Sprecherin des Bezirksamtes Mitte, Sorina Weiland, am Dienstag. „Sondern wir haben im Bereich Mönckeberg massive Probleme mit einer bestimmten Gruppe Obdachloser - das sind nach unseren Erkenntnissen Familienverbände aus Rumänien und Bulgarien.“

„Die Mitarbeiter-Eingänge und Notausgänge werden als Bedürfnisanstalt genutzt. Es ist unzumutbar“, sagte Weiland. Die Menschen sollen nun um 6.30 Uhr gebeten werden, ihre Schlafplätze zu verlassen, damit dort gereinigt werden kann. „Es muss gewährleistet sein, dass Mitarbeiter und Passanten ungehindert diese öffentlichen Flächen benutzen können und nicht erst über Kotberge steigen müssen.“ Es geht nach Angaben des Bezirksamtes um etwa 20 Menschen, die vor zwei Kaufhäusern lagern. Es handele sich um EU-Bürger, die in ihrer Heimat Wohnungen und Häuser hätten, erklärte Weiland. Deshalb dürften sie auch nicht ins Winternotprogramm.

Nach Geschäftsschluss sollen die Obdachlosen wieder an ihre Plätze zurückkehren können. Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) habe im Vorfeld viele Gespräche mit Obdachlosen-Initiativen geführt, berichtete Weiland. In vier Wochen will das Bezirksamt eine erste Auswertung vornehmen, ob sich die Maßnahme bewährt hat.

Stephan Karrenbauer, Sprecher des Hamburger Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“, zeigte Verständnis für das Vorgehen des Bezirksamtes. „Es geht hier um eine ganz spezielle Gruppe, die sich leider nicht an bestimmte Regeln hält“, sagte er. Es habe zahlreiche Beschwerden gegeben, weil die Eingänge so verdreckt seien. „Die Platte muss sauber hinterlassen werden - 99 Prozent der Obdachlosen machen das auch.“

Kritik kam von der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft: „Die von Droßmann angekündigten ordnungspolitischen Maßnahmen sind keine angemessene Antwort auf die schwierige Situation der Obdachlosen“, erklärte die Abgeordnete Cansu Özdemir. „Die betroffenen Menschen brauchen langfristige Perspektiven und Unterstützung, um aus ihrer desolaten Situation herauszukommen.“

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erstellt am 14.Mär.2017 | 16:42 Uhr

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