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Hamburg

09. Dezember 2016 | 16:40 Uhr

Attacke mit Schlagstock : Konvertierten Iraner verprügelt: Neustart für Prozess gegen Afghanen

vom

Weil er einen Iraner schwer verletzt hat, steht ein Afghane vor Gericht. Der Vorwurf: Verdacht auf Totschlag. Weil das Alter des Angeklagten zunächst unklar war, wurde der Prozess an die Jugendkammer verwiesen.

Hamburg | Am Donnerstag beginnt vor dem Hamburger Landgericht erneut der Prozess gegen einen Afghanen wegen des Verdachts des versuchten Totschlags. Zuvor hatte die Verhandlung am 19. Mai begonnen, wurde aber nach einem Gutachten zur Altersbestimmung an die Jugendkammer verwiesen.

Die Staatsanwaltschaft in Hamburg wirft dem Mann vor, am 18. Oktober 2015 gegen 20.30 Uhr in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung im Hörgensweg im Stadtteil Eidelstedt einem 24-jährigen Iraner zwei Mal mit einem Teleskopschlagstock auf den Kopf geschlagen zu haben. Dies sei unvermittelt und unter billigender Inkaufnahme tödlicher Verletzungen passiert sein. Mitarbeiter hatten damals verhindern können, dass der Afghane ein weiteres Mal zuschlagen konnte.

Der Iraner erlitt bei der Attacke eine Gehirnerschütterung sowie Platzwunden an Scheitelbein und Augenbraue. Er musste ins Krankenhaus. Hintergrund der Streitereien sollen Glaubensfragen gewesen sein. Der iranische Staatsbürger war zuvor vom Islam zum Christentum konvertiert. In zahlreichen islamischen Ländern werden Konvertiten verfolgt. Nach islamischen Recht wird der Abfall vom Glauben (Apostasie) mit dem Tode bestraft. Nur wenige Tage zuvor soll der 24-Jährige dem Angeklagten berichtet haben, dass er zum Christentum übergetreten sei. Daraufhin habe der Afghane erklärt, dass es in dem Fall keine Sünde sei, ihn zu töten. Das hatte die Polizei mitgeteilt.

Der Angeklagte sitzt seit dem 14. Dezember in Untersuchungshaft. Bis zu seiner Verhaftung war der Afghane untergetaucht. Angaben zufolge hatten Bewohner des Flüchtlingsheims den Tatverdächtigen nach dem Angriff zunächst festhalten können. Dann konnte ihn aber eine andere Gruppe von 15 bis 20 Personen befreien. Er flüchtete und tauchte unter. Wenige Tage später wurde ein Haftbefehl erlassen. Mitte Dezember wurde er dann in einer Erstaufnahmeeinrichtung im Stadtteil Bahrenfeld wiedererkannt und verhaftet.

Der Prozess muss neu beginnen, da der Afghane sein Alter zunächst mit 22 angegeben hatte. In der Hauptverhandlung hatte er sich dann als 20-Jähriger bezeichnet. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass der Angeklagte durchaus unter 21 Jahre alt sein könnte und somit zum Tatzeitpunkt Heranwachsender war.

Für den Prozess sind vorerst zehn Verhandlungstermine bis zum 13. Oktober angesetzt.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 19:54 Uhr

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