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Hamburg

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Ausverkauftes Konzert in Hamburg : Konfettiregen und Feuerfontänen: Coldplay spielen im Volksparkstadion

vom

Er hat die Energie, er hat Spaß und er will alles: Frontmann Chris Martin bewies seinen 45.000 Fans im ausverkauften Volksparkstadion, warum Coldplay zurecht eine der weltweit erfolgreichsten Bands ist.

Normalerweise heben sich Bands ihre Highlights für den Schluss auf. Anders Coldplay. Schon zum dritten Song rieselt buntes Konfetti vom Himmel, es folgen Feuerfontänen und Pyrotechnik, dann werden die Konfettibomben eingesetzt. Zu „Adventure of a Lifetime“ hüpfen riesige Luftballons über die Köpfe der Fans hinweg. Der Schluss kommt überraschend. In ihrem Herkunftsland England ist es unüblich eine Zugabe zu geben, und so blieben die Briten, trotz öffentlicher Brexit-Ablehnung, doch ihrem Land treu und verschwanden nach dem letzten Lied zügig hinter der Bühne. Sie kamen nicht wieder. Doch was hätten sie auch spielen sollen? Denn in der zweistündigen Show gab es alles, was das Coldplayrepertoire hergab, von „Viva la Vida“, „The Scientist“, „Paradise“ oder „Everglow“. Alles war getan.

Coldplay ist Kult, seit 2000 ständig irgendwo in den Charts. Vier junge Männer lernten sich am University College London kennen. Es sind Sänger Chris Martin, Gitarrist Jonny Buckland, Schlagzeuger Will Champion und Keyboarder Guy Berryman. Sie entschieden, gemeinsam Musik zu machen. Das ist jetzt 20 Jahre, 80 Millionen verkaufte Alben und sieben Grammys her. Sie machen Rockmusik. Ihre Lieder haben Tiefgang. Es ist ein bisschen Travis, eine Prise A-ha und ein wenig U2. In fast allen Liedern schwingt ein wenig Melancholie mit, mal mehr, mal weniger, aber genug, um die Briten zu dem zu machen, was sie sind. Schon lange gelten sie als die größte Rock/Pop-Formation der Welt.

Frontman Chris Martin hat so viel Energie und Spaß auf der Bühne, das es ansteckt. Gleich zum Auftakt zu „A Head Full of Dreams“ rennt er den langen Steg in die Menge hinab, wie ein kleines Mädchen auf einer Blumenwiese. Dazu blinken 45.000 Armbänder der Fans. Zusammen mit den kleinen Papierschnipseln, die vom Himmel rieseln, sind wir mit den gesponserten Armbändern der Band kleine Glühwürmchen in einem gigantischen Volksparkstadion. Wenige Minuten später ist das Blumenmädchen nicht mehr zu erkennen. Stattdessen steht da ein Mann, in Turnschuhen und Schlabbershirt, springt, tanzt, macht Party.

Die Bühne ist ein Pompom-Vorhang. Alles ist bunt, eine Regenbogen-Fantasiewelt. Das Bühnenbild schmückt sich mit Vogelgezwitscher und Schmetterlingen, während über den Köpfen echte Flugzeuge in den Sonnenuntergang fliegen. Kitsch pur. Schon wieder Konfetti. Chris Martin hat sich eine deutsche Fahne in den Hosenbund gehängt. Es wirkt ungeplant und spontan, so wie in Zürich mit Schweizer Fahne, und in Barcelona noch mit einer spanischen Flagge. Ihre Tour ist groß, wie die Band. Seit 31. März sind sie unterwegs durch drei Kontinente, 58 Shows stehen auf der Liste: zehn in Lateinamerika, 20 in Europa, 22 in Nordamerika und sechs in Australien und Neuseeland. Drei Millionen Fans werden weltweit ihre Show sehen.

Seit 16 Jahren kommen sie nach Deutschland. Es ist ihre erste Welttour seit der Mylo Xyloto Tour in 2011/2012. Ihr letztes Album „Ghost Stories“ krönten sie nicht mit einer Tour, vielleicht war es zu persönlich, zu emotional, zu dramatisch. Es ist die Musik, bei der der Zuhörer lieber in die Ferne gucken möchte. Alleine. Dafür bietet sich ein Volksparkstadion nicht an. Sänger Chris Martin verarbeitete darin die Trennung von seiner Frau, der Schauspielerin Gwyneth Paltrow, mit der er zwei Kinder hat, eins davon heißt übrigens „Apple“, als wär das nicht schon dramatisch genug. Drei Songs aus dem Album spielen die Briten trotzdem, und wechseln so vom bunten Glücksmoment in melancholische Einsamkeit. Das Publikum passt sich an. Statt zu tanzen und zu hüpfen, wird geknutscht, geht auch. Der Spagat gelingt. Die Lieder mischen sich stimmungsvoll in die Abenddämmerung, als wären die Briten für die Zeit verantwortlich. Die Band spielt auf einer kleinen Bühne, nur vier Männer und ihre Instrumente machen Musik. Die Menge lauscht, schmust.

Chris Martin hat ihr aktuelles Album „A Head Full Of Dreams“ mit dem letzten Harry-Potter-Band verglichen und damit dunkle Spekulationen um die Zukunft von Coldplay ausgelöst. Wars das? Sei zu hoffen, dass Coldplay nicht so enden, wie das Konzert, überraschend plötzlich und schnell.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 12:01 Uhr

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