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Hamburg

27. September 2016 | 03:53 Uhr

„Santa Fu“ in Hamburg : JVA Fuhlsbüttel: Justizbeamte schlagen wegen Personalnot Alarm

vom
Aus der Onlineredaktion

Gefährliche Gefangene, aber nicht genug Aufseher. Beamte der JVA beklagen einen eklatanten Personalmangel. Die Sicherheit sei nicht gefährdet, betont die Justizbehörde.

Hamburg | Justizbeamte des Gefängnisses in Hamburg-Fuhlsbüttel haben nach Informationen der Wochenzeitung „Die Zeit“ wegen Personalnot Alarm geschlagen. „Wir gehen auf dem Zahnfleisch“, zitiert das Blatt einen Beamten. Folge der prekären Situation seien fatale Sicherheitslücken. In einem Brief habe der Beamte Zweifel an der Sicherheit in dem Gefängnis geäußert: „Die JVA Fuhlsbüttel steht vor einem Kollaps. (...) Die Sicherheit der Bediensteten und der Gefangenen ist in Frage gestellt.“ Entgegen den Vorschriften würden die Türen zwischen den Stationen offen gelassen.

Gewalt und Einschüchterungsversuche unter den Häftlingen nähmen zu, schreibt der Beamte. Für notwendige Sicherheitskontrollen fehle das Personal. Bei der Justizbehörde ging ein anonymes Schreiben mit ähnlichem Inhalt ein, wie Sprecherin Marion Klabunde am Mittwoch bestätigte. Sie räumte ein: „Wir haben eine dünne Personaldecke.“ Acht bis zehn Prozent der Stellen in den Hamburger Gefängnissen seien nicht besetzt. Im vergangenen Juni kamen auf 1723 Gefangene knapp 980 besetzte Stellen. Dass die Besorgnisse der Bediensteten so groß seien, sei der von Senator Till Steffen (Grüne) geführten Behörde nicht bewusst gewesen.

Klabunde betonte: „Es gibt keine Sicherheitsmängel.“ Es komme allerdings vor, dass Gefangene nicht gleich zum Arzt gebracht werden könnten, sofern es nicht um einen Notfall gehe. Auch müssten die Häftlinge mehr Zeit als eigentlich vorgesehen in den Zellen verbringen. Im Oktober werde sich die Situation in Fuhlsbüttel etwas entspannen, wenn zehn neue Leute ihre Arbeit aufnähmen. Weitere Nachwuchskräfte beenden ihre Ausbildung im Herbst nächsten Jahres. Über die in dem anonymen Schreiben genannten Kritikpunkte wollte das Fachamt der Behörde mit den verantwortlichen Beamten in der JVA Fuhlsbüttel sprechen.

Im August hatte eine anonyme Mitteilung, in der vor einer Geiselnahme in „Santa Fu“ gewarnt wurde, für Aufregung gesorgt. Die Anstaltsleitung ließ alle Gefangenen in ihren Zellen einschließen und das Gelände durch Justizbeamte und Polizisten nach Waffen absuchen. Nach nächtlichen Knallgeräuschen war sogar das Mobile Einsatzkommando der Polizei angerückt. Waffen wurden bei der mehrtägigen Suche nicht gefunden. In Fuhlsbüttel sitzen annähernd 300 Gefangene. Sie verbüßen meist lange Haftstrafen, einige von ihnen aber auch nur Ersatzfreiheitsstrafen.

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erstellt am 21.Sep.2016 | 15:42 Uhr

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