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Hamburg

23. März 2017 | 21:07 Uhr

„Just call me God“ : John Malkovich als göttlicher Diktator in der Elbphilharmonie

vom

In der Hamburger Elphi geht es am Dienstag hochkarätig weiter – mit der Weltpremiere des Musiktheaterstücks „Just call me God“.

Hamburg | In den weiß Gott hochkarätigen Eröffnungswochen der Hamburger Elbphilharmonie soll es ein besonderes Glanzlicht werden. Eines mit Hollywoodfaktor. Schauspieler-Größe John Malkovich gastiert ab Dienstag im Hafencity-Konzerthaus mit der Weltpremiere des Musiktheaterstücks „Just call me God“. „Es geht um die Begegnung eines Diktators mit einer Journalistin in einem fiktiven Land“, erzählt der 63-Jährige vor Medienvertretern. Die Auftragsproduktion für die Elbphilharmonie in englischer Sprache wird in Hamburg bis Freitag viermal gezeigt; am Montag gab es nur noch für den Donnerstagnachmittag ganz wenige Restkarten.

Zum Pressegespräch erscheint der göttliche Diktator in Jeanshemd und mit Umhängetasche. Ruhig, souverän, nachdenklich beantwortet Malkovich Fragen zu Stück und Schauplatz. Der Große Saal der Elbphilharmonie? Der 63-Jährige findet ihn „great“, schwärmt von der „ganz klaren“ Akustik und lobt die kreisförmige Gruppierung der Sitze um die Bühne. Wie hat er sich vorbereitet auf die Rolle des Despoten? „Ich habe früher einiges von Stalin gelesen, auch Hitler.“ Dann zählt er all die anderen historischen Figuren auf, die das Stück (Libretto: Michael Sturminger) mit ihren Scheußlichkeiten ebenfalls inspiriert haben: Idi Amin, Mobutu, Gaddafi, Saddam Hussein. Hält er Diktatoren schlechthin für verrückt? Malkovich: „Ohne zu zögern: ja!“

Und doch sieht sich der Leinwand-Bösewicht keineswegs als Jünger oder gar Retter des taumelnden westlich-demokratischen Modells. Zur Wahl gehe er schon seit 1972 nicht mehr. „Demokratie ist wichtig“, sagt der US-Bürger, dem es aber offensichtlich vor allem um die Freiheit des Einzelnen geht. „Ich will niemandem sagen, was er zu tun hat. Und ich will mir das auch von niemandem sagen lassen.“

Sein Widerpart in „Just call me God - A dictator's final speech“ ist Sophie von Kessel als Journalistin, die den entmachteten Machthaber aufspürt. Das Rededuell um Gottgleichheit, Verblendung und Menschsein trägt sich am Herrschersitz mit Orgel zu. „Das Stück ist auch ein Dialog zwischen Musik und Sprache“, erläutert Komponist Martin Haselböck.

Dominierendes Instrument ist die Orgel, die in der Elbphilharmonie etwa ganz Besonderes sei, konstatiert Regisseur Sturminger: „Sie ist wie ein versteckter Wal.“ Kaum sichtbar und doch von ungeheurer Macht. Sturminger, der mit Malkovich und Haselböck schon zwei Musikdramen produzierte, hat Auszüge aus Werken von Bach, Wagner und Liszt mit eigenen Kompositionen verbunden. 

Wie ist es für Malkovich, zu Musik zu schauspielern? „Ich kenne mich mit Klassik- und Barockmusik gar nicht aus.“ Gegenüber den Kompositionen von Wagner, Bach oder Mozart fühle er sich regelrecht „unbewaffnet“. Schwierig sei das, aber doch „einzigartig und inspirierend.“ Wozu die Elbphilharmonie mit ihrem Klangerlebnis viel beitrage. Malkovich: „Hier hört man die Kraft und das Pathos eines jeden einzelnen Instruments.“

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erstellt am 06.Mär.2017 | 19:18 Uhr

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