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Hamburg

06. Dezember 2016 | 09:08 Uhr

Bluttat in Hamburg-Hamm : „Jetzt stirbst du“: Der Prozess im „Krieg der Kampfsportschulen“ hat begonnen

vom
Aus der Onlineredaktion

Im Mai stürmte ein mit Langmessern bewaffneter Schlägertrupp ein Sportstudio in Hamburg. Das Opfer kam fast zu Tode.

Hamburg | Wutschnaubend stürmten die Männer das Sportstudio, alle trugen sie Sturmhauben über den Köpfen, in den Händen Messer, Totschläger und Machete. Schnell war Kampfsportler Abeku A. an jenem Maiabend in Hamburg-Hamm klar, dass der martialische Auftritt ihm galt. Mit den Worten „Jetzt stirbst du“ stürzten sich die fünf Eindringlinge auf den 35-Jährigen und richteten diesen übel zu. Das Opfer überlebte nur knapp, das Rollkommando entkam in der Dunkelheit. 

Einen der maskierten Angreifer wollen A. und weitere Zeugen an dessen Stimme und Statur erkannt haben. Seit gestern muss sich Ismail C. (34) wegen versuchten Totschlags und schwerer Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten. Die übrigen Beteiligten des Brutalo-Überfalls sind unbekannt.

Als „Krieg der Kampfsportschulen“ bezeichnen Hamburger Medien das, was zu der blutigen Eskalation geführt hat. Das Opfer und der Angeklagte sind professionelle Kämpfer der Disziplin Mixed Martial Arts (MMA), bei denen die Kontrahenten in Käfigen aufeinander einschlagen und eintreten. Beide betreiben sie MMA-Kampfsportschulen in Hamburg, und beide waren einst Vertraute. A. trainierte früher im Sportstudio seines jetzigen Feindes, gründete dann sein eigenes Studio.

Dort ereignete sich die Bluttat. Laut Anklage wehrte A. die erste Messerattacke noch mit einem Wischmopp ab. Die Angreifer schlugen ihn mit einem Teleskopschlagstock zu Boden und warfen eine 30 Kilogramm schwere Gewichtsstange auf ihr Opfer. Schließlich, so die Staatsanwaltschaft, habe der Angeklagte das Opfer mit dem Knie auf den Boden gedrückt, während einer der Mittäter mit der Machete mehrfach auf dessen linkes Bein einstach und die Schienbeinarterie durchtrennte. 

Helfer retteten den Kampfsportler vor dem Verbluten. Und trotzdem: Als Sanitäter A. zum Krankenwagen trugen, gab der Käfigkämpfer schon wieder den harten Hund, formte für die Fotografen mit den Fingern das Victory-Zeichen. 

Vor Gericht gab sich der Angeklagte kleinlaut und räumte eine Mittäterschaft ein. Er habe A. einen Denkzettel verpassen wollen, weil dieser ihm eine Mitarbeiterin abgeworben habe. Ismail C.: „Die Idee war dumm. Es tut mir leid.“ Der Angeklagte will dem Konkurrenten lediglich zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Doch dann seien seine Begleiter mit den Waffen auf diesen losgegangen. Die Namen der Mittäter will C. aber auch im Gerichtssaal nicht verraten. Der Prozess wird fortgesetzt. Markus Lorenz

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erstellt am 02.Nov.2016 | 08:48 Uhr

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