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Hamburg

07. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Hamburg : Jahrhundertprojekt Hafenautobahn ist zum Greifen nah

vom

Die Hansestadt beginnt mit der Planung für das 900 Millionen teure Vorhaben. Anrainer und Naturschützer kämpfen dagegen.

Hamburg | Gut 30 Jahre ist der Plan einer Autobahn durch den Hamburger Hafen schon alt, nun scheint das Großprojekt tatsächlich zum Greifen nah. Nachdem der Bund das 900 Millionen Euro teure Vorhaben als dringlich in seinem Verkehrswegeplan verankert hat, beginnt für die Stadt die entscheidende Planungsphase.

Am Mittwochabend hat die Wirtschaftsbehörde die Bürger im Süderelberaum aus erster Hand über Einzelheiten informiert. Erste Überraschung: Kurz vor der Realisierung hat die früher so genannte Hafenquerspange einen neuen Namen bekommen. „Hafenpassage“ nennt der Senat nunmehr die vorgesehene knapp zehn Kilometer lange Verbindung zwischen A7 und A1.

Die Autobahn ist als östliche Verlängerung der A26 (Stade-Hamburg) konzipiert. Beginnen soll der Bau in Höhe der A7-Anschlussstelle Moorburg. Von dort führt die A26 Ost durch die Ortsteile Moorburg, Bostelbek und Kirchdorf. Die Trasse beschreibt dabei einen weiten Bogen nach Süden um Wilhelmsburg herum. In Stillhorn soll die Hafenpassage an die A1 anschließen.

Etwa sieben Kilometer der Strecke bestehen nicht aus Standard-Fahrbahnen, sondern aus Ingenieurbauwerken, also Brücken und Stützwänden. Bestandteil ist auch eine spektakuläre Schrägseilbrücke über die Süderelbe in Höhe des Kohlekraftwerks Moorburg. Allein der Bau dieser „zweiten Köhlbrandbrücke“ wird auf 180 Millionen Euro taxiert.

Senate der unterschiedlichsten politischen Farben haben für die Hafentraverse gekämpft, weil diese sowohl das Hafengebiet als auch den Elbtunnel und die Innenstadt von Lkw-Verkehr entlasten soll. Diese Entlastungswirkung sei erheblich, sagten Vertreter der Behörde und der zuständigen Planungsbehörde des Bundes, Deges, bei der Info-Veranstaltung.

Zahlreiche Anrainer sowie Naturschützer lehnen die Planungen gleichwohl ab. Mehrere örtliche Initiativen kämpfen gegen die A26. Ihre Befürchtung: Durch Lärm und Flächenfraß brächte die Autobahn erhebliche Nachteile, insbesondere für die Bewohner Moorburgs und Wilhelmsburg. Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg schlägt vor, auf die Hafenpassage zu verzichten und stattdessen den Bund zum Neubau der Köhlbrandbrücke zu bewegen. In deren Verlängerung solle dann nördlich von Wilhelmsburg eine teils unterirdische Autobahn gebaut werden. Zugleich drohen Nabu und BUND mit Klagen. Die Hafenpassage würde wertvolle Naturraum vernichten, warnt Nabu-Landeschef Alexander Porschke. Dutzende Pflanzen- und Tierarten von der Roten Liste müssten der Trasse weichen.

Verkehrsstaatssekretär Andreas Rieckhoff stellte am Mittwoch neue Details zu A26 vor. Demnach soll die Autobahn im Süden von Wilhelmsburg durch einen 390 Meter langen Lärmschutztunnel verlaufen. Der Tunnel führe zunächst unter den Bahngleisen Hamburg-Harburg hindurch und solle dann in der Siedlung Finkenriek überdeckelt werden. Das Dach des Tunnels soll - wie bei den bereits im Bau befindlichen Deckeln an der A7 in Schnelsen und Stellingen - begrünt werden. Die Kosten werde vermutlich der Bund tragen, erklärte der Abteilungsleiter bei der Bundesplanungsgesellschaft Deges, Sebastian Haß.

<p>Das geplantes Autobahndreieck Süberelbe von A26 und A1. </p>

Das geplantes Autobahndreieck Süberelbe von A26 und A1.

Foto: Deges
 

Der auch als Hafenpassage bezeichnete Abschnitt der A26 ist bereits als Projekt mit vordringlichem Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Nach Angaben der Verkehrsbehörde berät der Bundestag in der zweiten Oktoberhälfte über die Planungen. Rieckhoff geht davon aus, dass das Projekt noch in diesem Jahr beschlossen wird. Dann könnte mit dem Bau des westlichen Abschnitts, vom neuen Kreuz Süderelbe an der A7 bis zur Anschlussstelle Hafen-Süd bei Moorburg, schon Ende 2019/Anfang 2020 begonnen werden.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 19:45 Uhr

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