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Hamburg

08. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

Kennedybrücke : IS reklamiert Messerangriff in Hamburg für sich

vom

Vor zwei Wochen starb ein 16-Jähriger an der Alster. Seine 15-jährige Begleiterin wurde ins Wasser gestoßen.

Hamburg/Tunis | Die Terrormiliz IS hat nach Angaben ihres Sprachrohrs Amak einen Messerangriff auf zwei Menschen in Hamburg verübt. Ein „Soldat des Islamischen Staats“ habe den Angriff am 16. Oktober ausgeführt, teilte Amak in der Nacht zum Sonntag mit. An diesem Tag war ein 16-Jähriger an der Hamburger Alster von einem Unbekannten mit mehreren Stichen getötet worden. Die 15-jährige Begleiterin des Opfers wurde vom Angreifer ins Wasser gestoßen, blieb aber unverletzt.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte, man nehme die aktuellen Hinweise auf einen möglichen IS-Hintergrund sehr ernst. Allerdings enthalte die Bekennernachricht des IS auch Ungereimtheiten. „Ziel des IS - auch bei Bekennungen - ist regelmäßig, Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Deshalb ist es richtig, dass die Ermittlungen mit Hochdruck, aber auch mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen weiter geführt werden“, teilte Grote mit.

Die Bundesanwaltschaft prüft die angebliche Bekennerbotschaft des IS-Sprachrohrs Amak. Es gebe noch keine Entscheidung, ob der Generalbundesanwalt den Fall an sich ziehe, sagte ein Behördensprecher. Über das Verlautbarungsorgan Amak reklamiert der IS üblicherweise Anschläge für sich.

Die Ermittlungen bleiben bei der Hamburger Mordkommission. Unter Beteiligung des Staatsschutzes gehe man aber auch dem Hinweis auf eine vermeintlich IS-motivierte Tat nach, teilte die Polizei nach einer Beratung mit Vertretern der Innenbehörde, des Verfassungsschutzes und des Staatsschutzes am Sonntag mit. Die Bekennermitteilung werfe allerdings eine Reihe von Fragen auf. Es werde weiterhin in alle Richtungen ermittelt. Das Motiv für den Angriff sei völlig unklar.

Deutsche Sicherheitskreise nehmen die IS-Botschaft ernst. Es gebe derzeit aber keine konkreten Hinweise auf einen IS-Hintergrund, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Sonntag aus Sicherheitskreisen. Es gebe jedoch auch keinen Grund, an der Mitteilung des IS-Sprachrohrs Amak zu zweifeln. Weitere Details wurden nicht bekannt. Das Thema soll an diesem Dienstag auch in der routinemäßigen Lagebesprechung der Chefs der deutschen Sicherheitsdienste im Kanzleramt eine Rolle spielen. Normalerweise leitet Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) die Besprechung.

Die Polizei hatte am 17. Oktober eine Mitteilung zu der Tat vom Vorabend in der Hamburger Innenstadt herausgegeben. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund des Täters gab es damals anscheinend nicht. Demnach hatte sich das Verbrechen gegen 22 Uhr unter der Kennedybrücke ereignet, wo die beiden Jugendlichen am Alsterufer saßen.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Mordkommission wurde der 16-Jährige unvermittelt von einem Unbekannten hinterrücks angegriffen und mit mehreren Stichen verletzt, vermutlich durch ein Messer. Der Junge starb kurz darauf im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen. Das 15-jährige Mädchen konnte sich nach Polizeiangaben selbst ans Ufer retten.

Die von Amak zunächst auf Arabisch und Englisch verbreitete Mitteilung ließ offen, ob die angeblichen Opfer verletzt oder getötet wurden. Die gewählten Formulierungen lassen keinen eindeutigen Schluss zu. Weiter heißt es darin, der „Soldat“ des IS habe die Attacke „als Reaktion auf die Aufrufe ausgeführt, Bürger der Koalitionsländer (gemeint ist anscheinend das internationale Bündnis gegen die Terrormiliz) anzugreifen“. Mit derartigen Aufrufen hat der Islamische Staat seine Anhänger in der Vergangenheit wiederholt zu Gewalt angestachelt.

Nach dem Verbrechen am Alsterufer hatte die Polizei ursprünglich mitgeteilt, der mutmaßliche Täter sei schätzungsweise 23 bis 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß gewesen. Nach der Tat sei er davongelaufen. Von dem Angreifer und der Tatwaffe fehlte trotz intensiver Suche bislang jede Spur. Das Motiv gab den Ermittlern Rätsel auf. Am vergangenen Donnerstag stellten Beamte das Tatgeschehen am Alsterufer nach, um weitere Hinweise auf den Ablauf zu bekommen.

Dass die Islamisten des IS auch Deutschland im Visier haben, hatte sich in jüngster Zeit mehrfach gezeigt. Zuletzt sorgte der Fall des Syrers Dschaber al-Bakr für Aufsehen, der sich schon Sprengstoff besorgt hatte, um den Ermittlern zufolge einen Berliner Flughafen anzugreifen. Al-Bakr erhängte sich kurz nach dem Zugriff in seiner Zelle. Im Juni flog eine mutmaßliche IS-Terrorzelle auf, die einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt geplant haben soll.

In Ansbach sprengte sich im Juli ein Syrer auf einem Platz vor einem Musikfestival in die Luft und verletzte 15 Menschen. Knapp eine Woche zuvor war ein 17-Jähriger aus Afghanistan bei Würzburg mit Axt und Messer in einer Regionalbahn auf Fahrgäste losgegangen.

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erstellt am 30.Okt.2016 | 14:57 Uhr

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