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Hamburg

08. Dezember 2016 | 03:10 Uhr

„Intelligent Traffic System“ : Intelligenter Verkehr: Hamburg drückt aufs Tempo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Parkplatz suchen, Ampeln überqueren und Staus vermeiden: Hamburg setzt auf vernetzten Verkehr. Und will sich damit weltweit positionieren.

Hamburg | Wer Martin Huber nach dem Fahrzeug der Zukunft fragt, erhält eine erstaunliche Antwort: „Das Smartphone.“ Der Leiter des Hamburger Verkehrsamtes meint, was er sagt. Geht es nach ihm und nach Behördenchef Frank Horch (parteilos), dann wird der Verkehr auf Hamburgs Straßen und Schienen schon in naher Zukunft weitgehend digital gelenkt, kontrolliert und bezahlt. Das Internet-Handy soll Autofahrern und ÖPNV-Nutzern dabei als individuelle Steuerzentrale dienen.

Digitale Systeme sind auch für den Verkehr das bestimmende Thema der Zukunft. Sie sollen das Fahren mit Auto, Bus oder Bahn erleichtern. Lästiges Abhetzen zum Fahrkartenautomaten könnte dadurch bald Vergangenheit sein.

„Intelligent Traffic System“ (ITS) nennt sich die Idee vom Verkehr 4.0, am Freitag hat die Stadt erste konkrete ITS-Projekte genannt. Für eine Überraschung sorgte dabei der neue Chef der Hochbahn, Henrik Falk, der erst in der vorigen Woche Gratis-Wlan in Bussen und U-Bahnhöfen gestartet hatte. Nun kündigte Falk bereits für das kommende Jahr einen Pilotversuch zu einem revolutionären Ticketsystem an. Bei „Check-in, Be-out“ wird das Smartphone zum virtuellen Ticketautomaten, der Kunden mühelos durch den Tarifdschungel führt. Falk beschreibt die Vorzüge wie folgt: „Einsteigen in Busse und Bahnen ohne Bargeld, Fahren, ohne sich über Tarifzonen Gedanken machen zu müssen und am Ende der Fahrt aussteigen mit der Sicherheit, dass automatisch der beste Tarif ausgesucht wird.“

So funktioniert’s: Beim Einstieg meldet sich der Nutzer mit seinem Handy kurz an („Check-in“), sein Ausstieg wird dann von Sensoren registriert („Be-out“). Egal wie oft der Passagier an einem Tag im HVV unterwegs ist, der Computer berechnet immer den für den Kunden günstigsten Preis, stellt etwa bei mehreren Fahrten auf Tagesticket um.

Derzeit läuft die europaweite Ausschreibung für die Hard- und Software in der Testphase. Die soll Mitte 2017 starten und sechs Monate dauern. Ab 2018, so der Hochbahn-Chef, soll das System dann in allen 2200 Bussen und 2000 U- und S-Bahnen im HVV umgesetzt werden.

Der Großteil der ITS-Projekte dreht sich indes um den Autoverkehr. Schwerpunkt ist die Datenübermittlung von und an Autofahrer, damit diese ihr Verkehrsverhalten danach ausrichten. So arbeitet die Stadt an „intelligenten Parkplätzen“, die anzeigen, ob sie belegt oder frei sind. Eine andere Idee sind Sensoren, die Lkw-Fahrern mitteilen, ob ihr Brummi für die Brücke zu schwer oder ob die Straße vereist ist. Auch sollen Ampeln künftig mit Autos kommunizieren, etwa um anzuzeigen, bei welchem Tempo die Kreuzung noch bei Grün überquert werden kann.

Verkehrssenator Horch kündigte überdies an, dass es demnächst auch in Hamburg Anwendungen zu autonomen, fahrerlosen Autos geben wird. Die Bedeutung digitaler Verkehrssysteme könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, betonte Horch, der bei dem Thema aufs Tempo drückt: „Denn wenn wir es nicht machen, machen es andere.“

Deshalb will die Stadt auch global Flagge zeigen. Hamburg hat sich um die Ausrichtung des ITS-Weltkongresses mit führenden Firmen der Branche als Teilnehmer im Jahr 2021 beworben.

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erstellt am 29.Apr.2016 | 19:13 Uhr

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