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Einkaufen : In Hamburg gibt es Automaten für allerlei Nützliches und Kurioses

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Aus der Onlineredaktion

Fahrradschläuche, Eier - in Hamburg gibt es, was das Herz begehrt. Auf die Schnelle, aus dem Automaten.

Hamburg | Hamburgs Automatenlandschaft hat einiges zu bieten, bei Sonne und auch Regen. Es gibt Eier, Schlechte-Laune-Fresser, Anker und Mini-Zahnbürsten. Wo früher Kaugummi und Kondome zu ziehen waren, waltet heute Fantasie.

Hühner gackern in Ottensen. Täglich legt David Hohmann sechs Eier in die rechteckigen Glaskästen. „Wir füllen den Automaten jeden Morgen“, sagt er. „Nach einer viertel Stunde sind sie meistens leer. Ein Mann zieht einen Fahrradschlauch beim bekannten Velo-Höker Von Hacht aus dem Automaten. Der Laden hat noch nicht einmal auf, Löcher und Scherben sollen keine Chance haben.

<p>Bei einem Platten gibt es schnell einen neuen Fahrradschlauch.</p>

Bei einem Platten gibt es schnell einen neuen Fahrradschlauch.

Foto: Martin Sonnleitner
 

Die Sonne scheint zwar, doch in der Rindermarkthalle gibt es für vier Euro grüne oder orangefarbene Regenschirme zu ziehen. Schöne Schiet-Wetter-Accessoires bei Schmuddelwetter. Ab ins Alte Land. Hier gibt es Äpfel und Säfte. Im Automaten. Drei Kilo saftiger Elstar kosten 4,20 Euro, es gibt in der Saison Erdbeeren, der Renner ist Himbeersaft. Obstbauer Hartmut Diercks lädt die Ware täglich nach, „in der Hauptsaison alle zwei Stunden“, erzählt er. Alles aus eigener Ernte.

Unten an der Elbe gibt es Schlechte-Laune-Fresser. „Kunst statt Dunst“, steht auf dem Automaten, für sechs Euro kann man „Spaßis“ rausziehen. Die kleinen Figuren entstehen in Handarbeit aus Holz. In den handbemalten Tieren sehen manche Hunde, andere Papageien oder Elche. Es gibt verschiedene Versionen.

In der Schanze hängen gleich zwei ausrangierte Kondom-Automaten, in einem gibt es für vier Euro Glücksketten, im anderen einen stilechten Ankerbutton für zwei Euro. Der eine ist pink, der andere rosa. Es sind restaurierte alte Blechkästen, analog und mechanisch, die Gimmicks lauern tief drin.

Wer ein Date plant, ist in der Hafencity gut aufgehoben. In hipper Lage kann der Besucher eine Mini-Zahnbürste ziehen. Mechanisch versteht sich. Nach dem Essen oder vor dem Date: Ein Euro für frische Zähne und sauberen Atem.

Ältere Hamburger erinnern sich an eine Automatenhalle in der Altonaer Straße. „Nach einem Kiez-Trip konnte man hier noch ein Bier ziehen, aber auch einen Liter Milch für den morgendlichen Kaffee“, berichtet ein Zeitzeuge. Es habe hier auch regelmäßig nachts Stress gegeben. Der Automat war Zeuge. Doch die Früchte-Tankstelle hinter dem Deich ist momentan der Renner in der Hamburger Automaten-Landschaft. Bei Diercks kaufen Airbus-Mitarbeiter, Pendler und Touristen die Fächer leer. Alle Früchte sind immer frisch und aus eigener Ernte. Der Automat steht zwischen Ziegenmist und Gabelstapler. Frischer Apfelsaft kostet 1,50 pro Flasche, es gibt auch Fünf-Liter-Kanister, alles aus der naheliegenden Süßmosterei.

Diercks betreibt den Automaten als Nebengeschäft seit 2012, „es lohnt sich betriebswirtschaftlich“, sagt er. Demnächst plant er gar einen Automaten mit frischem Obst in der Innenstadt aufzustellen. Diercks berichtet, dass unweit bei Buxtehude ein Molker sogar Milch in Flaschen per Automat abfüllen lässt. Seine Lieblingsgeschichte ist aber die, als ein flirtendes Paar nach einem wilden Schützenfest vorbeigekommen sei. „Erdbeeren hatte ich im Automaten“, erzählt er. „Nur leider keinen Sekt.“

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erstellt am 16.Mär.2017 | 19:54 Uhr

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