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Hamburg

05. Dezember 2016 | 01:39 Uhr

Umfrage der BAT-Stiftung : Immer mehr Deutschen werden Kinder zu teuer

vom

600 Euro kostet ein Kind im Monat. Und es gibt noch andere Gründe, warum sich viele gegen Nachwuchs zu entscheiden.

Hamburg | Immer mehr Bundesbürgern sind Kinder offensichtlich zu teuer. Einer Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen zufolge erklären inzwischen 63 Prozent der Deutschen Kinderlosigkeit mit den finanziellen Belastungen - und zwar unabhängig von Alter, Einkommen, Geschlecht oder Wohnortgröße. Vor fünf Jahren hatten noch 58 Prozent die Kosten als Hauptgrund gegen Kinder angeführt, heißt es in der am Mittwoch in Hamburg am Rande einer Familienkonferenz der CDU-Bürgerschaftsfraktion vorgestellten Untersuchung.

Der demografische Wandel wirkt sich auf viele Bereiche der Gesellschaft aus - auch auf das Rentensystem. Kommen zu wenige Kinder nach, lässt die sich mit dem aktuellen System in Deutschland nicht mehr finanzieren.

Auf Platz zwei des Rankings gegen Kinder steht die Sorge, eigene Freiheiten einzubüßen (61 Prozent), gefolgt von der Überzeugung, dass Karriere wichtiger sei als das Gründen einer Familie (55 Prozent).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bekamen 2014 in Deutschland 100 Frauen 147 Kinder - elf weniger als im EU-Durchschnitt. Die höchste Geburtenziffer innerhalb der EU hatte Frankreich, wo rechnerisch 2,01 Kinder pro Frau auf die Welt kamen - gefolgt von Irland und Schweden. Die niedrigsten Geburtenziffern verzeichneten Portugal (1,23 Kinder pro Frau), Griechenland (1,30) und Zypern (1,31).

Im vergangenen Jahr verzeichneten die Statistiker in Deutschland jedoch deutlich mehr Geburten als noch im Jahr zuvor. Insgesamt kamen rund 738.000 Kinder auf die Welt - 23.000 oder 3,2 Prozent mehr als 2014. Die Kosten pro Kind veranschlagen die Statistiker auf rund 600 Euro pro Monat, also knapp 130.000 Euro bis zur Volljährigkeit des Nachwuchses.

Doch nicht nur Kosten, Freiheit und die persönliche Karriereplanung hielten Bundesbürger vom Kinderkriegen ab. Auch die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schrecke weiterhin ab. So gaben trotz der Bemühungen etlicher Unternehmen, familienfreundliche Strukturen zu schaffen, 51 Prozent der Befragten an, dass sich Kinder und Karriere nur schlecht vereinbaren ließen - drei Prozentpunkte mehr als noch 2011. Knapp die Hälfte der Bürger (46 Prozent) nannte als Grund die Sorge um die Zukunft der Kinder in einer unsicheren Gesellschaft, etwa durch Klimawandel, Terrorgefahr oder der Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Rückläufig sei dagegen die Zahl jener Männer und Frauen, die wegen fehlender staatlicher Hilfen auf Nachwuchs verzichten. Die mehr als 150 verschiedenen familienpolitischen Leistungen sowie Leistungen wie Kinder-, Eltern- oder Betreuungsgeld in Höhe von mehr als 60 Milliarden Euro scheinen nach Angaben der Studienmacher zu wirken. So bemängelten in der Umfrage nur noch 41 Prozent fehlende staatliche Voraussetzungen - nach 46 Prozent vor fünf Jahren.

Die Ergebnisse der Umfrage beziehen sich auf die Gesamtbevölkerung, wie Studienleiter Prof. Ulrich Reinhardt sagte. Aber auch wenn man nur kinderlose Paare zwischen 25 und 49 Jahre befragte, käme annähernd das gleiche Ergebnis heraus. Da sei nur auffällig, dass sie im Vergleich zu allen anderen unterdurchschnittlich angaben, was ihnen üblicherweise in Bezug auf Kinder unterstellt werde: zu teuer oder zu wenig Freiheit. „Was überdurchschnittlich genannt wird ist, dass der richtige Partner fehlt und dass die Unsicherheit für die Zukunft der eigenen Kinder da ist“, sagte Reinhardt. Ansonsten entsprächen kinderlose Paare „sehr, sehr stark dem Durchschnitt der Bevölkerung“.

Studienleiter Reinhardt forderte die Politik angesichts der Ergebnisse auf, die Bedingungen für Familien weiter zu verbessern. Firmen wiederum sollten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur theoretisch anbieten, sondern auch leben. „Letztendlich aber muss jeder Bürger für sich selber entscheiden, ob bei allen Ängsten und Sorgen, Einschränkungen und Kompromissen, Kinder nicht dennoch zu deutlich mehr Lebensqualität und persönlichem Glück beitragen als Geld, Freiheit oder eine Karriere“, erklärte Reinhardt.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 14:40 Uhr

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