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Hamburg

28. August 2016 | 22:36 Uhr

Hamburg-Bergedorf : Hungerstreik: Flüchtlinge wollen nicht in Baumarkt ziehen

vom

„Wir sind im Hungerstreik. Die Stadt hat uns belogen“, sagt ein junger Syrer. Ziel der Aktion: Eine bessere Unterkunft.

Hamburg | Genau diese Bilder hatte Hamburgs Senat immer vermeiden wollen: Vor einem ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt in Bergedorf campieren Dutzende Flüchtlinge. Sie sitzen in Gruppen auf dem Bürgersteig auf Planen, ihre wenigen Habseligkeiten um sich herum verteilt. Manche haben sich zum Schlafen ausgestreckt. Zwei schwangere Frauen sind dabei und viele Kinder, die nach der zweiten Nacht im Freuen müde und eingeschüchtert wirken.

„Wir sind im Hungerstreik. Die Stadt hat uns belogen“, verkündet Awad Arbaakeat. Der junge Syrier spricht für die Gruppe von etwa 70 Flüchtlingen, die mit ihrer Aktion eine bessere Unterkunft erzwingen wollen. Denn in die Baumarkthalle im Hintergrund mögen diese Familien partout nicht einziehen. Nicht noch einmal eine Massenunterkunft mit Hunderten anderen unter einem Dach.

Zusammen mit etwa 600 Asylbewerbern war Arbaakeat in der Nacht zum Sonnabend von den Messehallen zum Max-Bahr-Markt in Bergedorf gebracht worden. In einer chaotischen Nacht-und-Nebel-Aktion, wie selbst die Behörden inzwischen einräumen. Arne Dornquast, Bezirksamtsleiter von Bergedorf, sagte am Montag bei einem Ortstermin: „Der Baumarkt war nicht gereinigt, als die Flüchtlinge kamen.“ Auch fehlten in der ersten Nacht Betten sowie Trennwände, um zumindest ein wenig Privatheit in der kahlen Halle zu schaffen. Vor dem Auszug aus den Messehallen, so versichern mehrere Flüchtlinge inständig, sei ihnen jedoch eine bessere Unterkunft in Containerbauten mit eigenen Zimmern versprochen worden. „Wir waren geschockt, als wir hier ankamen“, sagt der Syrier Arbaakeat, der den Hungerstreik so lange fortsetzen will, bis die Stadt nachgibt.

Besonders wahrscheinlich ist dies freilich nicht. Eine Sprecherin des zuständigen Landesbetriebs Fördern & Wohnen betonte, es stünden schlicht keine anderen Unterkünfte zur Verfügung. Eine Zusage für Container-Bauten habe Fördern & Wohnen deshalb auch niemandem gegeben. Wer den Flüchtlingen sonst Hoffnungen auf ein Ende der Massenunterbringung gemacht hatte, blieb unklar.

Wegen der Zustände vor dem Bergedorfer Baumarkt feuerte die Opposition am Montag aus allen Rohren auf den Senat. Die Linken-Abgeordnete Christiane Schneider warf den Behörden Unfähigkeit bei der Planung des Umzugs aus den Messehallen vor und sagte: „Wir begrüßen die Beschlagnahmung von Gebäuden zur Aufnahme von Flüchtlingen, aber wir fordern, dass diese Gebäude auch eine menschenwürdige Unterbringung ermöglichen.“

CDU-Innenexperte Dennis Gladiator warf den Behörden Versagen vor. Selbst der Bezirk sei über die bevorstehende Ankunft von mehreren hundert Menschen erst drei Tage vorher informiert worden. Zugleich appellierte Gladiator aber auch an die Asylbewerber: „Die Flüchtlinge sollten jetzt ihren Streik beenden und in ihre Unterkunft zurückkehren. Die Bedingungen dort sind zwar teilweise nicht ausreichend, aber immer noch besser als eine Nacht im Freien.“

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erstellt am 28.Sep.2015 | 19:55 Uhr

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