zur Navigation springen

Hamburg

04. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

Elbe in Hamburg : Havarie der „CSCL Indian Ocean“: Experte fordert Bergungskran

vom

Ein halbes Jahr nach der Havarie des Containerriesen „CSCL Indian Ocean“ auf der Unterelbe ist die Nachbereitung des Unglücks noch nicht abgeschlossen.

Hamburg | Ein halbes Jahr nach der Havarie des Containerriesen „CSCL Indian Ocean“ auf der Unterelbe hat der Bremer Schifffahrtsexperte Prof. Ulrich Malchow Konsequenzen gefordert. In Hamburg müsse es künftig einen Bergungskran geben, mit dem auch derart große Schiffe auf der Elbe schnell entladen werden könnten. Solches Gerät sei derzeit an der gesamten deutschen Küste nicht vorhanden. Hamburg habe damals viel Glück gehabt.

Die „CSCL Indian Ocean“, eines der weltgrößten Containerschiffe mit einer Tragfähigkeit von 19.000 Standardcontainern (TEU), war am 3. Februar nach einem Ruderschaden neben der Fahrrinne der Unterelbe auf Grund gelaufen. Erst nach fünf Tagen gelang es bei einer höheren Springflut, das Schiff mit Hilfe von zwölf Schleppern in den Hafen zu bringen.

 

Auch sechs Monate nach der Havarie ist die Nachbereitung des Unglücks noch nicht abgeschlossen. Wegen der Vielzahl der beteiligten Unternehmen und Experten, die zudem international im Einsatz seien, brauche die Aufarbeitung noch Zeit, sagte ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven. Es sei bei großen Einsätzen nicht unüblich, dass erst deutlich später eine detaillierte Einsatzbilanz vorliege.

„Hamburg hat Riesenglück gehabt“, sagte Prof. Ulrich Malchow von der Hochschule Bremen. Wären die Umstände nur etwas ungünstiger gewesen, so hätte das havarierte Schiff die Fahrrinne der Elbe blockieren oder auseinanderbrechen können. Im Extremfall wären große Schäden für die Umwelt durch ausgelaufenes Öl eingetreten und der Hafen wochenlang für die gesamte Schifffahrt blockiert gewesen. Es gelang aber, das Schiff aus dem weichen Elbsand freizubekommen, ohne zuvor die Ladung bergen zu müssen. Schäden am Schiff entstanden nicht.

Als Hauptgefahr für die Zukunft sieht Malchow, dass es kein schnell verfügbares Bergungsgerät gibt, um ein derart großes Containerschiff im Strom zu entladen. „Dazu benötigte man einen Schwimmkran, der mindestens 60 Meter hoch heben kann bei einer Auslage von 15 Metern“, sagte Malchow. „Derartiges Gerät ist an der gesamten deutschen Küste nicht vorhanden.“ In Hamburg gebe es zwei Schwimmkräne, die notfalls auch Container umschlagen könnten, sagte der Experte. Ihr Baujahr ist 1941 und 1957 und für die Mega-Schiffe sind sie bei weitem nicht hoch genug. Sollte es bei der nächsten Havarie notwendig werden, das Schiff um Ladung zu leichtern, so müsste schweres Bergungsgerät langwierig aus dem Ausland herangeschafft werden. Bis das Gerät einsatzklar wäre, könnten Wochen vergehen.

Der gelernte Schifffahrtskaufmann und Schiffbauingenieur spricht sich dafür aus, eine so genannte „Port Feeder Barge“ so zu ertüchtigen, dass sie auch für den Einsatz als Bergungskran taugt. Eine „Port Feeder Barge“ ist ein selbstfahrender Ponton mit einem eigenen Kran.

Malchow verfolgt dieses Konzept für die interne Containerlogistik des Hamburger Hafens bereits seit mehr als zehn Jahren, doch ist es bislang noch nicht realisiert. Für die Ertüchtigung müsste ein größerer Kran auf dem Ponton installiert werden.

Malchow hält die Gefahr eines neuerlichen Unfalls für hoch: „Bereits im vergangenen Jahr waren jeden Tag durchschnittlich 3,5 dieser Schiffe auf der Unterelbe unterwegs, die sich auf zwei schmale Tidenfenster konzentrieren - Tendenz stark steigend.“

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 10:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen