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Hamburg

03. Dezember 2016 | 20:41 Uhr

Gastschulabkommen : Hamburger Eltern können ihre Kinder bald auch in SH zur Schule schicken

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ab 2017 können Hamburger Eltern ihre Kinder in SH beschulen lassen. Das soll nach der 4. und 10. Klasse möglich sein.

Hamburg | Ab 2017 wird es zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein de facto die freie Schulwahl geben. Das vorgestellte neue Gastschulabkommen sieht vor, dass Eltern ihre Kinder nach der vierten und nach der zehnten Klasse auf Schulen des jeweiligen Nachbarlandes anmelden können. Wechsel in anderen Stufen sollen die Ausnahme bleiben.

Die Neuregelung, die nicht für Grund- und Berufsschulen gilt, kommt Familien im Speckgürtel entgegen, da diese wesentlich häufiger ihre Kinder nach Hamburg zum Lernen schicken als umgekehrt. Weil die Hansestadt dies bisher nur begrenzt zuließ, sind viele Umlandkinder mit Scheinadressen in der Metropole gemeldet.

Die überraschende Freigabe sei Ausdruck eines „neuen, großzügigen Geistes“ im Verhältnis der beiden Bundesländer, sagten die Kieler Bildungsministerin Britta Ernst und ihr Hamburger Amtskollege Ties Rabe (beide SPD) gestern in Reinbek (Kreis Stormarn). „Die Landesgrenze verliert für Schüler ihre frühere Bedeutung.“ Rabe sprach von einem „Riesenschritt“, auch für Familien aus dem Umland, die ihre Kinder bisher „schwarz“ in Hamburg beschulen lassen.

Offiziell drücken derzeit etwa 4000 Jungen und Mädchen aus dem hohen Norden in der Hansestadt die Schulbank, zu je einem Drittel an allgemeinbildenden Schulen, an Berufsschulen sowie an Privatschulen freier Träger. In der Gegenrichtung gehen knapp 1000 Hamburger Kinder im Nachbarland zur Schule. Schleswig-Holstein zahlt dafür einen jährlichen Ausgleich, in diesem Jahr 13,3 Millionen Euro.

Dass die auswärtigen Kinder nun Hamburger Schulen überrennen werden, glaubt Senator Rabe nicht. „Ich denke, es werden nur ein wenig mehr kommen als bisher.“ Das Abkommen enthält eine Klausel, nach der Landeskinder bevorzugt behandelt werden können. Ist eine Schule besonders stark angewählt, hat das Bundesland das Recht, Schüler aus dem Nachbarland abzuweisen.

Das neue Gastschulabkommen soll ab Anfang 2017 unbefristet gelten. Die Länder wollen laut Britta Ernst 2019 überprüfen, wie sich die Schülerströme entwickelt haben und bei Bedarf nachjustieren. Das gilt nicht zuletzt für die Höhe der Ausgleichszahlungen. Nach Angaben der Ressortchefs wird Schleswig-Holstein seine Zahlungen bis dahin um je 100  000 Euro pro Jahr anheben, so dass 2019 ein Betrag von 13,6 Millionen Euro erreicht wird.

Britta Emmel, im Kreis Pinneberg Vorsitzende des Kreiselternbeirats für Gemeinschaftsschulen, zeigte sich erfreut. „Endlich gibt es keinen Grund für diese Pro-Forma-Umzüge mehr.“ In der Vergangenheit habe es immer wieder Schein-Scheidungen sowie Schein-Umzüge zu Verwandten gegeben, nur für eine Hamburger Adresse. „Es bestand immer auch das Risiko, von den Behörden entdeckt zu werden. Dieser Druck ist weg.“

Attraktiv sei ein Wechsel vor allem in die Oberstufe. „In Hamburg sind die Profile mitunter interessanter“, so Emmel. Sie sagt jedoch auch: „Hamburger Schulen gelten als leichter als die schleswig-holsteinischen. Auch das ist ein Motiv zum Schulwechsel.“ Zugleich gebe es aber auch Umlandschulen mit sehr gutem Ruf, die Kinder aus der Hansestadt anlocken. Der Kreis äußerte sich gestern nicht. Noch liege keine Information aus dem Ministerium vor, sagte Schulrat Dirk Janssen.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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