zur Navigation springen

Hamburg

09. Dezember 2016 | 06:47 Uhr

Familienbehörde : Hamburg wirbt um homosexuelle Pflegeeltern

vom

In Hamburg werden dringend Pflegeeltern gesucht. Die Voraussetzungen: ein stabiles Umfeld und viel Zuwendung.

München/Hamburg | Die Hamburger Familienbehörde ermutigt homosexuelle Paare, sich als Pflegeeltern für Kinder zu bewerben, die gegenwärtig nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. „Hamburg ist bunt - das ist die gesellschaftliche Realität“, betonte Senatorin Melanie Leonhard (SPD) in einer Mitteilung am Mittwoch. „Kinder brauchen vor allem ein stabiles Umfeld, viel Zuwendung und zugewandte Erwachsene. Die Anforderungen an homosexuelle Pflegeeltern sind die gleichen wie an heterosexuelle.“

Auch Stefan Mielchen, Vorsitzender des Vereins Hamburg Pride, bekräftigte in der Mitteilung: „Lesben und Schwule müssen bei der Vermittlung von Pflegekindern gleich behandelt werden, denn sie können genau so gute Eltern sein wie heterosexuelle Menschen.“ In den letzten Jahren sei die Anzahl an Pflegefamilien immer weiter gesunken, teilte die Behörde mit. Während es im Jahr 2013 noch 1137 Pflegefamilien gab, liegt die Zahl jetzt nur noch bei 1036. Grund hierfür seien vor allem die strengeren Regeln, die seit 2012 gelten, sagte Behördensprecher Marcel Schweitzer. „Seit es einen Todesfall in einer Pflegefamilie gab, haben wir das gesamte Pflegekinderwesen neu aufgestellt.“

Das elfjährige Pflegekind Chantal war im Januar 2012 an einer Vergiftung durch die Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben, die in der Wohnung ihrer Pflegeeltern lag. Seit dem Vorfall müssen mögliche Pflegeeltern nun auch ein Gesundheitszeugnis samt Drogentest sowie ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Weitere Voraussetzungen für die Aufnahme eines Pflegekindes sind neben ausreichendem Wohnraum auch ein gutes, soziales Umfeld und zeitliche Ressourcen. Außerdem ist die Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen verpflichtend. „Die strengeren Auflagen schrecken viele potenzielle Pflegeeltern ab“, sagte Schweitzer. „Die Informationsveranstaltungen sind zwar immer relativ voll, aber zu einer Pflegschaft kommt es danach meistens nicht“.

Anlässlich der Pride Week, die dieses Jahr bis zum 7. August stattfindet, wirbt die Familienbehörde zusammen mit dem Verein Hamburg Pride, homosexuelle Paare als Pflegeeltern zu gewinnen.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2016 | 18:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen