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Hamburg

08. Dezember 2016 | 10:57 Uhr

„Bündnis für den Radverkehr“ : Hamburg steckt Millionen Euro in den Ausbau von Radwegen

vom

14 Velorouten sollen ausgebaut werden. Bis 2018 stehen dafür rund 33 Millionen Euro zur Verfügung.

Hamburg | Hamburg macht sich nun auch ganz offiziell auf den Weg zur Fahrradstadt. Der rot-grüne Senat hat gestern mit den sieben Bezirken ein „Bündnis für den Radverkehr“ geschlossen, das die Verdoppelung des Radanteils am Gesamtverkehr auf 25 Prozent zum Ziel hat. Die Bedeutung des Themas drückte sich nicht nur in einer ungewöhnlich üppigen personellen Besetzung des Pressetermins aus, sondern auch in der Bekleidung. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erschien ganz sportlich in Poloshirt und Jeans, als er den Pakt mit gleich drei Senatoren, Radkoordinatorin Kirsten Pfaue sowie den Leitern aller Bezirksämter besiegelte. 

Radfahren sei „gesund, klimafreundlich und praktisch und passt in den Lebensalltag einer modernen Metropole“, befand der Bürgermeister. Die Stadt wolle diesem Trend zum Fahrrad „weiter den Weg ebnen“, dabei das Radwegenetz ausbauen und es „intelligent“ mit der gesamten Verkehrsplanung verbinden. Bevormundungen der Verkehrsteilnehmer in jedweder Form erteilte der Senatschef freilich eine Absage.

Konkret sieht das Radbündnis vor, die 14 geplanten Velorouten bis 2020 fertigzustellen. Die in den 1990ern geplanten Achsen mit einer Gesamtlänge von 280 Kilometern sollen dafür sorgen, dass Radler auf intakten und durchgängigen Radwegen vom Stadtrand in die Innenstadt gelangen. Das Programm umfasst zudem den Ausbau von Bezirksrouten sowie diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. In jedem Bezirk soll es eine Zählstation geben, um die Menge der radfahrenden Hamburger zu erfassen. Weitere Verbesserungen: Radparkhäuser an U- und S-Bahnhöfen (Bike and Ride), Schneeräumung auf Radwegen und mehr Stadtrad-Leihstationen. 

Radkoordinatorin Pfaue versicherte Kritikern, vom Bündnis würden auch andere Verkehrsteilnehmer profitieren. „Fußgänger bekommen mehr Platz auf den Gehwegen, auch der Verkehrsfluss auf den Straßen verbessert sich.“ Eine gute Radinfrastruktur sei zudem ein Pluspunkt der Stadt „im Wettbewerb um Fachkräfte und die Ansiedlung von Unternehmen“.

Die Wirtschaft betrachtet die Radoffensive gleichwohl mit Misstrauen. Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz kritisierte, dass Unternehmen am Bündnis nicht beteiligt sind und warnte vor Einschränkungen des Autoverkehrs. „Die Mehrheit der Wirtschaft ist zum Beispiel der Auffassung, Fahrradwege gehörten im Falle von Hauptstraßen auf das Hochbord und nicht auf die Fahrbahn.“ 

Auch die Opposition ließ kein gutes Haar am Pakt für Pedalritter. CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering verspottete das Bündnis als „Selbstfindungsgruppe für Verwaltungsmitarbeiter“, externer Sachverstand bleibe außen vor.

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erstellt am 23.Jun.2016 | 13:45 Uhr

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