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Hamburg

29. August 2016 | 10:51 Uhr

Übergriffe auf Frauen an Silvester : Hamburg: Polizei ermittelt gegen acht Männer

vom

Allen Verdächtigen können konkrete Taten zugeordnet werden. Sie sind auf freiem Fuß. Unterdessen stieg die Zahl der Anzeigen auf 195.

Hamburg | Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Hamburg hat die Polizei erste namentlich bekannte Personen im Verdacht. „Wir ermitteln gegen acht Tatverdächtige, denen wir konkrete Tathandlungen zuordnen können“, sagte der stellvertretende Chef des Landeskriminalamtes, Frank-Martin Heise, am Donnerstagabend im Innenausschuss der Bürgerschaft. Bei allen Verdächtigen handele es sich um Männer mit Migrationshintergrund. Heise: „Darunter sind sowohl Personen, die in städtischen Flüchtlingsunterkünften leben, als auch Personen, die sich schon länger in Deutschland aufhalten.“ Gegen keinen der Verdächtigen bestehe bisher ein Haftbefehl.

An Silvester und Neujahr hatten vor allem auf St. Pauli Gruppen junger Männer feiernde Frauen massiv sexuell belästigt und genötigt und ihnen dabei zum Teil auch Handys und Portemonnaies geraubt. Nun verkündet die Polizei in Hamburg erstmals einen Ermittlungserfolg.

Der Innenausschuss hatte die Polizeispitze sowie Innensenator Michael Neumann (SPD) vorgeladen, um sich über die aktuellen Erkenntnisse der beispiellosen Massenübergriffe informieren zu lassen. Nach Angaben des LKA-Vize ist die Opferzahl nochmals deutlich angestiegen. Der Polizei lägen inzwischen 195 Strafanzeigen wegen sexueller Delikte vor, hinter denen sich 306 Geschädigte verbergen, so Heise. Der Großteil der Übergriffe habe sich in der Silvesternacht rund um die Reeperbahn (St. Pauli) zugetragen, dortiger Schwerpunkt sei der Bereich Beatlesplatz/Große Freiheit gewesen. Ein kleinerer Teil der Anzeigen beziehe sich auf Attacken am Jungfernstieg. Die meisten Opfer beschrieben das Aussehen der Täter als  „südländisch oder oder nordafrikanisch“. Ermittelt wird laut Heise zudem gegen „18 bis 20 weitere Personen“, die auf Fotos der Tatnacht in verdächtiger Weise aufgefallen sind. Ihnen seien bislang aber keine Taten direkt zuzuordnen.

Laut Polizeieinsatzleiterin Cornelia Schröder habe vor der Silvesternacht nichts auf die Häufung derartiger Straftaten hingedeutet. Auf die Frage, warum die vier an der Großen Freiheit eingesetzten Hundertschaften nichts von den Taten bemerkt haben wollen, entgegnete die Chefin der Davidwache: „Es war ein derartiges Gedränge, dass die Kollegen von den Vorfällen wegen fehlender Sicht nichts erkennen konnten.“

Polizeipräsident Ralf Meyer wies Aussagen von Kiez-Türstehern als „absurd“ zurück, Sexattacken von Flüchtlingen seien schon seit Oktober auf St. Pauli ein großes Problem. Bei der Davidwache habe dies vor Silvester jedenfalls niemand gemeldet.

Innensenator Neumann warnte angesichts der Herkunft der nun ermittelten Verdächtigen vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Zugleich forderte der Sozialdemokrat aber schnellere Strafverfahren, „damit die Strafe auf dem Fuße folgt“. Die Stadt prüfe im Falle verdächtiger Flüchtlinge stets auch alle ausländerrechtlichen Möglichkeiten - also die Abschiebung. Neumann: „Der Rechtsstaat muss zeigen, dass er handlungswillig und handlungsfähig ist.“

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erstellt am 14.Jan.2016 | 18:47 Uhr

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