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Hamburg

04. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Parken : Hamburg macht Jagd auf Parksünder

vom

Einen Parkplatz in Hamburg zu finden, ist nicht leicht. Die Opposition kritisiert, die Parkplatznot werde verschärft.

Hamburg | Wer in Hamburg falsch oder ohne gültiges Ticket parkt, kann kaum noch auf die Gnade der Polizei und Behörden hoffen. Hamburg macht Jagd auf Parksünder. Das belegen Zahlen, die der Senat auf eine schriftliche Kleine Anfrage des CDU-Verkehrsexperten Dennis Thering genannt hat.

Demzufolge wurden in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 9168 Autos abgeschleppt, im gesamten Jahr 2015 waren es dagegen nur 16.941 Autos. Finanziell lohnt sich das für die Stadt: Mit der Abschlepperei nahm Hamburg im ersten Halbjahr 2016 insgesamt 2,5 Millionen Euro ein; davon 1,2 Millionen für „Sicherstellungen“ im so genannten Auto-Knast und 1,3 Millionen für „Umsetzungen“ auf andere Parkplätze.

Auch die Parksünder, die kein gültiges Ticket haben, werden stärker zur Kasse gebeten: Die Einnahmen durch Verwarn- und Bußgelder liegen in den ersten sechs Monaten bereits bei 10,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2015 wurden insgesamt 17,3 Millionen Euro eingenommen. Grund für die Anstiege sind verstärkte Kontrollen: Die Stadt setzt inzwischen 60 Knöllchen-Verteiler ein, bis zum Ende des Jahres soll sogar auf 80 Mitarbeiter aufgestockt werden. 2014 hatte das Parkraummanagement lediglich 20 Angestellte.

Für den CDU-Verkehrsexperten ist das die „reinste Abzocke“. SPD und Grüne verschärften ganz bewusst die Parkplatznot. Seit 2011 seien mehr als 1500 Parkplätze vernichtet worden, obwohl im gleichen Zeitraum die Zahl der in Hamburg gemeldeten Autos stark zugenommen habe. Mit den zusätzlichen Parkverboten habe sich Rot-Grün eine Goldgrube geschaffen. „Leidtragende sind die Hamburger Autofahrer, die stundenlang keinen Parkplatz finden“, so Thering. „Eigentlich soll das Abschleppen ausschließlich der Herstellung von Sicherheit und Ordnung dienen. Inzwischen ist es für den Senat vor allem zu einem einträglichen Geschäftsmodell geworden.“

Von einer „inakzeptablen Abschleppwut“ spricht auch FDP-Verkehrsexperte Wieland Schinnenburg. Anders die Grünen: Sie begrüßen die schärferen Kontrollen. Dass illegales Parken und Parken in der zweiten Reihe strenger verfolgt werden soll, sei im Koalitionsvertrag vereinbart worden. Falschparken sei alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Kommentar: Es tut weh, aber es ist richtig

Gemach, gemach. Wer jetzt einstimmen möchte in die Kritik von der Abschlepp-Zocke sollte bedenken: Für alle Verkehrsteilnehmer gelten Regeln, die von allen beachtet werden sollen. Denn so nervenaufreibend es auch ist, keinen Parkplatz zu finden: Die Stadt und die Straßen gehören nicht den Autofahrern allein. Zum Beispiel die Parker in der zweiten Reihe: Für Autofahrer ist es schon hinderlich, die parkenden Fahrzeuge in einem Slalom und unter Berücksichtigung des Gegenverkehrs umfahren zu müssen. Aber was sollen erst die Radfahrer sagen, wenn ihr Fahrradstreifen mal wieder zugeparkt wurde? Zu oft verhalten sich Autofahrer in Hamburg rücksichtslos, insbesondere gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern, die zusehen müssen, dass sie nicht unter die Räder kommen. Deshalb ist es richtig, ein Umdenken durch verschärfte Kontrollen zu erzwingen. Auch wenn es weh tut und − kostet.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 17:42 Uhr

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