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Hamburg

30. September 2016 | 10:19 Uhr

Nach Übergriffen an Silvester : Hamburg: Erster Tatverdächtiger in Haft - 218 Anzeigen

vom
Aus der Onlineredaktion

Der erste Tatverdächtige der Übergriffe ist gefasst. Ein weiterer wurde freigelassen. Die Zahl der Strafanzeigen ist derweil erneut gestiegen.

Hamburg | Ein wegen sexueller Nötigung festgenommener, aber wieder freigelassener Afghane gilt für die Hamburger Ermittler weiterhin als Tatverdächtiger. Bei dem Termin vor dem Haftrichter habe die Zeugenaussage einer Frau aus Schleswig-Holstein nicht ausgereicht, einen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten zu begründen und ihn eindeutig zu identifizieren, erläuterte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, am Freitag.

Die Übergriffe auf Frauen an Silvester in Hamburg und Köln haben die Diskussion über Asylsuchende in Deutschland neu angefacht. Zeugen hatten die Täter als Ausländer beschrieben. Außerdem wurde die Polizei in Köln scharf kritisiert.

Der 24-Jährige war am Mittwoch nach der Vernehmung eines ebenfalls festgenommenen 29-jährigen Afghanen in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtteil Barmbek gefasst worden. Gegen den Älteren hatte das Amtsgericht am Donnerstag einen Haftbefehl erlassen. Er war in Stellingen festgenommen worden. Die Ermittler werfen den beiden Männern vor, mehrere Frauen in der Silvesternacht gemeinschaftlich sexuell genötigt zu haben.

Opfer hätten beide auf einer Übersichtsaufnahme aus der Großen Freiheit, einer Nebenstraße der Reeperbahn, wiedererkannt, hieß es. Beamte der Sonder-Ermittlungsgruppe „Silvester“ vollstreckten daraufhin einen Durchsuchungsbeschluss für den Wohnbereich des Mannes. Die Ermittler hätten dabei Beweismittel sichergestellt. Die beiden Festgenommenen wurden den Angaben zufolge erkennungsdienstlich behandelt, ihnen sei rechtliches Gehör angeboten worden.

Wegen der Übergriffe in der Silvesternacht gingen bei der Hamburger Polizei bis zum Donnerstag 218 Strafanzeigen ein. 351 Frauen seien Opfer dieser Taten geworden. Am Freitag vergangener Woche war die Zahl der Anzeigen noch mit 195 und die der geschädigten Frauen mit 306 angegeben worden.

Justizsenator Till Steffen will sich nun für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts stark machen. „Wir werden eine entsprechende Initiative im Bundesrat starten“, kündigte der Grünen-Politiker in einer Aktuellen Stunde der Bürgerschaft an. Hamburgs neuer Innensenator Andy Grote (SPD) versprach in seiner ersten Rede vor dem Parlament, die Polizei werde alles in ihrer Macht tun, damit sich jede Frau überall in der Stadt - vor allem auf St. Pauli - frei und ohne Angst bewegen könne.

Nach dem von SPD und Grünen vorgelegten Antrag zur Verschärfung des Sexualstrafrechts soll Deutschland die sogenannte Istanbuler Konvention ratifizieren, vollständig umsetzen und den Grundsatz „Nein heißt Nein“ im Gesetz verankern. Die von Deutschland bereits 2011 unterzeichnete und 2014 in Kraft getretene „Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt“ des Europarats verpflichtet dazu, „jede nicht einverständliche sexuell bestimmte Handlung mit einer anderen Person unter Strafe zu stellen“. Dabei solle die Strafbarkeit auch solche Handlungen umfassen, bei denen die Opfer keinen Widerstand leisten.

Die festgenommenen Afghanen gehörten zu acht Tatverdächtigen, die die Polizei bislang ermittelt hat. Alle dieser acht Personen hätten einen Migrationshintergrund, hatte der stellvertretenden Leiter des Landeskriminalamts, Frank-Martin Heise, am Freitag vergangener Woche im Innenausschuss der Bürgerschaft erklärt. Sie seien zum Teil Flüchtlinge, die in Unterkünften der Stadt lebten, als auch Menschen, die schon seit mehreren Jahren in Hamburg wohnen. Ermittelt werde ferner gegen 18 bis 20 Personen, denen aber noch keine konkreten Taten auf St. Pauli oder am Jungfernstieg zugeordnet werden könnten.

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erstellt am 22.Jan.2016 | 14:00 Uhr

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