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Hamburg

06. Dezember 2016 | 13:18 Uhr

Virtual Reality in der Luftfahrt : Hamburg - Das „Silicon Valley“ der Luftfahrt

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg-Finkenwerder forscht auf höchstem Niveau.

Hamburg | Der halbfertige Flugzeugrumpf des Airbus 320 neigt sich scheinbar schwerelos von rechts nach links. Das Metallgerüst ist zum Greifen nah, doch die Hand tastet ins Leere. Das menschliche Auge ist auf einen von Computern erzeugten Trug hereingefallen, der schon längst nicht mehr nur die Spieleentwickler fasziniert.

„Virtual Reality hat großes Potenzial für die Luftfahrt“, sagt Roland Gerhards, Geschäftsführer des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) in Hamburg-Finkenwerder – unweit des Airbus-Geländes südlich der Elbe. Seit dem Frühjahr wird in dem futuristisch anmutenden Gebäude, dessen Fuhrpark bei Nacht mit blauen Bodenstrahlern einer Landebahn ähnelt, an neuen Technologien, Materialien und Prozessen für die Luftfahrt geforscht.

„Es geht uns nicht um den Show-Effekt“

Die Virtual Reality (VR)-Erfahrung ist in einem fensterlosen Raum mit Kinosaal-Atmosphäre möglich: dem VR Lab – sozusagen eine digitale Werkstatt. 20 Träger von 3D-Brillen können hier gleichzeitig in virtuelle Welten eintauchen. Das Konstruieren und Auseinanderbauen neuer Bauteile oder auch die Umstellung ganzer Produktionsabläufe ist dabei demjenigen vorbehalten, der den „Flystick“ in Händen hält: eine Art Steuerhebel mit Infrarot-Reflektoren.

„Es geht uns nicht um den Show-Effekt“, betont Gerhards. Die Forschungserfolge stünden im Vordergrund. Für Airbus-Sprecher Florian Seidel besteht „der besondere Charme“ des Labs darin, dass es nicht nur Airbus zur Verfügung stehe. Zwar gebe es auch im Hamburger Werk des Flugzeugbauers einen VR-Raum, doch im Forschungszentrum käme man einfacher mit Partnern zusammen.

Wenn es nach ZAL-Geschäftsführer Gerhards geht, soll hinter der gläsernen Fassade ein „Silicon Valley der Luftfahrt“ entstehen. Vom amerikanischen Vorbild habe man sich schon in der Planungsphase inspirieren lassen. So zum Beispiel im „Greenhouse“: Mit anregendem Grün auf Teppich und Tapete, dekorativen Libellenbildern und Stühlen in Blattoptik soll der Kreativraum zur Schmiede neuer Ideen werden.

Zwei Startups bringen zusätzliches „Silicon Valley-Flair“

Ein bisschen „Silicon Valley-Flair“ dürften auch die beiden ersten Startups mitbringen, die demnächst ins TechCenter einziehen werden. Eines der beiden Jungunternehmen ist die Synergeticon GmbH. Die Gründer Daniel Erdelmeier und David Küstner entwickeln ein Assistenzsystem für Werksarbeiter, das den Informationsaustausch mit Maschinen vereinfacht – Stichwort „Industrie 4.0“.

Ab Januar wollen die Gründer ihr derzeitiges Kooperationsprojekt mit Lufthansa Technik im ZAL fortführen. Aktuell seien 22 Mieter im Gebäude. Gerhards lobt die hiesige Gründerszene, die deutlich näher an der Industrie als die Pendants aus Berlin sei. Gleichzeitig, so gibt der Geschäftsführer zu, seien die Räumlichkeiten gerade für junge Unternehmen kostspielig. Mietverträge laufen mindestens drei Jahre, was nicht unbedingt der unter Startups üblichen flexiblen Bürokultur entspricht.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 14:54 Uhr

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