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Hamburg

04. Dezember 2016 | 15:23 Uhr

Vogelgrippe in Hamburger Zoo : Hagenbecks Tierpark bleibt geschlossen – keiner weiß wie lange

vom

Die Vogelgrippe macht auch vor Zoos nicht Halt. Am Donnerstag sollen erste Ergebnisse über weitere Ansteckungen bei Hagenbeck vorliegen. Dann wird entschieden, ob und wie lange der Tierpark geschlossen bleibt.

Hamburg | Nach den ersten Fällen von Vogelgrippe im Hamburger Tierpark Hagenbeck laufen derzeit die Untersuchungen über mögliche Neuinfektionen. Wie lange der Tierpark geschlossen bleibt, dazu kann laut dem Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt, noch keine Auskunft gegeben werden. Es hänge von den Ergebnissen der Untersuchen ab, sagte Schmidt am Mittwochvormittag. Diese seien frühestens am Nachmittag zu erwarten. Das Tropen-Aquarium hat wie gewohnt geöffnet.

Derzeit wird der Vogelbestand des Tierparks von der Amtstierärztin auf weitere Infektionen untersucht. Dabei gehe es in erster Linie um die Umgebungstiere, die mit den Gänsen in Kontakt gekommen sein könnten, sagt Hagenbeck-Sprecherin Eveline Düstersiek. Nun gehe es darum, möglichst schnell zu Ergebnissen zu kommen.

Welche Konsequenzen für den Tierpark konkret entstehen könnten, darüber herrscht auch bei Hagenbeck Unklarheit. Die Geflügelpest-Verordnung sieht für zoologische Gärten Sonderregelungen vor, um Beispielsweise seltene Arten von einer prophylaktischen Keulung zu bewahren. In Absatz 3 des § 21 der Verordnung heißt es:

„Abweichend von Absatz 1 (Dieser sieht einen Radius von mindestens drei Kilometern als Sperrgebiet für bis zu 21 Tage nach letztem Geflügelpest-Nachweis, die Red.) kann die zuständige Behörde auf der Grundlage einer von ihr durchgeführten Risikobewertung von der Einrichtung eines Sperrbezirks absehen, soweit
1.  Geflügelpest bei einem gehaltenen Vogel in einem zoologischen Garten oder einer ähnlichen Einrichtung, einem Zirkus, einem Zoofachgeschäft, eine Haltung, in der in Gefangenschaft gehaltene Vögel anderer Arten, Vögel zur Arterhaltung oder zur Erhaltung seltener Rassen nach Anlage 1 oder Vögel zu anderen als zu Erwerbszwecken gehalten werden, oder einer wissenschaftlichen Einrichtung amtlich festgestellt worden ist und
2.  Belange der Tierseuchenbekämpfung nicht entgegenstehen.“

Ob nach den Funden Sperrgebiete ausgeweitet oder neu eingerichtet werden müssten, hängt demnach von den Ergebnissen und letztlich von der Risikobewertung durch die Gesundheitsbehörde ab, die sich am Mittwochvormittag zu keinen Eventualitäten oder bereits verfassten Plänen äußern wollte.

Derzeit bereitet der Zoo die Keulung von 20 Gänsen vor. „Das ist nötig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, sagte der Veterinär des Tierparks, Michael Flügger, am Dienstag. Zuvor hatten Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts bei drei am Montag tot aufgefundenen Gänsen des Tierparks das hochansteckende Vogelgrippe-Virus H5N8 nachgewiesen.

„In der Nachbarschaft gibt es keine gewerblichen Vogelzüchter, nur etwa 30 kleinere Haltungen“, hieß es bei der Gesundheitsbehörde. Auch wie das Virus in den Tierpark gelangt sei, müsse untersucht werden. Neben einer Ansteckung durch Wildvögel sei auch eine Ansteckung durch Futtermittel oder die Ein- und Ausfuhr von Tieren möglich. „Wir prüfen alle Möglichkeiten“, sagte Flügger.

Der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt (l), und Michael Flügger, Veterinär des Tierparks Hagenbeck, sprechen mit Medienvertretern.
Der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt (l), und Michael Flügger, Veterinär des Tierparks Hagenbeck, sprechen mit Medienvertretern. Foto: Bodo Marks

Bisher wurde in Hamburg bei sechs toten Vögeln Geflügelpest festgestellt. Die letzten bestätigten Fälle meldete die Gesundheitsbehörde am Freitag. Fundort war bisher immer Rothenburgsort im Osten der Stadt. Der bestehende Sperrbezirk rund um Rothenburgsort und die Festsetzung des gesamten Stadtgebietes als Beobachtungsgebiet bleiben bis auf Weiteres unverändert bestehen, teilte die Behörde mit. Weiterhin gilt auch, dass Hunde und Katzen im gesamten Stadtgebiet nicht frei herumlaufen dürfen, damit sie nicht mit Kadavern toter Wildvögel in Kontakt kommen und den Erreger weiterverbreiten.

Auch in Schleswig-Holsteins Tierparks wurden bereits Sicherheitsvorkehrungen ergriffen. Konkrete Vogelgrippe-Fälle gab es aber bislang nicht.

Im Tierpark Neumünster beinhalten die Vorsichtsmaßnahmen vor allem die Desinfektion von Schuhen, Kinderwagen und Bollerwagen der Besucher. Der Park stellt Desinfektionsmittel zur Verfügung, mit denen auch die Reifen der Wagen besprüht werden müssen. Auch die Mitarbeiter sind von den Maßnahmen betroffen. Sie dürfen die Vogelbereiche nur mit Schutzbekleidung betreten.

Zusätzlich wurden fast alle Vögel in überdachten Gehegen untergebracht. Ausgenommen davon sind die Humboldt–Pinguine und der See- sowie Steinadler. „Unsere Vögel haben auch hinter den Kulissen ausreichend Platz zur Verfügung“, betont Zoologische Leiterin Verena Kaspari.

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erstellt am 30.Nov.2016 | 10:43 Uhr

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