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Hamburg

10. Dezember 2016 | 04:06 Uhr

Schwere Umweltbelastung : Giftschlick aus Tschechien bedroht Hamburger Hafen

vom

Auf Norddeutschland kommt eine schwere Umweltbelastung zu, die vor allem den Verantwortlichen im Hamburger Hafen Sorgen bereitet.

Hamburg | Aus Tschechien transportiert die Elbe derzeit große Mengen der krebserregenden Chemikalie PCB flussabwärts. Der Stoff war vor anderthalb Jahre bei der Sanierung einer Eisenbahnbrücke in den Fluss gelangt. „Es handelt sich um eine der größten Umwelthavarien der vergangenen Jahre“, sagt Jan Dube, Sprecher der Hamburger Umweltbehörde.

In einem Brief an die tschechische Regierung schreibt Bürgermeister Olaf Scholz von „Gefahr im Verzug“ und bietet finanzielle sowie fachliche Hilfe bei der Beseitigung des noch nicht ausgeschwemmten Giftes an, bevor dieses sich über den gesamten Flussverlauf ausbreitet. Erreicht die PCB-Fracht die Hansestadt, kann dies im schlimmsten Fall den Betrieb des größten deutschen Hafens zum Erliegen bringen.

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind seit 2001 weltweit verboten. Der Stoff führt nicht unmittelbar zu Vergiftungen, reichert sich aber im Körper von Lebewesen an und wirkt wie eine Zeitbombe. Als Arbeiter im Frühjahr 2015 von einer Brücke nahe Ústí nad Labem in Böhmen alte Lacke abschleiften, gerieten geschätzt 100 Kilogramm PCB in den Strom. Drei Wochen später schnellten in sächsischen Elborten die Werte auf alarmierende Höhen. Dennoch haben die tschechischen Behörden den verbliebenen Mengen PCB-Schlick bis heute nicht beseitigt.

Auch wenn Hamburg rund 500 Flusskilometer von Ústí nad Labem entfernt liegt, ist die PCB-Angst dort besonders groß. An der Bunthäuser Spitze im Osten der Hansestadt sind inzwischen erhöhte Werte gemessen worden, allerdings noch im Rahmen der Richtwerte. Noch. In den kommenden Monaten werden unweigerlich weitere verseuchte Sedimente elbabwärts transportiert und sich in den Hafenbecken ablagern. Steigt die PCB-Belastung im Hafenschlick über einen bestimmten Wert, darf dieser nicht mehr in der Nordsee vor Helgoland entsorgt werden.

Da eine vollständige Deponierung an Land technisch ausgeschlossen ist, droht ein Baggerverbot – mit womöglich dramatischen Auswirkungen. In einem Bericht von Umweltbehörde und Hafenbehörde HPA heißt es: „Als Folge wäre die sichere Erreichbarkeit des Hafens für Seeschiffe mindestens temporär gefährdet.“

Gefahr besteht auch für das Elbmündungsgebiet, wie der Bericht festhält. Ein Teil der PCB-Fracht werde „unvermeidbar bis in das Ökosystem Wattenmeer gelangen“. Es sei abzusehen, „dass dieses Schadereignis gravierende ökologische Folgen im gesamten Flussverlauf haben wird, die über Jahre andauern werden“.

Nach dem Brief von Olaf Scholz gibt es zumindest ein wenig Hoffnung auf Schadensbegrenzung. Die tschechische Regierung hat mittlerweile angekündigt, das Hamburger Hilfsangebot zur Beseitigung des restlichen PCB prüfen zu wollen.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 19:23 Uhr

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