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Hamburg

09. Dezember 2016 | 06:47 Uhr

Biker-Treffen in Hamburg : „Gesundheitsschädlich“: Nabu misst den Lärm bei den Harley Days

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Nabu hört am kommenden Sonntag besonders gut hin, wenn die Zehntausende Harleys durch die Hansestadt lärmen.

Hamburg | Wenn Zehntausende röhrende Motorräder am kommenden Wochenende bei den 14. Harley Days durch Hamburg rattern, sorgt dies nicht nur für bunte Bilder – es wird laut. Der Klang der knatternden Motorengeräusche – für die Biker pure Glücksseligkeit – ist Außenstehenden und Anwohnern eine Last für Ohren und Organismus, die möglicherweise krank macht. Eine „völlig entbehrliche Verlärmung“ sei das, klagt der Umweltschutzverband Nabu. Er wird in diesem Jahr den Lärmfühler rausholen und die gemessenen Werte analysieren. Der Verband warnt im Vorweg vor Gehörschäden – vor allem bei Kindern.

„Leben und leben lassen“ heißt es oft als Antwort, wenn die Freiheit des Einen sich an des Anderen reibt. Doch neben Beeinträchtigungen der Lebensqualität spielen auch mögliche Gesundheitsschäden zunehmend ein Rolle bei der Bewertung von Groß-Events. Lärm stellt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach schlechter Luftqualität die zweitgrößte Gesundheitsbelastung der heutigen Zeit dar.


Lärm kann krank machen

In Deutschland leben Millionen Menschen in Gebieten, die zu laut sind. Viele Kommunen bemühen sich, mehr Ruhe zu schaffen. Straßen- und Schienenverkehr sind Berechnungen zufolge die größten Lärmverursacher in Deutschland, gefolgt vom Flugverkehr. Mindestens 10 Millionen Menschen leben in der Nähe von Straßen, deren Lärm Experten als starke Belästigung einstufen, wie aus Daten des Umweltbundesamtes (Uba) hervorgeht. Von zu lautem Schienenverkehr sind demnach mindestens 6 Millionen Menschen betroffen und von Fluglärm rund 800.000 Menschen. Krank machendem Lärm sind insgesamt etwa 4,8 Millionen Menschen ausgesetzt. Das Uba hat Daten aus Lärmkarten zusammengetragen, die für sehr stark befahrene Straßen, Haupteisenbahnstrecken, Großflughäfen und Ballungsräume erstellt werden müssen.

Befragt man die Menschen nach ihrem persönlichen Empfinden, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Eine Umfrage von Bundesumweltministerium und Uba von 2014 ergab ebenfalls, dass unter den Lärmquellen der Straßenverkehr die meisten Menschen stört. Es folgten jedoch laute Nachbarn sowie Industrie- und Gewerbelärm. Beides war in den genannten Uba-Lärmkarten nicht aufgeführt. Fluglärm und Schienenverkehrslärm kommen auf die Plätze vier und fünf, wobei beide als weniger störend empfunden wurden als noch 2012. Jeder zehnte Befragte fühlt sich demnach stark oder sehr stark von Lärm belästigt. Nur etwa jeden vierten stört Umgebungslärm überhaupt nicht.

Lärm kann Stress mitsamt lebensgefährlicher Folgeerkrankungen verursachen und zu Herz-Kreislauferkrankungen führen sowie das Risiko eines plötzlichen Herztodes bei Frauen deutlich erhöhen. Er beeinflusst die Herzfrequenz. Schwerhörigkeit ist in Deutschland die häufigste anerkannte Berufskrankheit: 2014 wurde bei 6650 Menschen eine Lärmschwerhörigkeit festgestellt. „Am stärksten betroffen sind Angestellte in der Metallindustrie und im Baubereich, die mit lauten Maschinen arbeiten“, sagt der Sprecher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Jörg Feldmann.

„Unter den Zehntausenden Motorradfahrern gibt es viel zu viele, die es darauf anlegen, an dem Harley-Days-Wochenende ordentlich viel Lärm zu produzieren. Vor allem Anwohner werden durch das ohrenbetäubende Gedröhne auf unzumutbare Weise belästigt und darüber hinaus ihre Gesundheit gefährdet [...] die große Mehrheit betroffener Hamburgerinnen und Hamburger empfindet diese lärmende Protzerei als gesundheitsschädliches Ärgernis", empört sich Alexander Porschke vom Nabu Hamburg. Während der Motorradparade am Sonntag soll ab 12.30 Uhr die Lärmbelastung gemessen werden, um das Ausmaß einer möglichen Gesundheitsgefährdung zu ermitteln.

Foto: dpa
 

„Vor allem das lärmempfindliche Gehör kleiner Kinder in unmittelbarer Nähe der Maschinen, bei denen oftmals absichtlich die Schalldämpfer entfernt werden, ist ohne Gehörschutz stark gefährdet “, warnt Malte Siegert, Leiter Umwelt beim Nabu Hamburg. Von der Polizei hieß es im vergangenen Jahr, es habe viele Lärmbeschwerden im Zusammenhang mit der Veranstaltung gegeben.

Höhepunkt des dreitägigen Treffens der Motorradfreunde, das an diesem Freitag beginnt, soll die Parade werden. Die 30 Kilometer lange Fahrt am Sonntag werde unter anderem von Ex-HSV-Star Horst Hrubesch angeführt, teilten die Veranstalter am Dienstag mit. Der diesjährige Konvoi startet auf dem Großmarktgelände, dem Zentrum der Harley Days. Auch über die Köhlbrandbrücke und zur Reeperbahn führt die Route. Im 40.000 Quadratmeter großen „Harley-Village“ am Großmarkt seien nicht nur mehr als 100 Händler vertreten, auch Auftritte von Bands auf der Open-Air-Bühne stünden auf dem Programm, hieß es. Eine weitere Biker- und Partymeile gebe es auf St. Pauli. Die 30 Kilometer lange Fahrt am Sonntag werde unter anderem von Ex-HSV-Star Horst Hrubesch angeführt, teilten die Veranstalter am Dienstag mit.

Mit dpa

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erstellt am 23.Jun.2016 | 12:14 Uhr

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