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Hamburg

11. Dezember 2016 | 11:02 Uhr

Kampnagel in Hamburg : Gedärme, Blut und laufende Hände: So ist Jakop Ahlboms „Horror“

vom

Es ist bizarr, blutig und brillant. Auf Kampnagel läuft noch bis zum Ende der Woche Jakop Ahlboms „Horror“.

Hamburg | „Dann kann ich heute Nacht doch bestimmt wieder nicht schlafen“, sagte im Publikum gerade noch eine Frau, da stand der Alptraum schon auf der Bühne: Gwen Langenberg. Ihre Seelen stehlenden Augen verheißen ebenso wie der Titel des Theaterstücks nichts Gutes. So ist es. Nach der ersten halben Stunde sieht der Zuschauer das erste Mal Blut. Nach einer Dreiviertelstunde den ersten Toten. Es wird mitnichten das letzte Mal sein. Es dauert nur weitere zwei Minuten.

Jakop Ahlboms „Horror“ ist verstörend, ekelerregend, anders, und irgendwie unterhaltsam. Dem schwedische Regisseur gelingt es auf sonderbare Weise, dass einem bei dem Anblick einer abgetrennten, laufenden Hand eher nach Lachen, als nach Schreien zu Mute ist. Alhlbom verwebt die für das Genre so typische Textur von Angst und Schrecken mit plumpem Witz. Gerade noch wird ein Mädchen mit einem Gürtel misshandelt, da setzt Gitta Lind ein: „Ich sage dir Adieu, es war wunderschön“. Auf dem blutigen Höhepunkt sagt eine Stimme: „We make people happy“. 

Das Haus ist verlassen, die Möbel mit weißen Laken abgehängt, es ist trostlos und traurig. Ein menschenleeres Haus wird nach vielen Jahren wieder betreten. Ein junges Mädchen (Silke Hundertmark) kehrt gemeinsam mit ihren Freunden in ihr früheres Elternhaus zurück. Draußen tobt eine stürmische Nacht, die zunächst dafür sorgt, dass sich das Heim sicher und geborgen anfühlt. Die Freunde räumen die Bettlaken ab, schieben die Sessel zum Tisch. Doch dann beginnen die ersten Bilder an der Wand lüstern zu wackeln, der Fernseher schaltet sich willkürlich ein, Stühle ziehen sich durch den Raum und eine Bierflasche gleitet über den Tisch. Hin mit der Wohlfühlatmosphäre. Jetzt wird es übel.

Es wird nicht gesprochen, doch ruhig ist es deshalb trotzdem nicht. Schrille Töne, sie zirpen und hämmern, klirren, dazu Würgegeräusche, Kinderweinen, viel Bass und Schlagzeug. Dieses Theaterstück ist ab 16 Jahren. Und das ist gut so. Jakop Ahlbom macht ebensowenig Halt vor Gedärmen, und deren Geräuschen, wie sie nach und nach aus einem Körper gezogen werden, wie vor wilden Zombie-Kämpfen mit viel roter, spritzender Farbe. Genreliebhaber von „House on Haunted Hill“, „Rosemary’s Baby“ bis zu „The Ring“ erleben das ein oder andere Bekannte, doch Genreneulinge sind deshalb nicht verloren. 

Jakop Ahlbom schafft eine grandiose Inszenierung voller surrealer Momente, die es so nur im Film zu sehen gibt. Das sind Spezialeffekte, die es auf der Theaterbühne so noch nicht gegeben hat. Zwischenzeitlich entsteht der Eindruck auf eine Leinwand zu schauen, und nicht auf ein Live-Theater, so gut sind die Kniffe und Aktionen. Personen verschwinden, Tote verschwinden, Szenen verschwinden, und zeugen von einem herausragenden Bühnenbild, mit dem sonst vor allem Musicalproduktion glänzen. „Horror“ vereint Theater, Pantomime, Tanz, Musik und die Welt der Illusionen, brillant ausgedacht und auf die Bühne gebracht.

„Horror“ war Ende 2013 in Haarlem (Niederlande) uraufgeführt worden und tourt nun nach der Premiere in Hamburg durch Deutschland. Noch bis Sonntag, 4. September auf Kampnagel, jeweils um 19.30 Uhr. Dann in München, Hannover, Berlin und erneut vom 5. bis 12. Januar 2017 in Hamburg. Tickets für 32,90 bis 45,90 Euro unter 040 / 47 11 06 33 oder www.horror-the-show.de.

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erstellt am 31.Aug.2016 | 13:07 Uhr

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