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Hamburg

27. September 2016 | 03:54 Uhr

Hamburg : Fußball-Verein sei zu laut - Teutonia 05 Ottensen wehrt sich mit Demo

vom
Aus der Onlineredaktion

Weniger Trainingszeit und weniger Spiele: Der Verein wehrte sich gegen die Beschränkungen mit einer Demo.

Hamburg | Wie wehrt man sich gegen den Vorwurf, die Nachbarschaft mit zu viel Lärm zu belästigen? Zum Beispiel mit einer lautstarken Demonstration. Mehrere hundert Mitglieder und Anhänger des Hamburger Fußballvereins Teutonia 05 Ottensen haben am Freitag im Stadtteil mit einer „Lärmschutzdemo“ auf die prekäre Situation des Clubs aufmerksam gemacht.

Es ist wichtig, dass besonders Kinder sich viel bewegen. Mit Auflagen wie der in Hamburg hält man sie davon ab - umso wichtiger ist es, dass schnell eine Lösung gefunden wird.

Der Verein wolle mit der Demonstration andere Nutzungs- und Spielzeiten erreichen, sagte der Vereinsvorsitzende Diddo Ramm. Der Demonstrationszug unter dem Motto „Uner-Hört - Fußball braucht keinen Lärmschutz“, bei der nach Veranstalterangaben rund 1000 Menschen mitmachten, wurde mehrmals angehalten, um auf der Straße Fußball zu spielen.

Nach der Beschwerde einer Anwohnerin über den Krach vom Teutonia-Fußballplatz an der Holstentwiete hatte der Bezirk Altona erhebliche Beschränkungen des Trainings- und Spielbetriebs verhängt. Praktisch heißt das: täglich eine Stunde weniger Trainingszeit, sonntags sind nur zwei statt bisher fünf Spiele auf dem einzigen Platz der 05er. Von den betroffenen 600 Mitgliedern sind 450 Kinder und Jugendliche.

Unter diesen Umständen müssten bis zu zwölf der 38 Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet werden, fürchtet der Club. Teutonias Schiedsrichter-Obmann Frederik Mühle sagt: „Die Eltern wollen, dass ihre Kinder Bewegung und Spaß haben. Aber derzeit ist unklar, in welchem Umfang das bei uns noch möglich ist.“

Der Auslöser des Fußballverbots klingt nach Posse. Jahrzehntelang hatten Teutonias Fußballer an der Holstentwiete unbehelligt auf einem Grandplatz gekickt, dann spendierten Sponsoren einen Kunstrasen an derselben Stelle. Doch mit der Modernisierung sei der „Bonus für Altanlagen“ weggefallen, heißt es beim Bezirksamt. Neuerdings müsse die Geräuschkulisse des Platzes deshalb um fünf Dezibel geringer ausfallen als bisher; das entspricht annähernd einer Halbierung der Schallbelastung. Nach der Klageandrohung der Anwohnerin habe die Verwaltung gar keine andere Wahl, als die Zahl der Veranstaltungen zu begrenzen.

So sehr die Teutonia-Verantwortlichen sich über die Änderung der Vorschriften trotz Beibehaltung des Standorts wundern, so sehr ärgern sie sich über die Beschwerdeführerin. Ansonsten gebe es keine Probleme mit Nachbarn in dem dichtbebauten Gebiet.

Bei der Lärmdemo hatten die Teutonier auch Fußbälle dabei. „Wir müssen wieder auf der Straße spielen“, erklärten die Teilnehmer sarkastisch. Sie appellierten an die Gesellschaft, den Wert des Vereinssports über die Einzelinteressen von Bürgern zu stellen. Bund und Stadt sollten die betreffenden Gesetze und Verordnungen so verändern, dass öffentlicher Sport auch in der Stadt möglich bleibe.

Der Bezirk bezeichnete die Einschränkungen als vorübergehend. Noch würden Gutachten zur tatsächlichen Lärmbelastung des Teutonia-Platzes ausgewertet.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 18:34 Uhr

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