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Hamburg

27. März 2017 | 01:00 Uhr

DEL-Lizenz : Frist läuft ab - Freezers-Kapitän Christoph Schubert sammelt fast eine Million Euro

vom

Heute entscheidet sich die Zukunft der Hamburg Freezers. Der Club versucht verzweifelt, Geld aufzutreiben.

Hamburg | Es wird ernst für die Hamburg Freezers. An diesem Dienstag um 24 Uhr läuft die First für die Beantragung einer Lizenz bei der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für die Saison 2016/17 ab. Einen Aufschub soll es nicht geben. Bis dahin versucht der Club verzweifelt, so viel Geld wie möglich zu sammeln - und so den Eigner aus den USA, die Anschutz Entertainment Group (AEG), zu überzeugen. Freezers-Kapitän Christoph Schubert schrieb auf Facebook, knapp eine Million Euro sei zusammen gekommen - in persönlichen Sammlungen und einer Crowdfunding-Kampagne.

Es geht nicht nur um einen Eishockey-Club - es geht um die Sportstadt Hamburg. Nach dem bitteren Aus für die Olympia-Bewerbung 2024, der Insolvenz der HSV-Handballer und dem freiwilligen Abstieg der VTA-Volleyballerinnen droht auch der Verlust der hochklassigen Profirad-Veranstaltung Cyclassics. In der Hansestadt würden dann nur noch der HSV und der FC St. Pauli höherklassigen Sport bieten.

Die Ausgangslage

Freezers-Besitzer AEG aus den USA hatte vor wenigen Tagen verkündet, aus Kostengründen keine Lizenz für die nächste Saison zu beantragen. Das jährliche Defizit soll bei zwei bis 2,5 Millionen Euro liegen, heißt es. AEG wolle sich aus wirtschaftlichen Gründen in der DEL künftig allein auf den weit erfolgreicheren Rekordmeister Eisbären Berlin zu konzentrieren. Dabei ist der Zuschauerschnitt mit 9022 Fans pro Spiel beachtlich. Zuletzt hatten sich die Freezers jedoch nicht einmal für die Pre-Playoffs qualifizieren können. „Seit 2011 ist unser Ziel, uns auf ein Team zu beschränken“, sagte Tom Miserendino, der Präsident von AEG Europe.

Crowdfunding-Kampagne

Vor einer Woche hat Freezers-Kapitän Christoph Schubert die Crowdfunding-Kampagne „Rettet die Hamburg Freezers“ ins Leben gerufen, über die er Geld sammelt. Ziel sei es, den Fehlbetrag von rund 2,5 Millionen Euro auszugleichen, berichtet das „Hamburger Abendblatt“. Der 34-jährige Schubert versucht also, viel Geld zusammen zu bekommen. Dazu gehörte Klinken putzen bei Milliardär Klaus-Michel Kühne - und auf dem Kiez bei Olivia Jones.

 

Das Miniaturwunderland spendetet nach eigenen Angaben 10.000 Euro, der dänische Sportartikelhersteller Hummel, der die Freezers ausrüstet „eine fünfstellige Summe“.

Der Spenden-Ansturm zur Rettung der Hamburg Freezers hat die Crowdfunding-Plattform fairplaid.org zeitweise in die Knie gezwungen. Der Server sei zwar nicht abgestürzt, aber es habe lange Ladezeiten gegeben, sagte Firmensprecher Philip Gräter. Auf der Webseite öffnet sich am Dienstagvormittag ein Hinweis: „Es ist unglaublich, was Ihr gemeinsam leistet! Wir sind absolut begeistert. Durch den riesigen Ansturm auf die Seite kann es jedoch zu langen Ladezeiten kommen. Wir bitten um etwas Geduld.“ Bei der Kampagne kamen bis Dienstagnachmittag rund 360.000 Euro zusammen.

Solch eine Spendenbereitschaft habe es in der vierjährigen Firmengeschichte noch nicht gegeben, sagte Gräter. „Das war eine neue Sphäre für uns.“

Mysteriöse Investoren

Womöglich kommt sogar der große Befreiungsschlag. Zwei mögliche Investoren aus dem europäischen Ausland und Dubai hätten Interesse geäußert, die Freezers langfristig zu übernehmen, zitiert das „Hamburger Abendblatt“ Ex-Freezers-Pressechef Christoph Wulf. Voraussetzung dafür sei die kurzfristige Rettung.

Für den Hamburger Ökonomen Henning Vöpel sind die Rettungsaktion und der Zuspruch der Freezers-Fanein Pfund für potenzielle Investoren. „Der Verein schafft offenkundig Identität in Hamburg. Daher ist die Chance groß, sich als 'Retter' verkaufen zu können, der sich dann um die Sportstadt und den Standort Hamburg verdient gemacht hat“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der Deutschen Presse-Agentur. Ein Engagement würde die Reputation des Investors beziehungsweise - im Fall eines Unternehmens - dessen Marken erhöhen.

Mahnwache

Etwa 60 Anhänger der Hamburg Freezers haben sich am Dienstagvormittag zu einer Mahnwache an der Geschäftsstelle des Eishockeyclubs getroffen. Die mit Trikots und Fanschals bekleideten Fans sangen „Freezers geben niemals auf“.

Prominente Unterstützer

Viele Profi-Sportler stellen sich hinter die Freezers und rufen zu Spenden auf. Hier einige Beispiele:

Boxer Wladimir Klitschko schreibt auf seiner Facebook-Seite: „Hamburger, rettet Eure Hamburg Freezers. Es geht um mehr als nur Sport: Es geht um die Fans, die Liebe zum Eishockey, ein Stück Hamburger Kultur und die Vielfalt der Sportstadt Hamburg.“

Fußball-Nationalspieler Thomas Müller zeigt sich auf Twitter solidarisch:

HSV-Stürmer-Star Pierre-Michel Lasogga bittet bei Instagram um Spenden für die Freezers - auch aus persönlichen Gründen. „Da von dieser Entscheidung auch mein Kumpel Jerome Flaake betroffen sein könnte, probiere natürlich auch ich alles, dass es bei den Freezers eine Zukunft gibt.“

Und auch Ex-HSV-Spieler Marcell Jansen drückt die Daumen:

(mit dpa)

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erstellt am 24.Mai.2016 | 16:09 Uhr

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