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Ein Jahr nach dem Eklat : „extra 3“ steht zu Skandal-Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“

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Wegen des Satire-Songs wurde der deutsche Botschafter einbestellt. Die Redaktion würde den Beitrag heute wieder bringen.

Hamburg | Die Satiresendung „extra 3“ würde ihren Beitrag „Erdowie, Erdowo, Erdogan“, der vor einem Jahr einen Eklat auslöste, heute wieder so bringen. „Wenn sich Herr Erdogan auf den Schlips getreten fühlt, dann ist das ja eigentlich ein Traum für Satiriker“, sagte Redaktionsleiter Andreas Lange. „Das spornt einen ja noch an - wenn es inhaltlich begründet ist.“ Der „extra 3“-Beitrag „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ war am 17. März 2016 im Ersten zu sehen und wurde auf YouTube anschließend innerhalb von zwei Wochen rund drei Millionen Mal angeklickt. Bis heute wurden gut 10,4 Millionen Zugriffe gezählt.

Zur Musik von Nenas Hit „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ nahm das Satiremagazin das Vorgehen der türkischen Regierung gegen Medien, Demonstranten und Kurden auf die Schippe. Unter anderem mit Textzeilen über den türkischen Staatschef Zeilen wie „Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast“. Dazu waren Bilder zu sehen, wie ein Journalist abgeführt und eine Redaktion gestürmt wird. Zu Aufnahmen eines Treffens zwischen dem türkischen Präsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), bei dem sich beide die Hände schütteln, war die Empfehlung zu hören „Sei schön charmant, denn er hat Dich in der Hand“.

Die Satire über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan löste damals einen diplomatischen Eklat aus. Das Außenministerium in Ankara bestellte den deutschen Botschafter Martin Erdmann ein, um gegen den knapp zweiminütigen Film zu protestieren. Man habe zwar nicht erwartet, dass der Beitrag solche Auswirkungen haben würde, sagte Lange. Die Vorwürfe aus Ankara hätten die Redaktion aber ziemlich kalt gelassen. „Wenn man sich als Satiriker in Deutschland von der Kritik einer Regierung einschüchtern lässt, dann hätte man hier Verhältnisse wie in der Türkei.“

Genau 14 Tage nach dem „extra 3“-Beitrag las ZDF-Satiriker Jan Böhmermann in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ sein Gedicht über den türkischen Präsidenten vor, mit dem er nach eigenen Angaben den Unterschied zwischen erlaubter Satire wie in „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ und auch in Deutschland verbotener Schmähkritik demonstrieren wollte. Erdogan verklagte den Satiriker daraufhin wegen Beleidigung. „Er hat einfach ein anderes Konzept, wir würden das in der Form nicht machen“, sagte der „extra 3“-Redaktionsleiter zu dem Böhmermann-Gedicht, das wochenlang für Wirbel und Schlagzeilen sorgte. „Es ist ja gut, dass es in Deutschland die verschiedensten Formen von Satire gibt. Das war ja lange Jahre anders. Aber uns geht es nicht um den größtmöglichen Aufmerksamkeitserfolg, wir planen eher nach journalistischen Gesichtspunkten.“

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