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Hamburg

04. Dezember 2016 | 17:24 Uhr

Tarifgespräche 2016 : Eurowings und Germanwings streiken ab Donnerstag – auch in Hamburg

vom

Die Tarifgespräche sind gescheitert. Nahezu alle innerdeutschen Flüge werden gestrichen.

Mörfelden-Walldorf/Düsseldorf | Im Tarifstreit bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings und Germanwings hat die Kabinengewerkschaft Ufo ihre Mitglieder zu einem Streik an diesem Donnerstag aufgerufen. Der Ausstand sei von 0 Uhr bis 24 Uhr geplant, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch mit. Bei Eurowings sind die Standorte Düsseldorf und Hamburg betroffen, bei Germanwings zudem auch Köln, Dortmund, Hannover, Stuttgart und Berlin. Nach ersten Einschätzungen der Airline werden nahezu alle innerdeutschen Flüge ausfallen.

Mit dem Arbeitskampf der Flugbegleiter ist nahezu das gesamte Europa-Netz der Eurowings von Ausfällen und Verspätungen bedroht. Das Unternehmen hat seinen betroffenen Passagieren kostenlose Umbuchungen und Stornierungen angeboten. Sicher nicht bestreikt werden die Langstreckenflüge der Marke. Zudem sollen einzelne Europa-Flüge trotz des Streiks stattfinden. Einen Sonderflugplan wollte Eurowings auf der eigenen Homepage veröffentlichen.

Germanwings betreibt für die Plattform 58 Flugzeuge, die Eurowings bringt es auf 23 Jets. Zusätzlich sind noch ein knappes Dutzend Flugzeuge dazu gemietet, bei einer österreichischen Gesellschaft registriert oder auf der Langstrecke eingesetzt. Diese können nicht bestreikt werden.

Welche Rechte haben Passagiere im Falle eines Streiks?

Eurowings muss eine Ersatzbeförderung anbieten

Die Fluggesellschaft muss Kunden so schnell wie möglich eine alternative Beförderung anbieten. Bei streikbedingten Flugausfällen oder deutlichen Verspätungen ist eine Umbuchung auf einen anderen Flug möglich. Die Airline kann jedoch auch andere Transportwege anbieten, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist. Verschiebt sich ein Flug nur um wenige Stunden, können Kunden warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird. Fällt der Flug jedoch definitiv aus oder verspätet sich um mehr als fünf Stunden, dürfen sie das Ticket zurückgeben. Dann gibt es das Geld zurück.

Die Fluggesellschaft muss Kunden versorgen

Verschiebt sich der Flug wegen eines Streiks, haben Passagiere nach EU-Recht Anspruch auf Essen und Getränke. Meist erhalten sie dafür Gutscheine von der Fluggesellschaft oder - bei einer Pauschalreise - vom Veranstalter. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter auch die Übernachtung in einem Hotel übernehmen.

Passagiere haben kein Recht auf Entschädigung

Nach aktueller BGH-Rechtsprechung liegt im Fall eines Streiks höhere Gewalt vor. Das bedeutet: Reisenden steht keine Entschädigung zu, wenn der Flug ausfällt oder sich mehr als drei Stunden verspätet. Das gilt unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Streiks zu minimieren.

Bei einer Pauschalreise lässt sich der Preis mindern

Verpassen Pauschalreisende durch den Streik wertvolle Urlaubszeit, dürfen sie den Reisepreis mindern. Denn der Veranstalter muss seine Leistungspflichten erfüllen. Sitzt ein Kunde zwei Tage am Flughafen fest, kommt das Unternehmen dieser Pflicht nicht nach. Bei Kurzreisen kann der Kunde unter Umständen sogar kostenlos von der Reise zurücktreten und sein Geld zurückfordern. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es aber nicht.

Bei der Germanwings seien die Tarifverhandlungen für Teilzeitregelungen der Flugbegleiter gescheitert, teilte die Gewerkschaft mit. Das habe die Tarifkommission der Ufo festgestellt. „Auf unser Forderungspaket wurde nicht eingegangen, mehrere Termine fielen ersatzlos aus und das ,Angebot' der GWI zu Teilzeiten lässt eine Entlastung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht zu. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Interessen im Rahmen eines Arbeitskampfes durchzusetzen“, sagte Ufo-Verhandlungsführerin Sylvia De la Cruz einer Mitteilung zufolge.

Der Streik bei Eurowings bezieht sich nach Ufo-Angaben auf die Tarifforderungen zum Vergütungstarifvertrag, Manteltarifvertrag, zur betrieblichen Altersversorgung, zum Mitarbeiterfonds und zur Arbeitsplatzsicherung. „Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Eskalation kommen musste. Die Verhandlungen sind jedoch an einen Punkt gekommen, an dem es zu einem Streik keine Alternative gibt.

Besonders bei unseren Gästen möchten wir uns bereits jetzt für die entstehenden Unannehmlichkeiten entschuldigen“, erklärte der Ufo-Tarif-Vorstand Nicoley Baublies.

Es ist fraglich, wie viele der derzeit rund 400 Eurowings-Flugbegleiter Ufo tatsächlich zu einem Streik bewegen kann, da auch die Konkurrenzgewerkschaft Verdi in der Belegschaft stark vertreten ist. Verdi hatte im September einen Warnstreik bei der Eurowings GmbH veranstaltet, in dessen Folge acht Flüge in Düsseldorf annulliert werden mussten.

In den Verhandlungen bis in den Mittwochmorgen hatte die Ufo nach eigenen Angaben zuletzt eine Schlichtung nach dem Vorbild der Eurowings-Mutter Lufthansa vorgeschlagen, wo unter Leitung des Ex-SPD-Politikers Matthias Platzeck Lösungen gefunden worden waren.

Die Eurowings-Geschäftsführung habe sich kurzfristig dazu nicht in der Lage gesehen und mitgeteilt, dass sie den Vorschlag prüfen werde, berichtete die Gewerkschaft. Bis zum Nachmittag sei keine Zusage erfolgt. Ufo-Verhandlungsführerin De la Cruz warf dem Unternehmen Verzögerungstaktik vor.

Eurowings beharrte seinerseits darauf, dass man zu allen offenen Tarifthemen eine Schlichtung angeboten habe. Den Flugbegleitern habe man bei einer Laufzeit von 39 Monaten Gehaltserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent und eine höhere Gehaltsstruktur angeboten. Für die Streikdrohung habe man daher kein Verständnis.

Personal-Geschäftsführer Jörg Beißel erklärte: „Während bei anderen Fluggesellschaften über Abbau gesprochen wird, sprechen wir über Wachstum und Tariferhöhungen in einem schwierigen Marktumfeld. Vor diesem Hintergrund appellieren wir an die Verantwortung der Ufo, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und lösbare Tarifkonflikte nicht auf dem Rücken unserer Kunden auszutragen.“

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erstellt am 26.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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