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Hamburg

04. Dezember 2016 | 07:15 Uhr

Landgericht Hamburg : Erstickter Junge in Hamburg: Mutter spricht von „schrecklichem Fehler“

vom

Die 29-Jährige legt Decken auf ihr Kind und schaut eine Fernsehshow. Der Junge stirbt. Jetzt muss sie sich vor Gericht verantworten.

Hamburg | Sie sah sich auf dem Handy einen Film an, während ihr Baby nebenan qualvoll erstickte: Eine 29-jährige Mutter muss sich seit Dienstag wegen Totschlags an ihrem fünf Monate alten Sohn vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Sie selbst hatte Maximilian im November vorigen Jahres tot im elterlichen Bett entdeckt. Der Junge erstickte unter zwei Bettdecken, die ihm seine Mutter über den Kopf gelegt hatte, bevor sie das Schlafzimmer verließ.

In Hamburg wurden in den letzten Jahren einige Fälle von Kindesmisshandlung bekannt. Vor zwei Jahren starb die dreijährige Yagmur. Sie wurde von ihrer Mutter misshandelt. Im Dezember 2015 wurde der kleine Tayler zu Tode geschüttelt.

Zu Prozessbeginn legte Jasmina U. ein Geständnis ab - und schilderte erschütternde Einzelheiten ihrer Ehe. „Es war ein schrecklicher Fehler, ich habe den Tod von Maximilian verursacht. Dafür trage ich die Verantwortung“, heißt es in einer Erklärung der Frau, die ihr Verteidiger vortrug. „Ich und mein Partner waren unfähig, ein Kind großzuziehen.“

Am Tag der Tat habe sie sich „schlapp, leer und unruhig“ gefühlt, schilderte die Frau. „Maximilian schrie und ließ sich nicht beruhigen.“ Laut Anklage befand sich die Mutter zu de Zeit mit dem Säugling allein in der Harburger Wohnung. Sie habe das Kind bäuchlings ins Bett gelegt und zwei Decken so über dem gesamten Körper ausgebreitet, dass der Junge keine Luft bekam. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft tat Jasmina U. dies in der Absicht, das Baby „am weiteren Schreien zu hindern beziehungsweise das Schreien nicht hören zu müssen“.

Dass Maximilian in den folgenden Minuten mit dem Tod gerungen haben muss, will Jasmina U. nicht bemerkt haben. Sie habe sich etwa eine halbe Stunde im Wohnzimmer einen Film angesehen. Als sie dann nach dem Baby sah, war dieses bereits leblos. „Ich leide unendlich unter seinem Tod“, erklärte die Mutter, die seit der Tat in U-Haft saß und inzwischen wegen psychischer Probleme ins AK Ochsenzoll verlegt worden ist.

Ausführlich beschrieb die Angeklagte die Umstände ihrer Ehe mit dem Kindsvater, die zu ihrer Überforderung geführt hätten. Ihr Mann habe sie häufig geschlagen und getreten, so auch am Tag der Tat. Nach der Geburt des Sohnes soll der Vater seine Frau immer wieder schwer gedemütigt und beleidigt haben. „Er sagte zu mir, ,Du siehst aus wie ein Schwein'.“

Das Sexualleben des Paares empfand Jasmina U. als erniedrigend. „Er wollte immer Fesselspiele.“ Zudem habe ihr Partner ihr das Geld abgenommen und verboten, das Haus zu verlassen. So sei sie immer mehr vereinsamt. Auch den Säugling soll der Vater misshandelt haben. „Einmal hat er ihn so lange an den Beinen in die Luft gehalten, bis der Kopf rot anlief.“ Mehrfach soll Maximilian vom Sofa gefallen sein, weil ihr Mann lieber aufs Handy blickte als auf den Sohn aufzupassen.

Zugleich räumte die Angeklagte aber ein, vor der Schwangerschaft ohne Wissen ihres Mannes die Pille abgesetzt zu haben. Auch habe sie diesen mehrfach betrogen. Es habe ihr aber am Mut gefehlt, die Ehe zu beenden und ihre Eltern um Hilfe zu bitten.

Nach Angaben der Angeklagten führten die häufigen Streitereien dazu, dass sich das Jugendamt und der Kindernotdienst einschalteten. Im Beisein behördlicher Mitarbeiter sei der Ehemann aber stets freundlich aufgetreten. Die Behörden haben eine Mitschuld am Tod von Maximilian zurückgewiesen. 

Im Falle einer Verurteilung drohen Jasmina U. bis zu 15 Jahren Haft. Für den Prozess sind weitere elf Termine bis Mitte Juni angesetzt.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 17:51 Uhr

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