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Hamburg

07. Dezember 2016 | 09:32 Uhr

Friedrich Deimann baut Bio-Boote : Er ist das grüne Gewissen einer ganzen Branche

vom
Aus der Onlineredaktion

Friedrich Deimann ist das grüne Gewissen einer ganzen Branche. Und weil er der erste ist, der diese Idee wirklich umsetzen wollte, machte er sich kurzerhand selbstständig und gründete Green Boats.

Hamburg | Es ist voll am Messeauftritt von Friedrich Deimann auf der diesjährigen Hanseboot-Messe. Und der Zustrom an Menschen, die staunend um sein Bio-Boot stehen, eine GreenBente24, ein etwa 7,5 Meter langes Segelboot, ebbt nicht ab. Deimann ist angetreten, um nicht weniger zu tun, als einer ganzen Luxusbranche ins Gewissen zu reden. „Ich wollte sehen, wie ´grün´ lassen sich Boote bauen, ohne auch nur im Geringsten Abstriche bei der Qualität machen zu müssen“, so der 31 Jahre alte Bootsbaumeister. Deshalb gründete er Green Boats.

 

Nach seinen Lehrjahren in einem klassischen Holzbootsbau-Betrieb arbeitete Deimann auf einer Werft, auf der in großen Mengen klassischer GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) verbaut wurde. Doch die Materialien, die dabei verwendet werden, beispielsweise Harze aus Erdöl, widerstrebten dem jungen Bootsbauer zunehmend. Also machte er sich Gedanken und fing an, nach Alternativen zu recherchieren. Bis er auf eine Materialkombination stieß, die die heutige Grundlage seiner Boote darstellt: Flachs und Kork.

Flachsfasern entstehen aus einer Pflanze, die auch die Grundlage für Leinen darstellt. Der Kork kommt unter anderem aus Resten und Überschüssen der Weinindustrie. „Unsere Materialien stehen, so wie wir sie verbauen, den klassischen Bootsbaumaterialien in nichts nach“, sagt Friedrich Deimann und betont die Nachhaltigkeit seiner Produkte.

„Wir fertigen im so genannten Hightech Vakuum Infusionsverfahren mit Flachs, Kork und ökologischen Epoxidharzen aus Pflanzenöl“, so der Bootsbaumeister. 90 Prozent der Rohstoffe, die verwendet werden, sind nachwachsend und, verglichen mit traditionellem GFK-Bootsbau, liegt die Energieeinsparung bei 80 Prozent. „Wir zeigen, dass es möglich ist, im modernen Yachtbau auf Plastik zu verzichten und wünschen uns, dass sich unser Naturfaserverbundstoff als bessere Alternative zu den auf Rohöl basierenden Glasfaser- und Kohlefaserkunststoffen durchsetzt“, sagt Deimann. „Wir wollen die Schadstoffbelastung reduzieren, und zwar für uns, unsere Mitarbeiter in der Verarbeitung, für unsere Kunden beim Bewohnen und für zukünftige Generationen, die sich um die Entsorgung unserer Boote kümmern müssen.“

Von sprödem Öko-Charme ist nichts zu sehen - die Bio Bente punktet mit modernem Schick.

Von sprödem Öko-Charme ist nichts zu sehen - die Bio Bente punktet mit modernem Schick.

Foto: Schierer

Die auf der Hamburger Bootsmesse gezeigte GreenBent24 ist das weltweit erste Serien-Segelboot aus Flachs. Zehn Monate hat Deimann mit seinen zwei Mitarbeitern an dem 1450 Kilogramm leichten Erstling gearbeitet. In Zukunft soll die Bauphase um mehr als die Hälfte der Zeit reduziert werden.

Wo immer die Bio-Boote auftauchen, an Land oder zu Wasser, sie sorgen für Aufsehen. Deimann freut sich über den regen Zuspruch. „Das Boot, das noch bis Sonntag auf der Hanseboot besichtigt werden kann, ist längst verkauft und der Eigner ist mehr als zufrieden.“

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erstellt am 04.Nov.2016 | 19:00 Uhr

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