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Hamburg

09. Dezember 2016 | 18:29 Uhr

Kindesmisshandlung in Hamburg : Eltern bringen schwerverletzte Vierjährige zum Arzt und verschwinden

vom

Das Mädchen wurde laut Medienberichten offenbar schwer misshandelt. Die Polizei stehe in Kontakt mit den Eltern, hieß es.

Hamburg | Wieder ein Kind in Lebensgefahr in Hamburg – und wieder ein schrecklicher Verdacht: Im Fall eines scher verletzen Mädchens ermittelt die Mordkommission wegen Verdachts des versuchten Totschlags. Die Vierjährige war durch zwei Notoperationen im Kinderkrankenhaus Altona gerettet worden. Sie weist erhebliche innere Verletzungen sowie Hämatome am gesamten Körper auf. Inzwischen hat sich ihr Zustand stabilisiert. Ärzte und Ermittler vermuten eine mehrfache und länger andauernde Misshandlung des Mädchen als Ursache für die Blessuren.

Ansonsten gibt es in dem Fall allerdings noch deutlich mehr Fragen als Antworten. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich gestern offiziell nicht äußern und verwiesen auf die noch laufenden Ermittlungen.

Als gesichert gilt, dass eine Frau und ein Mann mit dem Mädchen am vergangenen Sonntagabend zur Notfallambulanz an der Stresemannstraße in Altona gekommen waren. Die Vierjährige sei nicht ansprechbar gewesen, heißt es. Das Paar soll angegeben haben, die Verletzungen stammten von einem Fahrradunfall. Doch die Mediziner hegten daran schnell Zweifel, das Verletzungsbild passte nicht zu dieser Erklärung. Die Hämatome seien teils älteren Datums gewesen. Die Ärzte veranlassten eine Verlegung ins Kinderkrankenhaus und verständigten die Polizei. Als diese eintraf, war das Paar verschwunden.

Wie es am Donnerstag inoffiziell hieß, soll es sich bei den beiden um die Eltern des Kindes handeln. Anders als zunächst gemeldet, sind sie aber nicht untergetaucht. Die Polizei kennt demnach den Aufenthaltsort der beiden in Hamburg und steht im Kontakt mit ihnen. Weiter verlautete, die Eltern kämen aus Bulgaren und hielten sich erst wenige Wochen in der Hansestadt auf. Warum sie in die Stadt gekommen sind, ist unklar.

Sollte sich der Verdacht einer schweren Misshandlung bestätigen, steht der Fall in einer Reihe mit diversen Tragödien Hamburger Kinder in den vergangenen Jahren: Zuletzt sorgte der Fall Tayler für Aufsehen. Der vom Jugendamt Altona betreute ein Jahr alte Tayler war am 19. Dezember 2015 mutmaßlich an einem Schütteltrauma gestorben. Sein Stiefvater muss sich derzeit vor Gericht verantworten.

Im November 2015 hatte das Landgericht einen 27-Jährigen wegen schwerer Kindesmisshandlung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seinen drei Monate alten Sohn so heftig geschüttelt, dass dieser seit der Tat Ende April schwerstbehindert ist. Vor zwei Jahren wurde Yagmur von ihrer Mutter getötet. Die elfjährige Chantal war 2012 an einer Überdosis Methadon gestorben.

Im November vergangenen Jahres hatten Ärzte durch eine Notoperation das Leben eines neun Monate alten Babys aus dem Stadtteil Osdorf gerettet. Die Eltern stehen unter Verdacht, den kleinen Deljo beinahe zu Tode geschüttelt zu haben. Gegen die 26 Jahre alte Mutter und den 22 Jahre alten Vater wird wegen Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 20:50 Uhr

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