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Hamburg

05. Dezember 2016 | 01:35 Uhr

Ur-Enkel des Tierpark-Gründers : Elefanten-Krawatte und Dackel „Fiete“: Carl Claus Hagenbeck wird 75

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Ur-Enkel des Tierpark-Gründers ist mit den Zootieren großgeworden. Am 1. November feiert er Geburtstag. Ein Porträt.

Hamburg | Carl Claus Hagenbeck wohnt direkt hinterm Eismeer. Wenn er über seine Terrasse geht, steht er sogleich mitten in dem Hamburger Tierpark, der den Familiennamen trägt. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagte Hagenbeck, Ur-Enkel des legendären Tierpark-Gründers Carl Hagenbeck (1844-1913), und macht eine ausladende Bewegung mit dem Arm. Vor dem Wohnzimmerfenster reckt ein Pfau neugierig den Hals. Dahinter ragen die künstlichen Klippen der Eismeer-Welt von Pinguinen, Walrössern und Eisbären auf. Am 1. November wird der langjährige Chef des Tierparks, Carl Claus Hagenbeck 75.

Der Ur-Enkel wird 1941 geboren, am Ende des Zweiten Weltkriegs ist das Tierpark-Gelände in Hamburg-Stellingen zu mehr als 90 Prozent zerstört. „Mein Vater und die Mitarbeiter mussten mühsam Tiere zusammensammeln, denn 1948 sollte ja 100-jähriges Jubiläum des Tierparks gefeiert werden“, sagt Hagenbeck. 100 Jahre zuvor hatte der Fischhändler Gottfried Clas Carl Hagenbeck (1810-1887) auf St. Pauli sechs Seehunde ausgestellt, von Schaulustigen Eintritt genommen und die Tiere später verkauft. Das gilt in der Familie als Geburtsstunde der Tierschau.

Der Sohn Carl Hagenbeck gründet dann später ein Tierhandelshaus und entwickelt das Konzept der gitterlosen Freigehege. 1907 eröffnet in Stellingen der weltweit erste Tierpark mit diesem Konzept, schreibt der Tierpark auf seiner Homepage. Heute besuchen jährlich mehr als eine Million Menschen „Hagenbecks“.

Löwen im Tierpark Hagenbeck.
Löwen im Tierpark Hagenbeck. Foto: dpa
 

„Ich habe mit Freunden im Tierpark Indianer gespielt“, erinnert sich Hagenbeck. „Das war ein 24 Hektar großer Spielplatz.“ Hier lernt er auch, Tiere zu verladen. „Ich weiß, wie man eine Antilope in die Kiste bringt und mit dem Kescher Affen fängt.“ Von falscher Sentimentalität hält Carl Claus Hagenbeck wenig. „Mein Vater hat mir früh vermittelt, dass wilde Tiere eben wilde Tiere sind.“ Wenn es nicht gerade Haustiere waren, durften die Kinder sie nicht streicheln.

Natürlich sei er auch Tierfreund, versichert Hagenbeck, der Tierarzt ist, als Beruf aber lieber „Tiergärtner“ angibt. Vorrangig sei es, die Bedürfnisse der Tiere zu kennen. Man verlange ja nichts von den Tieren, „sie sollen einfach nur da sein“. „Wir haben sozusagen ein Hotel für Tiere.“ Und privat? „Wir haben keine Tiere“, gesteht Hagenbeck. „Wir hatten 15 Jahre unseren Dackel Fiete. Dackel müssen Fiete heißen. Als der gestorben ist, hat meine Frau gesagt, das halte ich nicht nochmal aus“, erzählt Hagenbeck und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Auge.

Nach dem Studium in Hannover fängt Hagenbeck als Tierarzt und Prokurist im Tierpark an. 1970/71 begleitet er die Anfänge des Delphinariums. Nicht nur die tierärztliche Seite, sondern auch die Wasseraufbereitung sind Neuland für ihn.„Hier kam mir zugute, dass ich technisch sehr interessiert bin“, sagt der Oldtimer-Fan. Er bastelt, baut und konzipiert. „Ich kenne von allem ein bisschen, und ansonsten habe ich meine Experten.“ Neu erfinden muss er den Tierpark nicht. „Den Tierpark der Zukunft hat mein Ur-Großvater schon erdacht.“ Danach sei es vor allem darum gegangen, Dinge und Abläufe zu verbessern. So wurde am Flamingo-Gehege eine Winterhalle gebaut, um den umständlichen Transport der Tiere in das Winterquartier zu vermeiden. Das Elefanten-Gehege wurde vergrößert, ebenso die Ara-Voliere.

Besonders stolz ist Hagenbeck auf die Elefantenzucht. 1984 entstand die Idee, asiatische Elefanten zu züchten, erinnert sich der großgewachsene Mann mit den weißen, vollen Haaren, während er die Elefantendame Shandra mit Bananen füttert. „Drei Jahre hat der Papierkrieg mit indischen und deutschen Behörden gedauert.“ Dann wurde der Elefantenbulle „Hussein“ aus Indien geholt.

Inzwischen gibt es bei Hagenbecks eine Herde von elf Elefanten. Seine Leidenschaft für die großen Tiere kann man auch an den Krawatten von Carl Claus Hagenbeck erkennen. „Ich habe mindestens 50 Krawatten mit Elefanten darauf und weitere 50 mit anderen Tieren.“ Sein zweites Lieblinsprojekt ist das Urwaldhaus für die Orang-Utans.

Der transparente Kuppelbau kann zur Hälfte geöffnet werden, wenn es warm ist. Überhaupt kommt Hagenbeck besonders bei technischen Fragen so richtig in Fahrt. „Als ich hier anfing, gab es nicht in jeder Anlage fließend Wasser und elektrisches Licht. Geheizt wurde noch mit Kohleöfen.“ Heute wird mit der Abwärme der Kühlmaschinen vom Tropenaquarium das Elefantenhaus beheizt. „Ich hätte auch Ingenieur werden können“, sagt Hagenbeck. „Aber eigentlich war immer klar, dass ich das hier machen würde.“

Um die Zukunft der Tierparks und Zoos ist Hagenbeck nicht bange.„Tierparks wird es auch in 100 Jahren so oder so ähnlich geben.“ Natürlich müssten sich die Zoos aber weiterentwickeln. Das gelte für Attraktionen, aber auch für die Arbeit am Image der Tiergärten. „Man muss ehrlich sein. Auch in Zoos sterben Tiere, werden Tiere getötet, verfüttert. Das ist eben nicht eine kleine heile Welt.“

Und Hagenbeck erinnert an den offensiven Umgang mit dem Thema in Zoos wie dem in Nürnberg oder auch im dänischen Odense. Dort waren eine junge Giraffe und ein Löwe getötet und danach öffentlich seziert worden, weil der Raum in den Gehegen knapp wurde und es im europäischen Zuchtprogramm keinen Platz für die Jungtiere gab. Es folgte ein Aufschrei der Empörung in der Öffentlichkeit. „Wir machen hier auch Bildung“, sagt Hagenbeck und verweist auf die Zoo-Schule im Tierpark. „Und da müssen wir die Wahrheit sagen.“

Carl Claus Hagenbeck ist nach wie vor Geschäftsführer der Carl Hagenbeck GmbH, die den Tierpark an die gemeinnützige Gesellschaft verpachtet, die von seiner Tochter Bettina und von Friederike Hagenbeck geführt wird. Und auch um die siebte Generation bei Hagenbecks macht sich Carl Claus wenig Sorgen. „Mein Enkel Carl Friedrich ist jetzt 17, künstlerisch begabt und biologisch interessiert. Ich glaube, das ist genau sein Ding.“

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erstellt am 31.Okt.2016 | 16:05 Uhr

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